Was bisher geschah:
Kurz darauf fing das Telefon an zu schellen. „NYPD - Detective Brand,..“ – Aus
dem Hörer ertönte ein lautes Rauschen und danach weibliche Hilfeschreie. „Hallo?
Wer ist denn dran?“ Trevor riss seine Augen weit auf und deutete auf den PC, so
dass Ethan via GPRS den Standort des Anrufs nach verfolgen konnte. „Was hörst du
denn?“, fragte Ethan, während er mit der Maus ein Programm öffnete. „Ich glaube,
dass wir gerade mit verfolgen können, wie jemand gequält wird.“
13.3. Den Tätern auf der Spur (Teil 1)
Tyler und Hope waren in dem Handyladen,
wo vorne dran der Wagen von Alex Burks geparkt hatte. Sie hofften, dass der
Laden eine Kamera aufgestellt hatte die Aufnahmen bis auf die Straße oder
zumindest auf die parkenden Autos reichte. Ein etwas korpulenterer, kleiner
schwarzhaariger, er müsste wohl südländischer Abstammung sein, stand etwas
grimmig schauend auf die zwei Personen, die in seinen Laden hinein traten. „Wie
kann ich Ihnen helfen? Ein neues Telefon für die stundenlange Liebestelefonate?“
Hope zog ihre rechte Augenbraue hoch, lachte kurz auf und sah Tyler an. „Nein,
wir suchen kein neues Handy. Außerdem ist dieser Herr mit meiner besten Freundin
verheiratet und ich bin mir sicher, dass sie was dagegen hätte… Nichts desto
trotz sind wir aber wegen etwas anderem hier.“
–„Das wäre?“,
fragte er etwas enttäuscht, da er gehofft hatte etwas verkaufen zu können. Er
stützte sich mit beiden Handballen auf den Tresen ab und wartete darauf, den
wahren Grund ihres Besuches zu erfahren.
Tyler blickte an die Wand und entdeckte eine kleine Kamera, die wahrscheinlich in Betrieb war, da ein rotes Licht leuchtete. „Haben Sie die Kamera durchgehend an und reichen die Aufnahmen bis zur Straße vor?“ Der Handyverkäufer nickte einmal. „Können wir uns das Band kurz anschauen? Wir müssen wissen, was in der letzten Nacht passiert war.“
Nun schüttelte der Mann mit dem ausländischen Akzent den Kopf. „Sie sind hier nicht in der Videothek. Die Aufnahmen werden nicht einfach so herausgegeben.“ Hope legte ihre Hand auf den Tresen und sah ihn bittend an. „Wir versuchen gerade einen Mord aufzuklären. Unser Mandant wird wegen des Mordes beschuldigt und ihre Videokamera könnte unseren Mandanten womöglich entlasten!“ Der Mann weitete überrascht seine Augen, „Sie sind Anwälte?“ Hope und Tyler nickten einstimmig. „Staatsanwälte?“ Zögerlich fingen die beiden an, den Kopf zu schütteln und konnten schon ahnen, was nun folgen würde. Der Lateinamerikanische Staatsbürger, Luigi zeigte ein spitzbübiges Grinsen, „Na wenn es so ist muss ich ihnen das Band nicht geben, es sei denn…“
Hope verdrehte ihre Augen, blickte kurz zu Tyler, der ebenfalls einen genervten Gesichtsausdruck hatte und machte einen langen Seufzer. „Wenn ich dafür etwas Bares bekommen würde, könnte ich Ihnen sogar eine Kopie vom Band geben.“ Hope erhob ihren Zeigefinger und meinte zu ihm, dass er einen Moment warten sollte. Danach lief sie mit Tyler etwas zur Seite. „Jetzt will er noch bezahlt werden“, schimpfte Hope leise, sodass Luigi nichts mitbekam. „Wir brauchen aber das Band, anders können wir die Unschuld von Burks nicht beweisen“, entgegnete Tyler seiner Arbeitskollegin und drehte seinen Kopf kurz zu Luigi, der ihn wieder mit seinem geldgierigen Grinsen anstarrte.
