10 | Hochzeitsglocken

Was bisher geschah:
Isaac: Blitzschnell wandte er sich zu Ethan und noch bevor einer von uns reagieren konnte stach er auf Ethan ein. Sprachlos standen wir da und konnten und vor Schreck nicht mehr vom Fleck bewegen. Langsam tropfte das Blut vom silbernen Eisen hinunter auf den Boden. Keuchend wandte sich Ethan zu Tyler und versuchte noch etwas zu sagen, doch in diesem Moment zog der Dämon die Sense wieder aus seinem Körper und sorgte dafür, dass der Polizist nur noch mehr blutete. Mit halbgeöffneten Augen hielt er sich die Hand auf die Wunde und blickte unglaubwürdig an sich hinunter, "Tyler?!"  Der Schmerz überwältigte ihn und zwang ihn auf die Knie zu sinken. Ethan hatte Atemnot und schnappte kläglich nach Luft. Doch nach und nach verlor der Polizist das Gefühl von seinen Gliedern. Eine ungeheure Kälte überkam ihm weshalb er mit seinem Kinn anfing zu zittern. Mit zusammenfallenden Augen an versuchte Ethan mit seinen Lippen Lebwohl zu formen. Unglücklicherweise hörte in diesen Moment sein Herz auf zu schlagen. Seine Augen verdrehten sich und seine Augenlieder klappten zusammen und blieben endgültig geschlossen...

10.5. Nur für dich

Aus der Sicht von Tyler:
Noch bevor Ethan zu Boden fallen konnte, stürmte ich zu meinem besten Freund und bewahrte ihn vor einem Sturz. Verzweifelt rüttelte ich an Ethan und redete immer wieder auf ihn ein: „Ethan, mach keinen Scheiß. Bitte… Komm mach jetzt nicht schlapp… Das kannst du mir doch nicht antun! Nicht jetzt! Öffne verdammt noch mal deine Augen… sofort!“ Ich wollte nicht akzeptieren, dass sein bester Freund vor seinen Augen verstarb und ich es nicht verhindern konnte. Mit Tränen in den Augen legte ich meinen Kopf auf seine Brust und war untröstlich…  Ethans Tod traf mich wie ein Blitzschlag. Ich hatte noch nie zuvor, so viel Schmerz und Leid empfunden wie in diesem Moment. Schlimmer als tausend Messerstiche, die gleichzeitig in meinen Körper gerammt wurden. Jede noch so qualvolle Dämonenfolter, die ich bis jetzt erleiden musste, jede gescheiterte Niederlage, die ich als Anwalt einstecken mussten, konnte nicht mal ansatzweise an den Schmerz herankommen, den ich jetzt gerade verspürte. Es war unbeschreiblich. Ich war wirklich am Boden zerstört. Ich hatte so viel mit Ethan erlebt, durchlebt und gelebt. Das alles sollte auf einmal vorbei sein? Meine Trauer wurde mit Hass und Wut erfüllt, als ich an den Mörder meines besten Freundes dachte.

Ich drückte Ethan und schloss meine Augen… In mir brodelte es, als ich realisierte, dass ich ihm nie zeigen konnte, wie wichtig er mir war. Ich wurde bei diesem Gedanken nur noch wütender und trostloser. Die Wut, die wie ein feuriger Vulkan glühte, der nur darauf wartete, auszubrechen, entflammte in meinem ganzen Körper. Wie ein tobender Tiger, der es kaum erwarten konnte, aus dem Käfig frei gelassen zu werden, fing es in meinem ganzen Körper an zu kribbeln. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Nach Trauer und Wut kamen anschließend die Schuldgefühle, die ich Ethan gegenüber hatte. Ich war derjenige, der Ethan in die ganze Dämonensache hineingezogen hatte. Ich war derjenige, der ihn nicht daran gehinderte hatte, mir bei meiner Dämonejagt zu helfen. Ich hätte es voraussehen müssen. Ich hätte klüger sein müssen. Ich! Ich! Nur ich war schuld - ganz allein und niemand anderer…

