13 | Schuldig

13.4. Kampf im Vollmond

Tyler und Ethan standen vor Alex und Mollys Apartment. Sie wollten Alex noch vor seiner Mutation zum Werwolf überraschen und Molly somit vor ihn beschützen. Als Ethan die Klingel gedrückt hatte, öffnete Alex verwundert die Tür, "Officer Bridgeman und Mister Carrendoor, mit ihnen habe ich jetzt nun am wenigsten gerechnet. Sind sie wegen der morgigen Prozessverhandlung gekommen?" Beide schüttelten fast zeitgleich den Kopf. "Wir sind wegen etwas anderem hier." Zögerlich schritt Alex etwas zur Seite und bat die beiden hinein. Am Ende des Flures war wie in Tylers Vision das Wohnzimmer und er war immer wieder fasziniert, wie Wahrheitsgetreu seine Vorahnungen doch waren. "Ist Molly nicht zu Hause?" - "Unsere Milch ist ausgegangen und deshalb ist sie schnell einkaufen gegangen. Wollen Sie etwas zu trinken?", fragte er und wies die beiden auf die freien Plätze auf der leicht veralteten und braunfarbigen Sofa. „Also ich möchte nichts zu trinken. Wie sieht es mit dir aus Ethan?“ Ethan schüttelte dankend den Kopf und schwank seinen Kopf wieder zu Alex. „Und warum haben Sie mich nun aufgesucht?

Tyler setzte sich aufrecht hin und räusperte einmal, „Officer Bridgeman ist privat hier und ist nicht im Dienst, also keine Angst, es wird kein Verhör. Ich habe da noch einige offene Fragen, die sie mir vor dem morgigen Prozess beantworten müssen" - "Schießen sie los", sagte Alex mit seiner rauchigen Stimmen und wirkte dabei sehr gelassen und ruhig, was merkwürdig war, denn er stand unter Mordanklage.

"Aus der Überwachsungskamera des Handyladens konnte ich erkennen, wie sie sich vor einer Person auf dem Rücksitz erschrocken hatten. Können Sie mir sagen, wer diese Person war?" Auf diese Frage hin wurde Burks bleich um die Nasenspitze. Ihm wurde ganz unwohl, als er an den letzten Abend zurückdenken musste. Zumindest an den Teil, welches er sich noch erinnern konnte. „Also habe ich mir die Person nicht eingebildet und er war es wohl wirklich.“ Tyler nickte einmal, „Wie gesagt, ich habe eine Person auf dem Rücksitz gesehen, auch wenn sie nur für Sekundenbruchteile zu erkennen war.

Irgendwie wirkte Alex Burks nach Tylers Frage nicht mehr so ruhig und gelassen. Er schien nach und nach nervöser zu werden. „Glauben Sie an Übernatürliches?“ Daraufhin sahen sich Ethan und Tyler mit einem aufgesetzten verwunderten Blick an. Da Alex Burks die beiden nicht wirklich kannte, merkte er auch nicht, dass die beiden ihm nur was vorspielten.

Übernatürliches im Sinne von?“ – „Monster, Geister und Dämonen“, schoss es aus Alex Mund, „schreckliche Kreaturen oder gruselige Personen, die nur halbdurchsichtig sind und beim Anblick die Nackenhaare zu Berge stehen.“ Nickend hörte Tyler ihm zu, während Ethan leise vor sich hin schmunzelte. „Auf meinem Rücksitz war ein Geist und ich schwöre ihnen, dass ich eine unbeschreiblich schreckliches Gefühl hatte, als dieser mich am Arm gepackt hatte. Ich fühlte mich so leer und alles war in mir wie eingefroren.

Tyler konnte aus Alex Stimme eine gewisse Angst heraus hören und war sich nicht sicher, ob der Angeklagte wusste, dass er ebenfalls ein Dämon war. „Hat der Geist zu ihnen gesprochen?“ – „Sie glauben mir?!“, fragte Alex mit einer hochgezogenen Augenbraue, „Der Geist hat zu mir gesagt, dass ich so werden soll wie er. Kurz daraufhin verlor ich mein Bewusstsein und wachte erst wieder auf, als Detective Brand an meiner Fensterscheibe geklopft hatte.