Nachdem die beiden ausdiskutiert hatten, lief Hope wieder zum Verkäufer und war damit einverstanden, die Aufnahmen gegen Geld zu bezahlen. „500 Dollar macht das dann.“ Tyler riss entsetzt seine Augen auf. 500 Dollar für eine Kopie? Ist er auf dem Kopf gefallen oder war er doch einfach nur auf das Geld scharf - Er hätte ihm höchsten 10 Dollar gegeben, aber 500 war doch ziemlich übertrieben.
„Ich habe mich da doch gerade verhört, nicht wahr?“, meinte Tyler zu Luigi, nachdem er einige Schritte zu ihm gelaufen war. Dieser aber schüttelte den Kopf, „500 Dollar – Ansonsten können Sie Ihre Beweise irgendwo anders herbeiholen“, wiederholte der Mann ein weiteres Mal. „Soviel habe ich aber nicht dabei“, äußerte sich Hope, als sie ihren Geldbeutel aufgemacht hatte. „Elektronisches Geld würde in Ausnahmen auch gehen.“ Tyler musste ruhig bleiben um den Mann nicht an den Hals zuspringen, holte aber letztendlich sein Portemonnaie aus seiner Manteltasche hervor und zuckte nach seiner Masterkarte. „500 Dollar und kein Penny mehr!“, sagte Tyler mit kalter Miene an Luigi gerichtet.
Mit gierigen Augen nahm der Handyverkäufer die Karte an sich, tippte 500 Dollar in sein Kassenprogramm ein und zog die Kreditkarte durch den Schlitz des Terminals. „Es war mir eine Freude mit ihnen Geschäfte gemacht zu haben“, bedankte sich Luigi, nachdem er Tyler die Karte zurückgegeben hatte. „Und die Kopie des Videos?“, fragte Hope gereizt und tippte ungeduldig mit ihren schwarzen Absatzschuhen gegen den Fußoden auf und ab. Kurz darauf verschwand Luigi in ein Hinterzimmer und tauchte nach fünf Minuten wieder mit einer CD in der Hand auf. „Hier bitte schön, frisch aus dem Laufwerk..“, lachte er und bekam ein unverständliches Kopfschütteln von Hope.
„Kein Wunder, dass dieser Kerl seine Handys nicht verkauft bekommt.. So ein geldgieriger… 500 Dollar für eine dämliche Kopie. Tyler, 500 Dollar, dass sind mindestens fünf mal im Restaurant 360 fein essen“, schimpfte Hope nachdem sie aus dem Laden ging - Sie konnte solche Leute einfach nicht verstehen. „Ich hätte die 500 Dollar auch lieber anders ausgegeben, aber wir sind eben keine Staatsanwälte, die ohne jeglichen Aufwand das gewünschte Material ausgehändigt bekommen. Wenigstens verdienen wir mehr als sie. Komm, wir fahren jetzt wieder zurück in die Kanzlei und schauen uns das Band an. Wollen wir dazu Popcorn und Chips?“ Hope lachte kurz auf und sah ihn nur kopfschüttelnd an. „Kannst du auch einmal ernst bleiben? Ich rege mich wirklich darüber auf und du solltest dich nicht darüber lustig machen..“ - „Mach ich doch nicht.“ Kaum hatte er das gesagt, er hatte einen leicht-ironischen Unterton, bekam er von ihr einen leichten Klaps auf den Oberarm…
.: NYPD Revier :.