Und Ethan, er war der wahre Held, der ohne Wimpern zu zucken geholfen hatte und keine Angst hatte, sich gegen die mächtigen Dämonen zu stellen. Wenn ich so zurückdachte, war ich eher der, der sich anfangs immer geweigert hatte meine Bestimmung wahrzunehmen. Alle Trauer und Schuldgefühle brachten mich in diesem Moment nicht weiter. Ethan würde nicht mehr aufstehen und mich lachend anschauen. Nein, er wird mich nicht mehr auf die Schippe nehmen können und mir bei irgendeiner Sache aus der Patsche helfen. Ich war an einem Punkt angelangt, wo ich nun Vergeltung wollte. Der Dämon, der meinen besten Freund getötet hatte, sollte mich nun kennenlernen und sich warm anziehen! Ohne auf mögliche Gefahren zu achten, stürmte ich auf Thanitus zu und schlug ihn mit voller Wucht ins Gesicht, wodurch dieser gegen die Wand knallte und sich an der aufgeplatzten Wunde anfasste. „Konntest du dich nicht mit einem Messen, der in deiner Gewichtsklasse war? Warum hast du nicht mich angegriffen, sondern Ethan?“ Die Tränen die sich mehr und mehr in meinen Augen sammelten, flossen nun über die Wange während ich den Dämon beschimpfte: „Du gottverdammter Bastard! Ich werde dich persönlich in die Hölle bringen und dafür sorgen, dass du darin verrottest! Keiner soll dich jemals wieder herausholen können. Jeder der es versuchen würde dich zu befreien, sollte mich kennenlernen!“ Ich sah sprichwörtlich rot und kannte nun keine Hemmnis mehr.

Wütend packte ich Thanitus und vergaß völlig, dass Jonathan von dem Dämon besessen war und ich ihn womöglich verletzen könnte. Immer und immer wieder schlug ich auf ihn ein und gab ihn keine Zeit zum Luft holen. Ich glühte förmlich vor Wut und wollte nicht eher aufhören, bis er reglos am Boden lag. Da der Sensenmann durch meine harten Schläge und Tritte die Sense aus seiner Hand verlor, war er wirklich wehrlos. Nicht mal mit seinen Gedanken konnte er mich Kontrollieren, weil ich ihm die Zeit nicht dafür gab. „Tyler hör auf! Du wirst Jonathan sonst noch umbringen.“ Gerade als er versuchte nach seiner Sense zu greifen, zückte ich aus meinem Jacket die Pistole, die mir Ethan vor einigen Monaten gegeben hatte und richtete sie gegen den besessen Jonathan. Mit gefürchteten Blick starrte der Dämon mich an und gab sich geschlagen… Die Anwesenden merkten, wie ich langsam die Kontrolle über mich verlor und wollten mich daran hindern, etwas zu tun, was ich im Nachhinein bereuen würde: „Tyler hör auf! Hör sofort auf! Wenn du ihn jetzt tötest, wärst du kein Stück besser als Thanitus“ Weinend drehte er sich zu Atropos, die ihn gerade belehren wollte. Mit zusammengepressten Lippen und gläsernen Augen sah er sie an. „Ihr versteht es nicht! Ich habe meinen besten Freund verloren. Nein, er ist nicht nur ein Freund sondern wurde in den Jahren immer mehr zum kleinen Bruder. Ein Bruder, auf den ich immer aufpassen musste. Und was ist jetzt? In der einen Sekunde, wo er mich am dringendsten gebraucht hatte, konnte ich ihm nicht helfen!

Von meiner Wut überwältigt drückte ich mehrere Male hintereinander ab. Alle versuchten mich aufzuhalten und eilten zu mir, doch ich stieß sie von mir weg und wollte nicht eher aufhören, bis er reglos vor mir liegen blieb. Noch bevor ich meine letzten Patronen abfeuern konnte, spürte ich, wie mich jemand festhielt und meine ausgestreckten Arme runter drückte. Irgendjemand umklammerte mich und ich konnte mich nicht befreien, da er stärker als ich war. Als ich mich verwundert umdrehte, konnte ich Ethans Geist sehen, der mich mit ernsten Blicken ansah! „Lass nicht zu, dass du zum Mörder wirst! Lass es einfach sein. Vielleicht ist es Schicksal, dass ich bei diesem Kampf sterben musste!“ Weinend ließ ich die Pistole fallen und presste verbittert meine Lippen zusammen. „Ich verstehe es nicht… Wieso du?! Verdammt noch mal wieso?!!!“… Thanitus konnte sich wieder erholen und griff nach seiner Sense. Mit voller Wucht schleuderte er sie in meine Richtung, „Tyler, pass auf!“… Gerade als die Sense mich treffen konnte, verschlang uns ein gewaltiges, weißes Licht. Ich hörte noch, wie Sarah sich über etwas freute, „Ich habe es geschafft! Juhu…“...

