13.5. Helden
An
der Information warteten Hekate, Klotho und Lachesis (Lynda). Sie sahen Tyler
mit einem traurigen Gesichtsausdruck an. Sie ahnten, dass irgendetwas
vorgefallen war und als der Anwalt Ethans Situation schilderte, wurde ihr mulmig
schlechtes Gefühl nur bestätigt. Sie verließen das Revier und bogen in einer
dunkeln Gasse ab. „Ich will jetzt heim.“
Die Göttinnen orbten sich mit dem Anwalt zusammen in seine Wohnung und trafen
auf überraschte Gesichter. Auch Ava und Carmen waren bestürzt, als sie von Ethan
gehört hatten. „Wie können wir Ethan nur helfen?“,
fragte Carmen traurig und fasste sich an die Stirn. Sie hatte Ethan noch warnen
wollen, doch er hatte vorhin einfach aufgelegt. Warum war sie nicht hartnäckig
genug und hatte einfach noch einmal angerufen? Alles brachte nichts, denn es
änderte nichts an Ethans misslige Lage.
„Könnt ihr nichts dagegen unternehmen?“ Tyler blickte zu Hekate und hoffte, dass sie ihm sagte, dass sie eine Lösung hätten, doch das war nicht so. „Ich hätte ein Vergessens-Zauber anwenden können, doch dafür ist es zu spät. Es wissen zu viele Personen über den Tod von Alex bescheid.“ Entmutigt faltete Tyler seine Hand zusammen und lehnte seinen Mund dagegen. Um ihn Trost zuschenken, strich Ava sanft über seine Schulter.
Carmen versank in ihre Gedanken. Sie erinnerte sich an den Tag zurück, als Ethan viele Stunden in dem Stuhl des Krankenhauszimmers neben ihr gewartet hatte. Er war so unheimlich süß, wie er vor sich hin schnaufte und im Schlaf den Kaffeebecher fallen gelassen hatte. Fürsorglich stand er rasch auf und lief zu ihr hin, fragte sie, wie es ihr ginge und streichelte ihren Kopf zärtlich. Es war ein magischer Moment – Nur so konnte Carmen die Situation beschreiben...
Beide wussten, dass sie mehr empfanden als sie vielleicht hätten zugeben wollen, doch das passierte nicht von heute auf morgen. Sie hatten sich ja schon kennen und schätzen gelernt. Ihre Freundschaft entwickelte sich Schritt für Schritt weiter und beide wussten, dass der Moment nur eine Bestätigung ihrer Zuneigung war. Wer jedoch glaubte, dass die beiden an diesem Tag zusammen kamen, täuschte sich geewaltig. Alles entwickelte sich unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt, in der Zeit, wo Carmen von Ethan in ihrer Wohnung versorgt und umsorgt wurde.
„Ich habe mich unter der Kurzwahl 1 gespeichert, also falls du irgendetwas brauchst, drücke einfach auf deinem Handy die 1.“ So wollte Ethan für Carmen immer erreichbar sein. Nach der Arbeit fuhr er Tag für Tag zu Carmens Apartment um nach ihr zu schauen, kaufe für sie ein, kochte eine leichte Mahlzeit und räumte sogar in ihrer Wohnung auf.
Wer Ethan kannte wusste, dass er nur von außen hin ein ordentlicher Mensch war. Hinter der Kulisse jedoch, sah es in seiner Wohnung durch die Arbeit meist chaotisch aus. Unordentlich war er zwar nicht, aber er hatte sich angewöhnt unter der Woche alles anzusammeln um erst am Wochenende aufzuräumen. Carmen fühlte sich nicht wohl dabei, dass Ethan soviel für sie tat, doch er bestand darauf. Er wollte das Beste für seine Arbeitskollegin und er wollte, dass sie baldmöglichst wieder gesund wurde.
Drei Tage bevor Carmen wieder arbeiten
konnte, räumte Ethan in ihrem Zimmer auf und entdeckte dabei ihr Tagebuch. Er
wollte diesen wieder in ihrem Regal verstauen, doch dabei fiel ein Blatt Papier
heraus. Als Ethan das Blatt in die Hand nahm, gewann seine Neugier – Er las sich
das Geschriebene durch und war sichtlich überwältigt – Sie hatte schon so lange
Gefühle für ihn und er hatte es einfach nicht mitbekommen. Sie hatte einfach so
getan, als wäre nichts und ließ es sich auch nicht anmerken, dass es schmerzhaft
war zuzusehen, wie er und Tyra zusammen waren. Jeder andere Mensch hätte die
Hoffnung längst aufgegeben oder hatte um den unerreichbaren Schwarm einen großen
Bogen gemacht. Ethan rechnete es ihr hoch an und war froh, dass er mittlerweile
die selben Gefühle für sie empfunden hatte.