„Komm mach schon... Du warst auch schon
mal viel schneller“, murmelte Ethan, während das GPRS nach dem Ort sucht, woher
der Anruf kam. „Irgendetwas ist komisch an diesem Telefonat.“
Nach Trevors Aussage hin drehte sich Ethan fragend zu ihm und wollte wissen, was er genau damit
gemeint hatte. „Also wenn ich mich nicht Täusche wiederholt sich das Telefonat –
Erst kommt ein komisches Rauschen, dann die Schreie einer Frau und anschließend
mehrere dumpfe Geräusche.“
Ethan stellte sich wieder aufrecht, griff sich den Hörer und wollte sich selbst vergewissern. Tatsächlich – Wie bei einem CD-Player, der auf Endlosschleife gestellt wurde, wiederholte sich eins zu eins das Telefonat. „Also geschieht das nicht in diesem Moment, sondern wurde vorher schon aufgenommen“, sagte Ethan während er einen Blick auf den Bildschirm warf, um zusehen wie weit das GPRS mittlerweile mit der Suche war. Auf der elektronischen Brooklyn Stadtkarte, wurde mit einem roten Punkt eine Straße mit Hausnummer markiert – 14th Boerum Place. „Lass uns da hinfahren, schnell“, forderte Trevor auf und stand schon fast an der Tür, als Ethan sich ebenfalls dazu entschloss mitzukommen. „Ich hole schnell meine Jacke aus meinem Büro, starte schon mal den Motor.“ Hastig eilte Ethan in sein Zimmer, griff sich seine Jacke, blieb jedoch kurz stehen, als er in seinem Monitor eine ungeöffnete Mail sehen konnte. Mit einem mulmigen Gefühl, öffnete er die Email. "Die Menschen sehen nur das, was sie sehen wollen." Wer zum Henker schickte ihm die merkwürdigen Nachrichten? Was hatten die Nachriten zu bedeuten? In Gedanken versunken, schlenderte er aus seinem Büro, in seinem Kopf schwirrten die zwei Nachriten umher - Die Wahrheit kommt immer ans Tageslicht - und - Die Menschen sehen nur das, was sie sehen wollen - Zwei Aussagen, die so widersprüchlich waren, die womöglich ein Zusammenhang hatten, ließ Ethan keine Ruhe mehr. Er stieß an der Eingangstür mit Carmen zusammen, so sehr war er beschäftigt, die Nachrichten zu entschlüsseln. „Sind wir heute stürmisch?“, fragte sie ihn mit einem kleinen Lächeln. „Nein, nur total durch den Wind. Ich erkläre dir das alles später, da Trevor sonst noch Wurzeln schlagen wird, wenn ich noch länger brauche.“
Bevor Carmen etwas sagen konnte, zwinkerte er ihr zu und wandte sich von ihr ab. Mit zusammen gepressten Lippen sah sie Ethan hinterher, der wirklich etwas neben sich getreten wirkte und ging zum Empfang. Von weitem ertönte eine männliche, tiefe Stimme, die Carmen zu Begrüßung ein Hallo zurief. "Wo sind Trevor und Ethan hin?", fragte sie ihren Kollegen. „Detective Brand hat gemeint, dass er und Officer Bridgeman auf dem Weg sind, um den mysteriösen Anruf mit der schreienden Frau aufzuklären.“ Carmen blickte in die Richtung, woher die Stimme kam und nahm Detective Russell zur Kenntnis, der in der Vergangenheit oft Witze auf ihre Kosten gemacht hatte. Jahrelang wurde sie von ihm und einige andere Kollegen aufgezogen, doch sie hatte sich nicht einschüchtern lassen, da Ethan sie immer vor den anderen in Schutz genommen hatte, seit sie sich angefreundet hatten. Alles begann in der sechsmonatigen Ausbildung in der Polizei-Akademie...
Nach der Highschool dachte Carmen inständig, dass es mit den Hänseleien besser wurde, aber da hatte sie sich getäuscht. In der Akademie ging es nahtlos weiter. Genau wegen diesen Leuten, die nichts besseres zu tun hatten, als Andere fertig zu machen und so taten, als wäre es das normalste auf der Welt. Deshalb wollte sie auch Polizistin werden – Eine starke Frau, die Verbrecher einbuchten würde.
Während viele in der Akademie einen großen Bogen um sie gemacht hatten, weil sie nicht dem typischen Kate-Moss Index entsprach, sondern eher die Streberin oder das Mauerblümchen verkörpert hatte, tat Ethan das nicht. Carmen war skeptisch und daher dachte sie anfangs, dass Ethan genauso war wie die anderen – Es passte doch alles zusammen und daher urteilte sie schon über ihn, bevor sie sich eigentlich kennengelernt hatten.