Aus der Sicht von Sarah (Soul Survivor):
Mit einem lauten Schrei wachte ich im Taxi auf und konnte mich noch genau an die schrecklichen Momente erinnern, die ich erlebt hatte. „
Junge Lady, wir sind da. Sie sind während der Fahrt kurz eingeschlafen. War wohl ein anstrengender Tag.“, äußerte sich der Taxifahrer, der nur mit dem Kopf schüttelte, da er dachte, dass ich wohl nicht alle Tassen im Schrank hatte. „Das macht dann 35 Dollar.“ Schnell reichte ich ihm die Fahrtkosten und stieg aus dem Wagen aus. Ich musste Tyler und die Anderen warnen. Hoffentlich würden sie das alles verstehen und mich nicht für verrückt erklären. Wieder reihte ich mich unbemerkt in die Menge und wartete nun darauf, dass Dwight mich aufsuchen würde. Ich stand auf meine Zehspitzen und streckte meinen Kopf durch die größeren Personen, die vor mir standen. Mit verstörten Blicken sah mich Hope an, die nicht nachvollziehen konnte, weshalb ich so nervös und unruhig war. Während ich noch Ausschau hielt, tippte mich eine Person von hinten an. „Bist du Sarah?“ Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich den jungen Mann mit der Sonnenbrille vor mir sehen konnte. „Ja und ich weiß nun alles. Komm, wir müssen so schnell wie es geht fort.

Etwas verwundert, liefen wir hastig hinter einem Baum. „Es werden so viele Leute sterben und darunter auch Tylers bester Freund, Ethan.“ Auf diese Bemerkung hin, riss Dwight seine Augen auf. „Hast du denn schon etwa die Zeit zurück gedreht?“ Nickend bestätigte ich seine Frage. „Ja und wenn es diesmal schief geht, kann ich nichts mehr dagegen unternehmen!“ -„Weißt du denn, wie wir den Dämon besiegen können.“ Leider musste ich ihn enttäuschen und schüttelte den Kopf. „Nicht nur er wird auftauchen, sondern auch unzählige andere Dämonen. Es wird eine Schlacht ausbrechen...“ Nachdenklich runzelte er die Stirn und blickte zur Seite. „Gibst du Tyler diese kleine Glocke? Sag ihm, dass es ein Geschenk ist und dass er dies gut aufbewahren soll!“ Nun fiel mir erst ein, dass ich beim ersten Mal das Geschenk gar nicht überreicht hatte. „Was hat es denn mit der Glocke auf sich, wenn ich fragen darf?

Naja, sagen wir so. Es ist Wertvoll und kann sehr nützlich sein.“ Mit der Antwort war ich zwar nicht zufrieden, musste mich aber damit abfinden. „Ich überlege gerade, wie wir die Hochzeit vor den Dämonenangriffe schützen können. Ich muss wohl Hypnos um Rat fragen. Vielleicht kann ich ja die Wiedergeburt von Thanitus aufhalten und somit die Hochzeit von meinen Eltern retten.“ So heldenhaft es geklungen hatte, machte ich mir trotzdem Sorgen, weil ich nicht wusste, wie wir den schwarzen Mann vernichten konnten. „Ich muss die freundlichen braunhaarigen Frauen, Amy und Lynda kontaktieren. Weißt du wie man sie am besten erreichen kann?“ Auf die Frage hin antwortete er, dass sie sich an Tyler wenden sollte und er ihr dabei weiterhelfen könnte. Nach diesen Worten trennten sich unsere Wege und jeder von uns hatte zwar einen anderen Weg eingeschlagen, doch wollten wir das selbe erreichen – Die Katastrophe verhindern.