Carmen überraschte Ethan in ihrem Zimmer. Er versuchte noch das Blatt hinter seinem Rücken zu verstecken, doch die Augen von Carmen waren schneller als seine Hand. „Was versuchst du hinter deinem Rücken zu verstecken?“ –„Nichts. Gar nichts“, stotterte er und bewegte sich etwas von Carmen weg. Diese aber lief auf ihn zu und versuchte das Papier hinter seinem Rücken zwischen ihre Finger zu bekommen. Verlegen fing er an zu lächeln und tastete nach ihrem Tagebuch – natürlich so, dass sie es nicht mitbekam. Er bewegte sich immer gegen die Richtung, wo sich Carmen bewegt hatte und hielt jedoch immer den Blickkontakt. Ihre Augen waren so wunderschön - So Groß und bezaubernd, fast wie bei einem Reh. Er hatte selten bei einer Frau so atemberaubende Augen gesehen und war wie Carmen damals verzaubert. „Ich will jetzt wissen, was du vor mir versteckst.“ Noch bevor Carmen ihm das Papier aus der Hand reißen konnte, stolperte Ethan über seine eigenen Füße und fiel zu Boden. Da Carmen mit ihrer rechten Hand, Ethans Armgelenk gepackt hatte, riss er sie automatisch mit. Beide lagen nun auf den Boden oder eher gesagt Ethan auf den Teppich und Carmen auf ihn – Stille.
Sie sahen sich wenige Sekunden tief in die Augen und genossen den Moment in dem jeder von ihnen die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch gespürt hatten. Doch mit einem Male fingen die beiden an zu lachen und hörten gar nicht mehr auf – Zu komisch irgendwie, da sie noch nie in einer solch Situation waren, obwohl sie sich schon solange gekannt hatten. Das eine mal, als Carmen von der Harpyie besessen war zählte nicht dazu (Episode 7). Carmen rollte sich von Ethans Körper ab und legte sich neben ihn. „Ok du hast gewonnen“, gab sich Carmen geschlagen. Ethan drehte sich zu Carmen und stützte sich seitlich ab. Die folgenden Minuten könnte glatt aus einem Kinofilm stammen, wobei der große Unterschied darin lag, dass nichts von alldem gespielt war.
„Du…du.. hast da eine Haarsträhne im Gesicht.“ Vorsichtig strich Ethan ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streichelte dabei ihre leicht geröteten Wangen. Ethan konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er vergaß für einen Moment seine Schau und beugte sich über Carmen. Es überkam ihm einfach und er konnte sich nicht zurückhalten. Diese sah ihn mit verträumten Augen an und schloss ihre Augen als er immer näher kam. Noch bevor sich ihre Lippen berühren konnten, zwei sich zueinander gezogene Personen noch näher kommen konnten, fing Ethan an zu niesen - Carmens Haare hatte seine Nase gekitzelt. Lachend riss sie ihre Augen wieder auf, während Ethan vor Scharm hätte im Erdboden versinken können. Er wollte sich wieder von ihr abwenden, doch sie ließ es nicht zu. „Ich muss dir was sagen“, hauchte Carmen leise, „Ich habe auch seit längerer Zeit mein Herz an jemanden verloren…“
.: NYPD-Revier :.