Er saß bei den Leuten, die die Schwächeren unterdrückt hatten, sie selbst bezeichneten sich als Angesagte und erlaubten sich Dinge, die abstoßend und erniedrigend waren. Ethan besaß einen - vom Vater geschenkten - BMW X3, was bedeutete, dass er aus einer wohlhabenden Familie kam und hatte eine Freundin, eine typische - aus der Highschool freigelassene – Cheerleaderin mit piepsiger Stimme, als würde sie ununterbrochen Helium anstatt Sauerstoff einatmen. Schrecklich und Nerv tötend. Genauso nervig war ihre überhebliche Art und das bezog sich nicht nur auf ihren hochnäsigen Gang, sondern ihrer ganze Person – Ihr Name war Tyra Bates.
Carmen
merkte erst am
17.10.2005, diesen Tag hatte sie fett in ihrem
Tagebuch unterstrichen, wie Ethan Bridgeman wirklich war – sie hatte ihn ja
abgestempelt und deshalb jeden Kontakt zu ihm vermieden. An diesem besagten Tag
hatte sie ihr Mäppchen vergessen, wollte aber unbedingt im Unterricht alles
mitschreiben, um für die bevorstehenden Prüfungen gut vorbereitet zu sein. Da
Ethan direkt hinter ihr saß und ihre nervösen Gesten sehen konnte, tippte er sie
an und reichte ihr einen schwarzen Kugelschreiber – „Ich glaube, dass du den gebrauchen könntest“, sagte er zu ihr und lächelte sie
mit seinen geheimnisvollen grüngrauen Augen an, der in dem Moment so
hypnotisierend war – zumindest fühlte sich das für Carmen so an und wettete,
dass Tyra sich genau in diese Augen verliebt hatte. Sie konnte es nicht lassen,
in ihn anzuschauen und als sie den Kugelschreiber
aus seiner Hand nahm, war es so als hätte er im Gegenzug ihr Herz genommen -
Es war um ihr geschehen. War das Liebe auf den ersten Blick, denn Tag für Tag wuchs ihr Interesse an
den ein
Kopf größeren Ethan, bis sie sich schließlich eingestehen musste, dass sie
Gefühle für ihn hatte.
Doch er war nicht ganz unschuldig. Als Ethan im dritten Monat beschloss sich im Unterricht neben Carmen zu setzen, war es der Beginn einer langjährigen Freundschaft die bis heute anhielt und darüber hinaus zu einer ernsthaften Beziehung entwickelt hatte. Doch vorher waren es erst kleine – die für die Lehrer gehasste – Gespräche während dem Unterricht, die sich dann zu gemeinsamen Prüfungsvorbereitungen und Mittagspausen entwickelt hatten.
Er merkte wahrscheinlich gar nicht, dass Carmen sich über beide Ohren in ihn verguckt hatte. Sie bekam immer funkelnde Augen und konnte bei seinen kleinen Witzen immer herzhaft lachen… Doch Ethan war vergeben, was wiederum bedeutet hatte, dass Ethan sie mit ganz anderen Augen ansah, als er bei Tyra. Er vergötterte Tyra förmlich und war noch ein größerer Gentleman, als er bereits war – Ja sie hatte mit ihm das große Los gezogen und war sich das wohl nicht bewusst, wenn man mit ansehen musste, wie sie ihn behandelt hatte. Carmen fragte sich manchmal wirklich, was Ethan von ihr wollte. Hatte sie ihn verzaubert und ihn blind gemacht? Blind vor Liebe? Carmen stellte sich manchmal vor, wie es so wäre, wenn sie mit Tyra tauschen könnte, sie würde sicherlich im siebten, nein sogar im, nicht existierenden, achten Himmel schweben...