Aus der Sicht von der Dämonenmutter:
Ich schloss die Badezimmertür ab und stellte mich vor dem Spiegel. Hinter meinem Rücken hatte ich einen kleinen Dolch versteckt, den ich für die Wiedergeburt des Sensenmannes, Thanitus einsetzen wollte. Es klopfte unerwartet an der Tür, „
Schatz, ich geh schon mal ins Bett. Kommst du dann.“ Ich verdrehte genervt meine Augen und murmelte vor mich hin, „Bin ich froh, wenn ich dich los werde und endlich frei entscheiden kann, welchen Körper ich besitzen möchte.“ -„Schatz? Hast du etwas gesagt?“ Um ihn loszuwerden, gaukelte ich ihm etwas vor, dass ihn vom Badezimmer verhilet. „Ich spring noch schnell unter die Dusche und komm dann. Warte nicht auf mich..." Endlich ließ er mich alleine und ich konnte somit fortsetzen, was ich schon den ganzen Tag hatte machen wollen.

Ich streckte meine Arme raus und öffnete meine Hand. Mit der Handfläche nach oben, fügte ich mir eine tiefe Schnittwunde zu und ließ das Blut in das Waschbecken tropfen. Als das Blut sich nach und nach ansammelte, und ich merkte, wie die Frau in mir um ihr jämmerliches Leben rang, tunkte ich meinen Finger in das Blut und zeichnete ein umgedrehtes Kreuz auf den Spiegel. Langsam schloss ich meine Augen: „Aus der Menschenwelt verbannt, will ich dich Rufen. Thanitus, du allmächtiger Seelenfänger sollst mich erhören und aus der Hölle befreit werden. Ich schenke dir ein neues Leben und gebe dir die Chance, Rache gelten zu lassen. Werde wieder ein Teil der ultimativen Sieben und versetze die Welt wieder in Angst und Schrecken!“ Das Blut das am Spiegel klebte, leuchtete hell auf und fing an zu brennen. Meine Augen wurden ebenfalls rot. Aus dem Flammen flog ein dunkler schwarzer Rauch an mir vorbei. Glücklich lachte ich, „Drei Krieger sind in unmittelbarer Nähe. Suche dir einen Körper aus, der gerade auf der Hochzeit des einen Kriegers ist.“…

Aus der Sicht von Ethan:
Fassungslos stand ich da und musste mit ansehen, wie Carmen von zwei Wasserdämonen vom Schiff gestoßen wurde und stürmte an die Stelle, wo gerade noch meine Arbeitskollegin stand. „
Wieso hast du mir nicht gesagt, dass Carmen in Schwierigkeiten kommen würde“, warf ich Sarah vor, die uns alle vor der bevorstehenden Gefahr gewarnt hatte. Doch anscheinend hatte sie wohl einen kleinen Teil vergessen, was für mich aber ein verdammt großer Teil war. „Ich wusste von Carmen nichts. Als ich hier oben war, wart ihr nur noch da. Das mit Carmen musste schon vorher passiert sein. Das konnte ich doch nicht wissen“, verteidigte sich Sarah. Ohne groß nachzudenken sprang ich ins Wasser, „Ethan nicht!“ Zu spät kamen die Rufe von Tyler, der mich aufhalten wollte. Das eiskalte Wasser ließ das Blut in meinen Adern gefrieren, doch ich konnte auf mein persönliches Empfinden nicht Rücksicht nehmen. War es denn beim ersten Mal genauso dass ich im See nach Carmen gesucht hatte? Ich wusste es nicht, da ich mich an nichts erinnern konnte.

Das Wasser war nicht klar, weshalb ich Probleme hatte, alles genau zu erkennen. Zum Glück konnte ich durch meine Tätigkeit als Polizist lange die Luft anhalten, weshalb ich länger unter Wasser bleiben konnte. Wo um alles in der Welt war denn Carmen? Ich konnte sie nirgends sehen. Ich blickte an mir hinunter und tauchte immer tiefer in den Abgrund. Langsam merkte ich, wie die Luft immer dünner wurde. Verflixt, ich brauchte Sauerstoff und obwohl ich nicht an die Oberfläche hoch schwimmen wollte, musste ich es. Noch auf dem Weg dort hin, schwammen zwei Wasserdämonen mit einer ungeheuren Geschwindigkeit zu mir und griffen mich an. Mit Mühe und Not, wich ich den Krallen der Kreaturen aus. Da mein Puls weiterhin anstieg und mir nach und nach die Luft weg blieb, konnte ich mich weniger konzentrieren. Das Blut stieg mir zu Kopf und dröhnte ununterbrochen.