Ethan wachte erschrocken in seiner
Zelle auf. Er wurde aus seinem Traum mit Carmen gerissen und realisierte, dass
er in einem unbequemen Bett lag. Es war kalt und dunkel und gar nicht so schön
wie in seinem Traum. Ein Kichern, welches in unmittelbarer Nähe von dem
Polizisten war, drang an seinem Ohr, weshalb er Verwundert nach links und rechts
drehte um zu erfahren, woher das Kichern kam. Vor ihm erschien langsam eine
dunkle Gestalt, die sich als Tyra entpuppte. Verwundert zog er seine linke
Augenbraue hoch, „Tyra? Was.“
– „Pssst… Sonst hören deine Kollegen dich noch und
erklären dich verrückt, da du mit dir selber sprichst. Im übrigen habe ich nur
Tyras Körper geborgt. Ich bin es, Lilith.“ Tyra
lief mit leisen Schritten auf ihn zu und setzte sich neben Ethan auf das Bett. „Hast
du meine Nachrichten erhalten?“ Ethan überlegte
kurz und begriff, dass niemand geringeres als Lilith die anonymen Nachrichten
verfasst hatte. „Die Wahrheit kommt immer ans
Tageslicht. Du wirst es schon sehen", Ethan
murmelte noch einmal ihre Nachricht vor sich hin. „Was
meinst du damit?“
„Die Wahrheit ist, dass Alex Burks von seinem eigenen Bruder zum Werwolf verwandelt wurde. Die Wahrheit ist, dass sein Bruder Andy nicht gestorben ist, sondern einer der mächtigsten Werwölfe die es seit Lebzeiten gegeben hat – Teil von der ultimativen Sieben und außerdem in der Vergangenheit der Gatte von Klotho war - Moiris. Noch ist er noch halb Mensch unf halb Tier, doch in naher Zukunft wird er nur noch der Werwolf sein, den die Götter und Dämonen gekannt hatten. Klotho beschränkte den Werwolf auf den Vollmond, so dass sie tagsüber die Zeit zusammen verbringen konnten und jedes Mal, wenn Moiris zum Werwolf wurde, war sie an seiner Seite, so dass er Nachts nicht gegen die Menschen, sondern für die Menschen gejagt hat. Wir Dämonen sahen das genauso kritisch wie die Götter. Dämonen und Götter dürfen nicht zusammen sein und deshalb mussten wir uns etwas einfallen lassen.
Alucard die Vampirsbaronin war es, die ihn bei einem Vollmond verführt hatte und ihn somit wieder für uns gewinnen konnte. Die Menschen sehen nur das was sie sehen wollen. Lange wollten die Moiren nicht glauben, dass Moiris die Seiten gewechselt hatte. Er war doch der Held in den Wäldern, der Beschützer vor wilden Tieren und Dämonenangriffen. Als die Schicksalsgöttinnen endlich einsehen mussten, dass der Werwolf die Seiten gewechselt hatte, war es fast zu spät. Erst durch eine List von den Kindern von Themis, konnte er besiegt werden.“
„Und jetzt willst du mir einreden, dass ich mich euch anschließen soll?“, fragte Ethan und sah sie streng an.
„Nicht so ungeduldig, darauf will ich ja hinaus.“ Als Lilith ihn über die Wange streichen wollte, wich er ihr aus. Er merkte, dass sie ihn überreden wollte, die Seiten zu wechseln, „Wir, die Dämonen wollen die Krieger und Götter mit ihren eigenen Waffen schlagen und dazu brauchen wir dich. Ich muss gestehen, dass ich nicht ganz unschuldig an deiner jetzigen Situation bin. Eigentlich war es ja geplant, dass Alex Burks dich zu einem Werwolf verwandelt, doch durch Tylers Vorahnung und früheren Besuch bei Alex, musste ich improvisieren. Ich habe bei der Polizei angerufen und mich als Alex Burks ausgegeben...“
Unglaubwürdig runzelte Ethan die Stirn.
„Du!..." Ethan biss
sich auf die Lippen, da er sich gerade noch zurückhalten konnte. "Ihr
glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich mich gegen meine eigenen Freunde stellen
werde.“
„Durch dein blindes Vertrauen hast du dein Leben selbst verbaut, während dein sogenannter bester Freund schön aus dem Schneider ist, wirst du wahrscheinlich dein Leben lang hinter Gitter verbringen. Bist du so blöd oder willst du dir das nicht eingestehen? Ich biete dir die einmalige Gelegenheit aus der ganzen Sache heil rauszukommen, denn ich versichere dir, es gibt kein Happy End, wenn du für den Rest deines Lebens hinter Gitter verbringen musst.“
„Vergiss
es. Eher verrotte ich hinter Schloss und Riegel als mit euch unschuldige
Menschen zu töten.“ Tyra merkte, dass er immer noch
zuversichtlich war und die Hoffnung nicht verloren hatte aus diesem Schlamassel
heil rauszukommen. „Du bist stark und klug und
genau so einen brauchen wir wie dich. Du bist viel zu Schade für einen
gewöhnlichen sterblichen.“ In ihm brodelte es und
er hätte sie am liebsten anschreien wollen. „Auch
wenn ich im schlimmsten Fall mein Leben hinter Gitter verbringen müsste, wüsste
ich, dass ich meinen Freunden nicht in den Rücken falle. Ich will dass du
verschwindest. Lass mich in Ruhe.“
Entsetzt riss Tyra ihren Mund auf. „Du törichter
Narr willst es einfach nicht verstehen. Tyler ist der größte Egoist und wird dir
bei der Anhörung nicht helfen können." Zornig
packte Ethan sie an der Schulter, "Ich habe nein
gesagt und dabei bleibt es auch!"