.: NYPD Revier :.

Am Empfang klingelte das Telefon und wurde von Detective Russel abgenommen. „Oh mein Gott, helfen Sie mir. Ich werde Lebensgefährlich bedroht.“ Ohne eine Antwort des Polizisten abzuwarten, legte der aufgeregte Anrufer auf. Die Stimme war verzerrt und im Hintergrund war ein merkwürdiges, undefinierbares Rauschen zu hören. Zum Glück wurde die Telefonnummer des Anrufers auf dem Display angezeigt, weshalb kurzerhand der Standort des Anrufes ohne großen Aufwand herausgefunden werden konnte.

Carmen lief aus ihrem Büro, um die leere Teetasse in die kleine Küche auf der Spüle zustellen, stoppte aber unterwegs, als sie die Unruhe von Detective Russel wahrgenommen hatte. „Was ist passiert?“ Seufzend fasste er sich an den Kopf, „Ein männlicher Anrufer hat um unsere Hilfe gebeten. Er behauptet in Lebensgefahr zu sein. Ich habe vorsichtshalber die Streifenwache vorbeigeschickt. Officer Oldman und Officer Abrell sind auf dem Weg zu Burks Wohnung. Von dort kam nämlich der Anruf und ich vermute mal, dass Mister Burks angerufen hat.“ Irgendwas war doch da Faul, dachte sich Carmen, ging wieder in ihr Büro zurück und wählte Ethans Nummer…

.: Alex Burks und Molly Sailers Apartment :.

Tyler drehte seinen Kopf zu Ethan, da sein Handy anfing zu schellen. Mit zusammen gepressten Lippen nahm er ab und sprach in das Telefon, „Ich rufe dich zurück. Ich bin gerade in einem Gespräch.“ – „Warte bevor du auflegst…“ Es war zu spät. Ethan hatte schon sein Handy zugeklappt und hatte Carmens Bitte nicht gehört.

Die Anwesenden versuchten sich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren. Alex, der immer noch nicht wusste, weshalb die zwei ihn aufgesucht hatte lehnte sich zurück. „Wer war denn der angebliche Geist?“ Tyler setzte bei seiner Frage einen unglaubwürdigen Gesichtsausdruck auf. Gespannt auf seine Antwort, lehnten sich Ethan und Tyler etwas vor. „Mein Bruder, der bei einem Camping Ausflug in Arizona spurlos verschwunden war und seither nie wieder gesehen wurde.“ „Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass er tot ist.“ Kopfschüttelnd widersprach Alex den Polizisten. „Mein Bruder war zu dem Zeitpunkt Anfang 16 und gestern…“, Alex holte tief Luft, da es ihm schwer fiel über seinen verstorbenen Bruder zu sprechen, „… Gestern sah er definitiv nicht aus wie in seinen Teenangerzeiten. Er war richtig erwachsen geworden, hatte eine tiefe Stimme, ein markanteres Gesicht, seine Falten auf der Stirn waren tiefer geworden. Ich war 14 Jahre alt, als ich ihn zuletzt gesehen habe.“ 14 Jahre waren vergangen, als Alex seinen großen Bruder Andy gesehen hatte. Unterschiedlicher wie Tag und Nacht konnten sie zu dieser Zeit nicht sein. Andy war derjenige, der immer gute Noten heimgebracht hatte, beliebt bei seinen Mitschülern sowie den Lehrern war und keineswegs von der falschen Spur abkommen würde. Zur Belohnung seiner guten Noten, durfte der Musterschüler für die Sommerferien 1995 in ein Camp mit einigen Freunden, doch wer wusste da, dass es ein Ausflug ohne Rückkehr war?

Alex, eigentlich Alexander Burks hing dagegen mit Freunden herum, die die schulische Ausbildung nicht allzu ernst nahmen. Sie bevorzugten es lieber mittags in der Stadtmitte durch die Straßen zu schlendern, auf den Bänken zu sitzen und sich die Zeit totschlugen. Bücher und Zensuren waren zwei Fremdwörter für sie. Da die Eltern wegen Alex des Öfteren zum Direktor geschickt wurden, weil er sich hin und wieder gegen die Lehrer aufgehetzt hatte, wollten sie ihn nach den Sommerferien 1995 auf die Privatschule in Manhattan schicken, doch der Plan änderte sich, als Familie Burks ihren ältesten Sohn, Andy verlor.