Mit einem harten Tritt, traf mich der eine Wasserdämon, wodurch ich vor Schmerzen mein Mund öffnen musste. Wasser gelangte durch den Mund in mein Körper und ich merkte, wie ich immer mehr die Orientierung verlor. Wieder bekam ich einen harten Schlag, was zur Folge hatte, dass ich wie betäubt tiefer in den See trieb. Ich hatte mich damit abgefunden, dass es wohl Schicksaal war, dass ich auf der Hochzeit von Tyler sterben würde. Schließlich wusste ich von Sarah, dass ich bei dem Kampf mit Thanitus ebenfalls verunglückte, doch es kam alles ganz anders. Wie aus heiterem Himmel schoss aus dem Abgrund eine gewaltige Person empor, wie ein Phoenix, der gerade triumphierend an die Oberfläche sauste. Mit verschwommenen Blicken konnte ich den Umriss einer Frau erkennen, die wenn ich mich nicht irrte nur leicht bekleidet war und gewaltige Flügel hatte. Diese riss mich zu sich und zog mich aus dem kalten Wasser. Durch den gewaltigen Druck im Ohr und meiner Atemnot, verlor ich das Bewusstsein und bekam nicht mehr mit, wie ich an die Oberfläche gelangen konnte und wer meine mir das Leben gerettet hatte...

Aus der Sicht von Ava:
Im Saal konnte ich einen dumpfen Schrei von Tyler hören, weshalb ich nicht mehr ruhig bei den Gästen bleiben konnte, um sie vor den Kampf auf dem oberen Deck abzulenken. Sollte ich Tyler einfach dort oben kämpfen lassen und auf gut Glück hoffen, dass ihm nichts zustoßen würde? Wir waren erst frisch verheiratet und ich wollte doch nicht gleich Witwe werden! Nein, ich konnte nicht hier unten bleiben. „
Hope, sorge dafür, dass die Gäste hier unten bleiben.“ Irritiert sah sie mich an, „Ja, ok. Ava was ist denn los?“ „Ich erkläre es dir später, aber jetzt muss ich zu Tyler“, wimmelte ich sie ab und sauste zur Tür hinaus. Gerade als ich die Tür aufgemacht hatte und die Treppen hinauf schritt, sah ich auf einmal, dass Jonathan mir gefolgt war. Wie ein verrückter raste er an mir vorbei und ein unbekannter Mann (Hugh/Hypnos) schmetterte seine Sense in unsere Richtung. In diesem Moment tauchte ein dunkler Schatten vor mir auf, streckte seine Arme hervor und ließ die Sense ohne jegliche Mühe vor ihm abprallen.

Verschwindet und lasst die Menschen in Ruhe“, forderte der Schattendämon auf und bekam fragende Blicke zugeworfen. „Das ist ein Befehl von der Dämonenmutter und ollte sich irgendjemand dagegen widersetzen, bekäme er es mit ihr höchstpersönlich zu tun!“ Nach diesen bitter ernsten Drohung verzogen sich die ganzen Dämonen vom Schiff. Der besessene Jonathan knirschte empört seine Zähne, „Was soll das? Ich bin doch erst wieder Auferstanden und soll nun wieder gehen? Nein! Niemals.“ Kopfschüttelnd lief der Schattendämon zu Thanitus (Jonathan). „Pläne können sich hin und wieder mal verändern. Es wird der Tag kommen, wo wir gegen die Krieger kämpfen werden, doch heute ist es noch nicht soweit!“ Nach diesen Worten berührte der Schattendämon Thanitus Stirn und zog den Dämon aus dem Körper des besessenen Menschen heraus. Mit einem düsteren Lachen verschwand er dann vom Schiff und ließ uns mit verdutzten Blicken alleine.