Lilith stand auf und warf ihn böse Blicke zu, bevor sie sich in Luft aufgelost hatte. Als Ethan wieder alleine war, kletterte er aus dem Bett und starrte auf die kahle Wand. Hoffentlich hatte Tyler einen Plan ihn hier rauszuholen, denn er hatte noch so vieles vor. Hinter Gitter könnte er seine Wünsche und Träume nur schwer verwirklichen können. Er hatte doch erst seine Liebe zu Carmen gestanden und wollte keine Beziehung hinter Gitter führen...
.: Die Anhörung :.
Ethan saß unruhig auf den Stuhl und
malte sich aus, wie nun seine Anhörung ablaufen würde. In der Laufbahn als
Polizist hatte er schon einige Prozesse mit ansehen können und er wusste, wie
die Reaktionen auf einem Urteil gegen den Angeklagten verließen. Hier gab es
immer einen Gewinner und einen Verlierer, wobei der Verlierer mehr verlor, als
zum Beispiel in ein Fußballspiel. Da sagt der Trainer dann, dass die Mannschaft
sich beim nächsten Mal besser anstrengen müssen, doch bei einem Prozess ging es
um mehrere Jahre, wenn nicht sogar um ein ganzes Leben.
Neben ihn saß Tyler in einem schwarzen Anzug. Sein weißes Hemd war abgestimmt mit seiner weißen Krawatte, die Ethan ihn mal zu Weihnachten geschenkt hatte. Der Anwalt zog sich die Krawatte immer nur dann an, wenn er ein schwieriger Fall hatte und diese war sein persönlicher Glücksbringer. Ethan dagegen hatte einen beigen Anzug, den er vor zwei Jahren von seinem besten Freund zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte, an. Er hatte vorhin noch ein ernstes Gespräch mit Tyler gehabt, wo er ihn darüber informiert hatte, was in der letzten Nacht geschehen war. In selben Atemzug teilte Tyler ihm mit, wie er vorgehen wollte. Da Ethan damit einverstanden war, wollte Tyler genau so vorgehen, wie die beiden sich abgesprochen hatten. „Ethan.“ Jemand tippte ihn auf die Schulter. Als er sich umdrehte, erblickte er Carmen, die gar nicht glücklich aussah. Sie wirkte noch nervöser und unruhiger als er. Er nahm sie in den Arm und drückte sie fest in der Hoffnung, dass ihre Angst verfliegen würde und er ebenfalls ruhiger wurde. „Es wird alles wieder gut. Mach dir keine Sorgen und vergiss nicht… Ich liebe dich.“
Carmen schloss traurig ihre Augen. Er hatte die magischen Worte zum ersten Mal gesagt und dennoch konnte sie sich in diesem Moment nicht wirklich darüber freuen, da die Situation einfach zu angespannt war und seine Offenbahrung wie ein Abschied geklungen hatte. „Ich liebe…“ Gerade als Carmen die magischen drei Worte wiedergeben wollte, trat der Richter in den Saal. Carmen musste wieder zurück an ihren Platz neben Ava und Hope. Weit von ihm saßen sie nicht entfernt, da sie direkt hinter Tyler und Ethan saßen. Sie wollten ihm bei seiner schweren Stunde beistehen und eigentlich wollten die Göttinnen das selbe tun, doch sie mussten sich um Hades kümmern, der immer noch sein böses Spiel mit den schwangeren Frauen getrieben hatte. Außerdem wollte Hekate Tylers Vision nachgehen, worin es um die Familie Curwen ging...