Ich wurde regelrecht auf die rechte Bahn gedrängt. Meine Eltern hatten ja nur noch mich und sie wollten mich auf keinen Fall verlieren. Anfangs fiel es mir schwer in die großen Fußstapfen meines großen Bruders zu treten, da er ja wirklich ein großer Streber war“, obwohl Alex mitgenommen aussah, blitze hin und wieder ein kleines Lächeln in seinem Gesicht hervor, „Mein Leben veränderte sich. Alles lief merkwürdigerweise wie geschmiert und ich hatte immer das Gefühl, Andys Nähe gespürt zu haben. Ich habe mein Lehramt Studium beendet und hatte in der Primary School als Mathematik - und Sportlehrer zu arbeiten.

Mit einem Male überkam Alex ein stechender Schmerz in seiner linken Brust. Er biss sich auf die Zähne, „Herr Gott“, schimpfte er während er mit halbgeöffneten Augen die beiden Gäste ansah. Ethan stupste Tyler an, woraufhin dieser in seine rechten Jackentasche griff. „Geht es Ihnen nicht gut?“ Ethan stand nach dieser Frage auf und lief mit vorsichtigen Schritten zu Alex. „Ich habe starke Schmerzen in der linken Brust. Verdammt! Das tut höllisch weh!“ Alex stützte sich auf dem Sofa ab um aufzustehen. Langsam schlenderte er in Richtung Flur und meinte, dass er kurz ins Bad müsste. Mit einer zögerlichen Miene nickte Tyler einmal mit dem Kopf und hielt seine Hand immer noch in seiner Jackentasche. „Ich wette, dass Alex gleich mutieren wird.“ Kaum hatte Tyler sein Satz ausgesprochen, rumpelte es einmal laut im Bad. Beide standen schnell auf und eilten aus dem Wohnzimmer.

Sie klopften mehrere male gegen das Badezimmer, „Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ Um zu Hören, was sich hinter der verschlossenen Tür gerade abspielte, legte Tyler sein Ohr an die Tür. Er verzog angewidert sein Gesicht, „Ich glaub er muss sich gerade übergeben.“ Unerwartet wurde die Tür aufgerissen und ein völlig erschöpfter Alex sah die beiden benommen an. „Ich glaube, dass ich was falsches gegessen habe.“ Für Sekundenbruchteile konnte der Anwalt das Tier in Alex sehen und kurz daraufhin stachen auch schon die spitzen Zähne aus seinem Mund hervor. Noch bevor Tyler reagieren konnte, stieß Alex den Krieger mit seiner linken Hand zur Seite und gab einen lauten Schrei von sich. Mit voller Wucht packte er Ethan und schleuderte ihn in die Richtung, wo Tyler gestoßen wurde. Während Tyler Glück hatte, da er durch die Tür gegen die Wonhzimmercouch gefallen war, knallte Ethan unsanft mit dem Kopf gegen die Wand, wodurch dieser das Bewusstsein verlor und zu Boden sackte.