Was war denn das bitteschön?“, fragte Mason und wandte sich zu Atropos, die nur fragend mit der Schulter zuckte. „Ich weiß es nicht. Irgendetwas muss wohl bei den Dämonen vorgefallen sein, dass sie sich wieder zurückziehen, aber was bloß?“ Nachdenklich sah Atropos zu Tyler, der mich in seinen Armen hielt und zärtlich am Rücken streichelte. „Haben wir Katastrophe verhindern könne?“, fragte ich ihn. „Mein Gefühl sagt mir, dass jemand anderes die Finger im Spiel hatte und wir uns bei dieser Person bedanken müssen.“ Tyler beruhigte mich mit diesen Worten und küsste mich auf die Stirn. Als ich daraufhin meine Augen schloss, spürte ich auf einmal eine tiefe Trauer, die sich in meinen Körper breit machte. Ich wurde unruhig und das merkte auch Tyler. „Hast du was? Du siehst richtig bleich um die Nase herum aus.
Verunsichert blickte ich auf den Boden, „
Ich habe so ein Unwohles Gefühl im Bauch, aber wieso?“ Besorgt, strich er mir über die Haare und drückte mich an sich, „Wahrscheinlich ist es die Aufregung. Schließlich haben wir heute ziemlich viel erlebt. Erst die Hochzeit, dann der Kampf und später unsere Hochzeitsnacht“, scherzte Tyler und wollte mich ablenken. Ich lachte kurz auf und schüttelte nur den Kopf, „Na du bist mir aber einer.“ In unserer Zweisamkeit mischten sich nun die Moiren und die Krieger ein. „Wir lassen euch nun in Ruhe, schließlich solltet ihr von eurer Hochzeit noch etwas haben. Aber hey, wisst ihr wo Ethan ist?“…

Aus der Sicht von Tyler:
In der ganzen Hektik hatte ich Ethan total aus den Augen verloren und erst durch die Frage von Lachesis fiel mir auf, dass er gar nicht mehr bei uns war. „
Ach verdammt! Er ist doch ins Wasser gesprungen und ist seither nicht mehr aufgetaucht“, rief ich besorgt und eilte zum Rand des Schiffes. Ich blickte ins Wasser und suchte nach meinem besten Freund, mit der Hoffnung, dass er irgendwo an der Oberfläche war. Doch leider wurde ich enttäuscht. Das Wasser war ganz ruhig und hatte keine Anzeichen gemacht, als wäre jemand ins Wasser gefallen oder gesprungen. Erschüttert darüber, dass ich Ethan im Stich gelassen hatte, schlug ich wütend über mich selbst, gegen die Schranke und biss mir auf die Zähne. Unerwartet hörten wir hinter der Aufbaute ein lautes Husten. Ich rannte zur Stimme, die nach Ethan klang und hoffte so sehr, dass er es auch wirklich war. Meine Wünsche wurden erhört und ich konnte Ethan keuchend und nach Luft schnappend am Boden sehen. „Gott sei Dank bist du da.“ Total durchnässt richtete er sich langsam auf und blickte verwirrt und total neben sich getreten zu mir. „Ich habe vorerst genug von dem Wasser“, hustete er und schnappte nach Luft.

Überglücklich, dass ihm nichts geschehen war umarmte ich ihn und bekam verwunderte Blicke, „Wow, so herzlich hast du mich aber noch nie Umarmt. Na na, wenn Ava das sieht, wird sie sicherlich eifersüchtig sein, weil ich schon eine harte Konkurrenz für sie bin.“ Lachend mischte sich Ava ein, die mittlerweile vor uns stand. „Du bist doch für mich keine Konkurrenz, ist aber erfreulich zu sehen, dass es dir gut geht.“ Seine Stimmung wurde getrübt, als er an Carmen denken musste, die irgendwo im See war und keiner wusste, ob sie lebte oder ertrank. Schweren Herzens trottete Ethan an den Bug und schloss seine Augen, während der leichte Wind seine Wangen berührte. Traurig senkte er seinen Kopf und hoffte inständig, dass Carmen irgendwo sicher und wohlauf war… „Wir sollten ihn jetzt alleine lassen. Ich werde die Moiren darum bitten Carmen ausfindig machen.“ Mit vermischten Gefühlen liefen wir die Treppe zum unteren Deck hinunter…