Der Arbeitskollege merkte, dass Carmen wieder in Gedanken versunken war und versuchte sie ein zweites mal zurück zu holen. „Könntest du die alte Polizeiakte von Alex Burks aus dem Archiv holen? Terrence Capwell benötigt sie.“ Carmen blinzelte einige Male um wieder mit den Gedanken bei der NYPD zu sein. „Ja, kann ich machen. Was ist denn genau passiert?“ Der Arbeitskollege erzählte ihr in knappen Sätzen den Sachverhalt. Nachdem sie das gehört hatte, lief sie in den Archiv um die gewünschten Akten zu holen…
****
Trevor und Ethan klopften an dem
Apartment, woher das Telefonat kam. Als niemand die Tür öffnete trat Ethan ein
Schritt zurück, so dass Trevor die Tür eintreten konnte. Als die Tür aufsprang,
kam ihnen einen intensiven Verwesungsgeruch entgegen, weshalb sie sich die Hand
vor den Mund halten mussten und vorsichtig in die Wohnung hinein tasteten. „NYPD,
ist jemand zu Hause?“ Trevor und Ethan liefen durch den Flur, am Schlafzimmer
sowie der Küche vorbei und betraten das linke Zimmer - das Wohnzimmer. Ethan
traf fast der Schlag, als er die Frauenleiche auf dem Teppichboden sah. Ihre
Arme waren weit ausgebreitet, dass weiße Hemd aufgeknöpft und mit Blut versehen,
die Haare total zerzaust und ihre beiden Beine leicht nach außen gespreizt. Doch
was war das? Sie hatte keine Augen mehr, stattdessen quoll das Blut aus der
Augenhöhle und lief ihre Wangen hinunter – Schrecklich und Erschreckend.
Ethan klappte sein Handy auf, holte die Visitenkarte von Agent Fuller aus seiner Innentasche und tippte die Nummer ein. „Wir haben eine Frauenleiche gefunden – Sie ähnelt dem anderen Opfer, Olivia Schneider. Kommen Sie in die 14 Boerum Place, Apartment 130.“
„Wer zum Teufel ist so brutal und tötet die unschuldigen Frauen?“, fragte Trevor während er dabei war, etwas über die tote Person herauszufinden. In einer braunen Lederhandtasche, die auf der Couch lag, fand er einen Geldbeutel mit ihrem Ausweis darin. „Amanda Kottmeyer, 1980 geboren. Hier habe ich noch eine Visitenkarte von Dr. Benton vom Kings Country Hospital. Falls sich unsere Vermutungen bestätigen, ist das Opfer auch Schwanger gewesen… Ich könnte durchdrehen. Der Verrückte hat schon vier Leute auf seinem Gewissen! Zwei werdende Mütter und zwei ungeborene Kinder!“ Bedrückt sah Ethan seinen Arbeitskollegen nach seiner Aussage an. Er hatte so Recht und hoffte insgeheim, dass die Moiren den Dämon finden würden, der für diese brutalen Morde verantwortlich war…
..: Jack Lewis Kanzlei :..
Gespannt saßen Tyler und Hope vor dem
PC und legten die CD in das Laufwerk ein. Nachdem er den Wiedergabeknopf
angeklickt hatte, sprang der Media-Player auf. Auf dem Video wurde die genaue
Zeit angezeigt, weshalb sie das Video erst ab der Stelle abspielen ließen, als
es gerade 00:00 Uhr wurde. „Okay, dass ist wohl noch zu früh“, murmelte Tyler und
bewegte den Zeiger mit gedrückter Maustaste etwas nach rechts -00:15. „Jetzt
müsste er langsam auf der Kamera zusehen sein.“ Hope verschränkte ihre Arme vor
der Brust und wartete gespannt, was sie nun sehen würden - Vielleicht ein voll
betrunkener Mann, der das Opfer in sein Auto zerrte um sie anschließend
kaltblütig zu töten? „Da schau, Burks läuft da an seinen Wagen.“ Beide konnten
sehen, wie er noch knapp zwei Minuten vor seinem Wagen stand und diesen
begutachtete. Anschließend stieg er ein, bewegte seine Hand Richtung Zündschloss
und blickte mehrere Male in den Rückspiegel. „Wovor hat er sich denn
erschreckt? Da ist doch niemand“, fragte Hope
und kniff ihre Augen etwas zusammen in der Hoffnung, dass
sie erkennen konnte wovor er sich erschrocken hatte. Trotz aller Bemühung sah
sie aber nichts. Im Video sahen sie, wie er aus seiner Hosentasche das Handy
herausholte und in den Hörer sprach. „Das ist wahrscheinlich das Telefonat mit
seiner Freundin, Molly Sailer.“ Was Tyler ihr
jedoch
verschwieg war die Tatsache, dass er für Sekundenbruchteile eine Person auf den
Rücksitz gesehen hatte, die aber nicht klar zu erkennen war.