Schnell griff Tyler nach seinem Revolver, ladete sie mit den Silberkugeln und zielte in Richtung Alex. Stürmisch sprang er im Flur umher und brüllte vor sich hin. Als seine Augen den Revolver gesichtet hatte, sprintete er auf Tyler zu und wurde zu seinem Glück nur an der Schulter gestreift. „Verflixt, daneben“, ärgerte sich Tyler und wollte erneut abdrücken. Doch es kam nicht dazu, da der Werwolf schon drohend vor Tyler stand und den Revolver aus seiner Hand schlug. Zornig packte der mutierte Alex den Anwalt, drückte ihn in die Luft und schleuderte ihn gegen den Wohnzimmerschrank. Diese löste sich durch den Aufprall und stürzte auf den vor Schmerz stöhnenden Anwalt. Tyler versuchte sich unter dem Schrank zu befreien, doch er klemmte ungünstig zwischen dem schweren Regal und den Büchern. Diesen Vorteil wollte der Werwolf nutzen, um seinen Gegner endgültig K.O. zu schlagen und zu töten. Mit Riesenschritten bewegte sich das Tier in die Richtung von Tyler, der sich verzweifelt versuchte zu befreien. Immer wieder blickte er zum Werwolf und versuchte in seiner Panik einige kleine Windstöße aus seiner Hand zu katapultieren, war jedoch zu abgelenkt, welches verhinderte seine Kräfte einzusetzen. Der Werwolf konnte ohne große Mühe den Schrank von Tylers Körper drücken und warf sich nun auf Tyler. Er wollte das Herz vom Anwalt verzehren und holte seine Hand aus. Mit Tylers letzter Kraft verhinderte er das Vorhaben von Alex und packte ihn an seinen Armgelenken. Dem Anwalt war klar, dass er sich nicht lange gegen den Werwolf wehren konnte, doch kampflos sich als Werwolf-Futter zustellen wollte er nun auch nicht.

Tyler blickte in seine Augen. Der Vollmond hatte seine Iris richtig hell scheinen lassen. Der Beiname Wolf, war also berechtigt. Wie bei einem Wolf waren seine Zähne und seine Krallen, so messerscharf wie ein Skalpell. Die Situation für Tyler war nicht gerade günstig, doch wurde um ein weiteres erschwert, als sich seine Kopfschmerzen wieder ankündigten und somit eine Vision anbahnte. Tyler brummte wütend, „Das kommt ja gerade richtig.“ Während er immer noch mit dem Werwolf zu kämpfen hatte, zog Tyler sein rechtes Knie an und rammte diesen gegen den Rücken des Werwolfes. In der Sekunde, wo Alex vor Zorn anfing zu brüllen versuchte Tyler mit seiner freigewordenen Hand erneut einen Windstoß – mit Erfolg. Der Werwolf wurde von Tyler weggestoßen und landete auf den Wohnzimmerschrank.

Gerade als Tyler sich aufgestützt hatte, um in die Richtung des Revolvers zu bewegen, klappte er zusammen, da die Kopfschmerzen stärker wurden. Er verlor den Bezug zur Realität und bekam eine Vision.

.: Tyler’s Vision :.

Alex saß vorne am Lehrerpult und bat seine Schülerin Lisa Curwen kurz zu bleiben. Er hatte gemerkt, dass sich die 8-Jährige mehr und mehr von der Klasse abgewandt hatte und im Unterricht total in sich gekehrt war. Als alle Schüler die Klasse verlassen hatten und nur noch er und Lisa im Raum blieben, drückte er die Tür zu so dass niemand mitbekam, worüber die beiden gleich reden würden. „Was ist denn mit dir los Lisa? Seit Tagen wirkst du so weggedrehten und beteiligst dich nicht mehr am Unterricht.“ Total verschüchtert drehte Lisa ihren Kopf Richtung Fenster und traute sich nicht, in die Augen des jungen Lehrers zu sehen. „Ist was zu Hause passiert oder hast du Streit mit einem deiner Mitschüler?“ Auf die Frage hin drehte sie sich kurz zu ihrem Lehrer, schüttelte den Kopf und bewegte ihren Blick wieder in Richtung Fenster.

Als Alex sie ansah, konnte er ihre glasigen Augen sehen. Sie war den Tränen nahe, doch warum denn bloß? „Mein Dad wartet auf dem Parkplatz auf mich, ich muss jetzt gehen.“ Wenn Lisa nicht darüber reden wollte, vielleicht wusste ihr Vater was mit ihr los war. „Warte ich komme mit.“ Zögerlich schüttelte sie den Kopf, „Nein, ich denke dass es keine gute Idee ist.“ Nach ihrer Aussage, blickte Alex aus dem Fenster und sah in die eiskalten Augen des Vaters von Lisa. Irgendwie befürchtete der Lehrer, dass ihr Benehmen etwas mit den Eltern zu tun haben könnte. Lisa verließ das Klassenzimmer, während Alex am Fenster darauf wartete, bis die Kleine zu ihrem Vater lief. Er wollte sehen, wie das Verhältnis zwischen den beiden war…