Nach der Hochzeit

Aus der Sicht von Ava:
Die Hochzeitsfeier verging wie im Flug und ich hätte mir gewünscht, dass sie nie enden würde. Doch wie es einmal war, ging jede schöne Feier einmal zu Ende und nachdem wir alle langsam wieder an das Ufer fuhren und sich die Gäste langsam verabschiedeten, fuhren wir beide wieder mit der Limousine nach Hause. Tyler war sichtlich erleichtert, als er seinen Smoking ausziehen konnte und legte zuerst seine Krawatte ab. „
Du könntest wohl noch tagelang dein Hochzeitskleid tragen, nicht wahr?“ Verlegen schielte ich ihn verlegen an, „Ja ich fühl mich darin wie eine Prinzessin.“ Ich warf meinem Ehemann ein strahlendes Grinsen zu, woraufhin er mich stürmisch packte und hinaus aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer brachte, „Ich habe dich gerade über die Schwelle getragen, ist dir das aufgefallen?“, informierte er mich so nebenbei, während er mich auf der Couch niederließ. Wir saßen nun auf der Couch und sahen uns stillschweigend und verliebt an. Tyler beugte sich zu mir und gab mir einen langen zärtlichen Kuss. „Jetzt versteh ich es“, fing er an. - „Du verstehst was?“ Mit strahlenden Augen sah er mich an, „Wieso du die auserwählte bist“.

Es war so süß, was er gerade gesagt hatte und ich konnte einfach nicht anders. Ich musste ihn einfach für sein romantisches Geständnis küssen… „Weißt du, dass du mich jeden Tag auf’s neue überraschst? Die Traumhochzeit, die du für mich auf die Beine gestellt hast war wirklich zauberhaft und ich denke, dass sich jedes Mädchen so eine tolle Hochzeit wünscht. Ich kann von Glück reden, dass mein sonst so grob motoriger Ehemann nun auch seine andere Seite zeigen kann. Ich weiß nicht, was oder wer dich dazu bewegt hat, offener mit deinen Gefühlen umzugehen, aber ich finde es gut…“ Tyler lächelte zufrieden und meinte, dass wir beide schlafen gehen sollten, da der Tag zwar schön war, aber dennoch seine Spuren hinterlassen hatte. Ich nickte ihm einvernehmlich zu und lief in seinen Armen ins Schlafzimmer. Es dauerte wirklich keine fünf Minuten, ehe wir beide eingeschlafen waren.

Mitten in der Nacht wachte ich auf einmal auf, da ich eine Stimme hörte, die immer wieder nach mir rief. Als ich verwundert zu Tyler rüber blickte, sah ich, dass er noch tief und fest schlief, weshalb er es nicht sein konnte. Verschlafen stand ich vom Bett auf und lief aus dem Schlafzimmer. Die Stimmen kamen aus der Küche und als ich gerade ein Fuß in die Küche machte, verwandelte alles um mich herum. Ich stand auf einmal auf den Gehweg des Brooklyner Stadtteils und vom Himmel fielen viele kleine Schneeflocken. Bin ich gar nicht aufgewacht und träumte das nur alles? Alles deutete daraufhin. Ich konnte wieder die Stimme hören, die nach mir rief und als ich mich verwundert umdrehte, stand der junge Mann vor mir, den ich schon einmal in einem Traum gesehen hatte. „Dwight?“ Mit schnellen Schritten lief er zu mir und in seinem Gesicht konnte man deutlich seine Nervosität sehen. „Du musst Dad davon abhalten in die Hölle zu gehen. Dort ist es zu gefährlich und er konnte dort für immer festgehalten werden.“ Irritiert runzelte ich die Stirn, „Wieso sollte er in die Hölle gehen wollen?“ Dwight presste seine Lippen zusammen. „Er versucht seinen Sohn zu retten… Er hat herausgefunden, dass ich euer Sohn bin und außerdem den Pakt mit dem Schattendämon eingegangen bin um euch zu retten.“ Entsetzt öffnete ich meinen Mund und stotterte vor mich hin: „Du warst es? Du warst derjenige, der die Pläne der Dämonen geändert hat?“ Traurig nickte Dwight und legte seine Hand auf meine Schulter. In diesem Moment konnte ich seine Angst und Trauer förmlich spüren, da seine Gefühle mir übertragen wurden. War es etwa der natürliche Instinkt einer Mutter?