Unerwartet wurde das Video körnig und flackerte ununterbrochen, so dass sie nichts mehr von den Aufnahmen erkennen konnten. „Oh nein… das gibt’s doch nicht…“, ärgerte sich Hope und schielte kurz zu Tyler, der seine Augen hochkonzentriert auf das Video gerichtet hatte. Tyler und Hope konnten nur hoffen, dass die Störung bald ein Ende nahm. Der Anwalt spulte etwas weiter nach vorne, bis das Video wieder klar und ohne Verzerrungen war. 01:30 Uhr. Die eine Stunde, worin nicht nachvollziehbar war, was er in dieser Zeit getrieben hatte. „Und was ist, wenn er zwischen 0:30 und 1:30 die Frau getötet, in den Kofferraum versteckt, sich zurück in sein Wagen setzte und sich anschließend schlafen gelegt hatte?“ Die Theorie von Hope würde Terrence Capwell sicherlich auch aufgreifen. „Steht der Zeitpunkt des Todes im Autopsiebericht?“, fragte Tyler woraufhin Hope aus ihrer Tasche den Bericht auspackte und aufschlug. Sie überflog das geschriebene und las die Stelle, worin die geschätzte Uhrzeit des Todes abgeschätzt wurde. „Der Gerichtsmediziner schätzt den Todeszeitpunkt auf 1:15 Uhr“ Tyler hatte befürchtet, dass der Todeszeitpunkt perfekt in die fehlenden Aufnahmen passte – so konnte er Burks leider nicht entlasten, doch was nun?
Während Hope und Tyler sich den Kopf zerbrachen, wie sie ihren Mandanten in seiner ungünstigen Lage heraushelfen konnten, klopfte es an Tylers Bürotür. Kurz daraufhin wurde diese weit aufgerissen und ein aufbrausender, gereizter Mister Bosworth stürmte vor Tylers Bürotisch. "Es kommt zu einem Verhandlungsprozess. Morgen werden sie vor dem Gericht zusammen mit Miss Waltham Alex Burks vertreten. In diesem Schreiben steht alles noch einmal detailliert geschrieben. Ich hoffe für sie beide, dass sie bis dort hin eine Strategie haben wie man Mister Burks vor einer Verurteilung retten können." Nach diesem mehr oder weniger eindeutigen Aussage, wandte er sich wieder von den beiden verdutzt blickenden Anwälte ab und lief genauso stürmisch aus dem Büro, wie er gekommen war. Mit weit geöffnetten Augen, sahen sich Tyler und Hope an. Konnten die beiden denn bis morgen handfeste Beweise liefern können, die den Angeklagten entlasten? Bis jetzt sah es allerdings schlecht aus...
.: Kings Country Krankenhaus :.