***

Tyler riss erschrocken die Augen auf, denn er hatte einen Schuss gehört. Vor ihm fiel der Werwolf mit erstarrten Blick und dem weit aufgerissenem Mund woraus die spitzen Zähne zu sehen war auf Knie und sackte dann mit dem ganzen Körper zu Boden. Er hielt die rechte Hand auf seine Brust. Das Blut, welches sich unter seiner Hand langsam über sein weißes T-Shirt ausbreitete deutete daraufhin, dass Alex die Kugel abgekommen hatte. „Geht es dir gut“, fragte Ethan und hielt den Revolver immer noch auf Alex gerichtet. Er war aus seiner Bewusstlosigkeit wieder aufgewacht und konnte seinen besten Freund vor dem Werwolf gerade noch in letzter Sekunde retten. Mit den Handballen stützte sich der Anwalt auf, nickte einmal kurz und blickte aus dem Wohnzimmer hinaus in den Flur, da in diesem Moment die Tür aufging. Zwei Polizisten waren zusammen mit Molly zusehen. Sie richteten ihre Waffen auf Tyler. „NYPD! Hände hoch“, schrie einer von Ihnen und blickte erst zu dem verwirrten Anwalt und dann zu Ethan. „Ethan was hast du getan?

Der Polizist schüttelte den Kopf, als er den reglos blutenden Mann vor Tyler gesehen hatte. Nur einer konnte Alex erschossen haben, da nur einer den Revolver in der Hand hatte – Ethan, sein Arbeitskollege. Tyler verstand sofort, in welcher Situation sein bester Freund war. Schnell stand er auf und drehte sich zu dem Polizisten. „Es war Notwehr und..“ Ausreden konnte Tyler nicht, da für die Polizisten erst einmal wichtig war, Ethan unter Verschluss zu nehmen. Er befahl Ethan die Waffe fallen zu lassen und mit erhobenen Händen zu ihm zu gehen. Als Ethan mit Handschellen abgeführt wurde, kam die Polizisten auf Tyler zu. Sie hatte eine Uniform an, schulterlange dunkelblonde Haare, schlicht geschminkt. Hätte Sie keine Uniform getragen, hätte Tyler nicht gewusst, dass sie bei der NYPD arbeitete – Sie wirkte auf ihn nicht so taff und ihre sanfte Stimme verstärkte nur ihren ersten Eindruck. „Sie müssen auch mitkommen. Auf dem Revier möchte ich alle Details."

.: In der Wohnung von den Schicksalsgöttinnen :.

Besorgt lief Hekate in der Küche hin und her. Schon seit mehreren Stunden konnte sie keinen Kontakt zu den Moiren aufnehmen und sie hatte die leise Ahnung, dass diese in große Schwierigkeiten stecken könnten. Sorgen machte sie sich auch um Ethan und Tyler. Sie waren schon zulange fort weshalb sie beschloss, die beiden aufzusuchen. Noch bevor sie sich fort orben konnte, tauchten die Moiren wieder auf. Erleichtert gab Hekate einen großen Seufzer von sich und wollte wissen, was mit ihnen geschehen war. Die drei teilten ihr mit, dass sie überwältigt wurden und gefesselt in einem dunklen Raum aufgewacht waren. „Wir können uns das nicht erklären, aber als wir erneut aus unserer Bewusstlosigkeit aufgewacht waren, lagen wir in einem Mühlcontainer.

Hekate lief zu Atropos und schnüffelte an ihr, „Oh ja. Ich kann es riechen und würde normalerweise verlangen, dass ihr unter die Dusche sollt, aber während eurer Abwesenheit ist so einiges passiert. “ Um die Moiren aufzuklären erzählte die Göttin der Zauberei, dass Tyler und Ethan derweil Alex Burks aufgesucht hatten um den mutierten Werwolf zu töten. Sie wollen damit verhindern, dass Burks seine Freundin tötet. „Leider habe ich bis jetzt nichts von den beiden gehört. Hoffentlich ist ihnen nichts passiert.“ Mitten ihm Gespräch verließ Atropos den Raum. „Vielleicht brauchen die beide unsere Hilfe“, sagte Klotho woraufhin Hekate nickte, „Ich wollte gerade los, aber was hat Atropos denn vor?