Obwohl ich froh war, am Leben zu sein, war ich dennoch traurig, dass ausgerechnet unser eigener Sohn sich für uns geopfert hatte. Seine traurigen Augen füllten sich langsam mit Tränen, wodurch ich ebenfalls anfangen musste zu weinen. „Ich habe dich doch erst zwei Mal gesehen und nun willst du schon wieder gehen?“, fragte ich ihn und wischte meine Tränen weg. Er warf sich in meine Arme und drückte mich fest. Auch er wollte nicht gehen, aber hatte keine andere Wahl. „Du und Dad haben mich und meine Schwester in der Zukunft gerettet, also sind wir nun dran, euer Leben zu retten. Die Carrendoors werden wohl nie von den Dämonen in Ruhe gelassen und es wird immer so sein, dass einer von uns gehen muss… Sie lassen uns nicht eher Ruhen, bis sie uns alle in der Hölle haben...
Wieso sagte er so etwas zu mir? Wusste er nicht, dass er mich damit richtig verletzen würde? Ich wollte doch nicht, dass mein Sohn sein Leben für mich aufgab? Wenn, dann müsste es anders herum sein. Ich als Mutter müsste dafür Sorgen, dass es meinen Kindern gut ging.. „
Ich will nicht das du gehst. Bleib bitte hier... Wir lernen uns doch gerade erst kennen“, schluchzte ich und drückte ihn noch fester in meine Arme und würde ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen wollen...

Aus der Sicht von Dwight:
„Ich sehe Ihn. Er wartet auf mich.“ Ich löste mich langsam von meiner Mutter, da ich hinter ihr Hypnos (Hugh), den Seelenbegleiter sehen konnte. Er hatte seine Kutte an und deshalb konnten ihn nur die verstorbenen Menschen sehen. Mit seiner Sense öffnete er das Tor zur Hölle und forderte mich auf, hinein zu gehen. Ich hatte so schreckliche Angst. Was würde mich in der Hölle erwarten? Würde es wirklich so schrecklich sein, wie es erzählt wird? Alles brachte nichts, denn ich würde es ja nun selbst herausfinden. Die Zeit war gekommen. Nun war ess soweit. Ich musste mich von der Welt und von meiner liebsten Person auf der Welt verabschieden – meine Mutter, Ava Carrendoor. „
Musst du jetzt wirklich gehen? Kann ich nicht dafür sorgen, dass du hier bleiben kannst?“ Ich schüttelte zögerlich den Kopf und sah, wie Hypnos ungeduldiger wurde. „Nein und wenn, will ich das gar auch nicht… Sei nicht traurig. Der kleine Wurm in deinen Bauch wird dich auf trab halten und in einigen Monaten dein Leben so gründlich auf den Kopf stellen.

Der Seelengleiter zeigte wieder auf das Tor und deutete daraufhin, dass ich nun wirklich gehen sollte. Normalerweise dürfte sich ein verstorbener nicht von seinen liebsten Personen verabschieden, doch da ich durch meinen Pakt die Wiedergeburt von seinem Bruder Thanitus verhindern konnte, drückte Hypnos ein Auge zu. Ich warf einen Blick durch das Tor und konnte meine ganzen Freunde und Familie sehen. War das etwa die Hölle? Wären wir alle wieder nach dem Tod zusammen sein? Sie winkten mir zu und wollten, dass ich endlich durch das Tor ging. Es war irgendwie so ein erlösendes Gefühl. Die ganzen Monate, wo ich um meine verstorbenen Freunde und Familie getrauert habe, würden mit einem Schlaf verflogen sein, weil sie dort waren. Tränen schossen in meine Augen, als ich meine Mutter aus der Vergangenheit sah, die mit ihren Tränen kämpfen musste... "Dwight komm jetzt endlich, wir können deine Ankunft kaum erwarten", forderte mein Vater aus der Zukunft auf und lächelte mich dabei an...

 


... Ende der 10. Episode