Ava war gerade auf dem Gang, als sie
auf Tyra Bates
traf. Sie beide kannten sich durch Ethan, wobei die beiden nie zu Freundinnen
wurden, weil sie zu verschieden waren. Ihre Unterhaltungen waren deshalb immer
nur sehr kurz und beide konnten mit dem anderen auch nicht wirklich ein
passendes Thema finden, worüber sie sich hätten unterhalten können. „Ava
Darwin? Ja du bist das ja wirklich? Sag, wie lange haben wir uns denn nicht mehr
gesehen“, begrüßte Tyra während sie nicht
aufhören konnte, auf Avas runden Bauch zustarren. „Ich
heiße jetzt Carrendoor und ja, ich habe nicht zugenommen sondern erwarte ein
Baby.“ Tyra setzte ihr altbekanntes,
künstliches Lächeln auf, „Du und Tyler habt
geheiratet? Ja das ist ja mal ein Ding. Glückwunsch zur Ehe und zum Baby.“
Stolz, fasste sich Ava an den Bauch und dachte an ihren Dwight aus der Zukunft,
der seit Monaten nicht mehr bei ihnen aufgetaucht war. Er wollte eigentlich nur
für eine kurze Zeit in seine Welt zurück um nach den Rechten zu schauen, aber
Ava wusste auch, dass ihre zweite Tochter, Violet womöglich seine Hilfe
brauchte. „Darf ich mal dein Bauch berühren?“,
fragte Tyra und bewegte ihre Hand schon in Richtung Bauch.
Nachdem Ava einvernehmlich genickt hatte, legte Tyra ihre Hand vorsichtig auf ihren Bauch. „Wow, dein Bauch ist ja richtig fest… Das ist wirklich unglaublich. Zumindest weiß ich dann, was mich in einigen Monaten erwartet.“ Wie bitte? Tyra war ebenfalls Schwanger? „Du bist auch Schwanger, habe ich das richtig verstanden“, wollte Ava wissen und sah sie mit unglaubwürdigen Augen an. „Ich habe heute Morgen von Dr. Benton erfahren, dass ich im zweiten Monat schwanger bin und jetzt wollte ich einfach nur noch einmal eine Bestätigung von Dr. Benton einholen.“ Glücklich sah Tyra nicht aus, obwohl sie eigentlich vor Freude über beide Ohren hätte strahlen müssen – zumindest erging es Ava und Tyler so, als die beiden von der Nachricht erfahren hatten. „Was bedrückt dich denn?“, hakte Ava nach. „Naja… Es geht dich zwar nichts an, aber ich habe mich vom Vater des Kindes vor einem Monat getrennt. Mein Kind wird also ein typisches uneheliches Kind sein… Ich weiß, wie man sich später fühlen wird und das ist vor allem im Kindergarten nicht schön…“
Ava hatte Tyra noch nie so bedrückt gesehen, weshalb sie endlich hinter die große arrogante und eingebildete Fassade blicken konnte. Mitfühlend legte sie ihre Hand auf Tyras Schulter und tröstete sie. Nachdem Tyra sich wieder einigermaßen gefangen hatte, fragte sie nach Ethan: „Wie geht es Ethan? Geht es ihm gut? Was macht er denn?“ Die Fragen kamen wie aus der Pistole aus ihrem Mund geschossen, weshalb Ava erst überlegen musste, was sie zu der Exfreundin von Ethan sagen sollte. „Ihm geht es gut. Er arbeitet immer noch bei der NYPD und ja… Ihm geht es gut.“ Die Tatsache, dass er mittlerweile mit Carmen zusammen war - auf die Tyra sowieso schon einen Groll entwickelt hatte - behielt sie für sich. Doch genau das Liebesleben ihres ehemaligen Freundes interessierte sie. Gerade als sie die Frage stellen wollte, liefen an Ava und Tyra zwei Personen in dunklen Anzügen vorbei - Agent Miller und Agent Fuller. Sie klopften an der Tür des internen Frauenarztes, Dr. Benton.
Ava und Tyra wussten ja nicht, wer diese beiden waren, waren sich aber einig, dass beiden nicht zu einer Untersuchung kommen würden. „Oh da fällt mir ein, dass ich noch Einkaufen gehen muss. Ich brauche ja nun neue Klamotten wegen der Schwangerschaft. Hoffentlich gibt es auch tragbare Kleider, ich will ja schließlich nicht wie ein Kartoffelsack durch die Stadt laufen…“, sagte Tyra und verabschiedete sich von Ava, die ihre Augen immer noch auf die zwei Agenten gerichtet hatte…
Fortsetzung: 13.3. Den Tätern auf der Spur (Teil 2)