Hekate lief Atropos hinterher. Sie war in ihrem Zimmer verschwunden und durch den Türspalt konnte die Göttin erkennen, dass Atropos gerade dabei war irgendetwas aus ihrem Kleiderschrank zu holen. Sie hielt eine kleine goldene Box in der Hand und setzte sich auf das Bett. Murmelnd entnahm sie aus der Box eine goldene Spindel und zog an einem Faden. „Hekate?“, rief Klotho, „Kommst du? Wir wollen jetzt los?“ Mit einem flauen Gefühl drehte sie sich um und lief wieder zurück in das Wohnzimmer. „Was will Atropos mit der Box des Lebens?“ Mit einem zucken entgegnete Lachesis ihre Schwester, dass Atropos schon wüsste, was sie tat. Als Lachesis ihre Augen schloss ortete sie Tyler und riss danach ihre Augen vor Schreck auf. „Sie sind im Polizeirevier.“ –„Oh oh. Das verheißt nichts Gutes.“ Klotho ahnte, dass irgendetwas schief gelaufen war und drängte die beiden zu gehen.

.: NYPD Revier :.

Tyler und Ethan wurden getrennt verhört. Die Polizisten glichen die zwei Versionen ab und kamen zum Entschluss, dass Ethan zu einer Anhörung musste. „Zwar ist Ethan ein Polizist, darf aber keine besondere Behandlung genießen. Er hat Alex Burks erschossen. Auch wenn es Notwehr gewäsen wäre, hätte er nicht auf die Brust zielen dürfen.“ Die Polizistin ging wieder zurück in den Raum, wo Tyler saß. „Sie können jetzt zu Ethan gehen, da sie ihn ja morgen vertreten müssen.

Brummend stand Tyler auf und wurde von Officer Abrell zu Ethan begleitet. „Sie haben fünf Minuten.“ Nach dieser Aussage hin, schloss die weibliche Polizistin die Tür und ließ die beiden alleine. Sie schwiegen sich für eine Minute lang an. Tyler hatte Ethan gegenüber Gewissensbisse, denn er war der Überzeugung, dass er schuld an Ethans Situation war. Doch Ethan sah das anders. Seiner Meinung nach hatte er richtig gehandelt, denn er hatte das Leben seines besten Freundes gerettet. „Mach dir jetzt kein Kopf. Geh jetzt einmal heim und morgen sehen wir uns bei der Anhörung.“ Tyler schüttelte den Kopf, „Wie kannst du nur so ruhig bleiben? Du wirst womöglich wegen Mordes oder Fahrlässige Tötung angeklagt… Verdammt, und das alles nur wegen mir! Hätte ich dir bloß nicht von meiner Vision erzählt.

Wütend über sich selbst haute er einmal mit geballter Faust gegen den Tisch. Um ihn zu beruhigen redete Ethan auf ihn ein. „Wir haben bis jetzt alles überstanden und das werden wir auch zusammen durchstehen. Außerdem habe ich den besten Anwalt in Brooklyn, da kann nichts schief gehen.“ Tyler setzte ein kurzes Lächeln auf. „Ja und morgen werde ich alles dafür tun, dass du freigesprochen wirst, dass verspreche ich dir!“ Er beendete den Satz und stand auf, „Ruh dich ein wenig aus und sag Carmen und den anderen, dass alles halb so wild ist.“ Sicher war Ethan sich nicht, aber er wollte Tyler nicht noch mehr beunruhigen. Officer Abrell öffnete die Tür und bat Tyler hinaus zugehen, während Officer Oldman Ethan abführte. „Ich weiß ja, dass du deinen Freund nur retten wolltest, aber du bist zu weit gegangen.“ Als Tyler diesen Vorwurf gehört hatte drehte er sich zum Officer und schüttelte unverständlich den Kopf. Wenn er wüsste, wie viele Leben Ethan gerettet hatte, würde er sein Mund nicht so weit aufreißen…

Fortsetzung:  13.5. Helden