.: In Alex Burks Wohnung :.
Völlig aufgelöst lag Molly in ihrem Bett. Ihre Augen waren verheult und leblos und um sie herum lagen benutzte Taschentücher, die mit tränen aufgeweicht waren. Sie wollte nicht akzeptieren, dass Alex nicht mehr lebte. Er würde sie nicht mehr wie jeden Morgen sanft aus ihrem Schlaf wecken und das Frühstück an das Bett bringen. Das Bett wirkte ohne ihn so groß, was ihr nie aufgefallen war. Immer wieder hatte sie Alex vor Augen, wie er blutüberströmt auf den Boden lag. Es war einfach nur schrecklich und am liebsten hätte sie den Anblick vergessen wollen, doch er hatte sich tief in ihr Gedächtnis eingeprägt. In ihrer Trauer hörte sie die Wohnungstür läuten, hatte aber nicht die Kraft dazu aufzustehen. Sie wälzte sich im Bett und drückte ihr Gesicht tief in den Kissen - Sie wollte keine Besucher empfangen. Keiner, der ihr Beileid aussprechen wollte. Keiner der ihr sagte, dass mit der Zeit alles besser zu verkraften wäre. Keiner der ihr nicht sagen konnte, dass alles nur ein Scherz war.
Doch anscheinend ließ sich derjenige vor der Haustür nicht so leicht abwimmeln. Immer wieder läutete die Klingen und als die Tür knatternd aufging wusste sie, dass derjenige eine Möglichkeit gefunden hatte, in die Wohnung zugelangen. Schritte, die immer näher kamen drangen an ihr Ohr. Als sie ihr Gesicht ein wenig aus dem Kissen zog erschrak sie, als sie die Person im Schlafzimmer sehen konnte. „Hallo Molly.“…
.: Im Gerichtssaal :.
Terrence Capwell,
der unbedingt bei der Anhörung dabei sein wollte, schilderte dem Richter seine
Theorie. „Alex Burks der ein Tag zuvor selbst eine
unschuldige Frau getötet hatte, wurde selbst zum Opfer. Was hatte Officer
Bridgeman bei dem Angeklagten zu suchen? Er war nicht im Dienst und war in
keiner Hinsicht ein Bekannter von Mister Burks.“
Terrence lief zu einem kleinen Tisch und zeigte dem Richter die Tüte, worin der
Revolver verpackt war. „Mit dieser Waffe hat
Officer Bridgeman das Leben von Mister Burks beendet. Mister Carrendoor
behauptet zwar, dass es Notwehr war und die Prellungen an Officer Bridgeman
deuten wirklich darauf hin, dass es zwischen ihnen einen Konflikt gab. Doch war
es wirklich notwendig, Mister Burks gezielt in die linke Brust zuschießen? Nein!
Die Polizisten dürfen wenn nur in den Oberarm oder Bein schießen und das wusste
Officer Bridgeman ganz genau. War es also späte Rache oder Selbstjustiz? Aus der
Vergangenheit weiß ich, dass Officer Bridgeman bei einer Verurteilung von Alex
Burks wegen Kidnapping und Mord an Lisa Cuwen zum Detective befördert werden
sollte. Da dieser jedoch Mangels Beweisen freigesprochen wurde, blieb also die
Beförderung aus.“
"Die Sache mit Lisa Curwen gehört nicht hier her und ist reine Spekulation", verlautete Tyler mit fester Stimme und bat den Richter die Bemerkung aus dem Protokoll zunehmen. Zustimmend bat der Richter die letzten Bemerkungen aus dem Protokoll zu streichen.
Tyler beugte sich zu Ethan und flüsterte ihm ins Ohr, „So ein Heuchler. Gestern wollte er noch um jeden Preis, dass Burks hinter Gitter kommt und nun vertritt er ihn.“ Als Terrence bei ihnen vorbei ging, giftete Tyler ihn böse an. Auf diesen Tag hatte Terrence schon immer gewartet. Wie im Sport, wollte er sich mit Tyler messen. Wer war der bessere Anwalt, wer ist erfolgreicher in seinem Aufgabengebiet?
„Ein Polizist, der sich gegen Vorschriften widersetzt, darf nicht weiterhin für
den Staat arbeiten. Durch den Mord an Mister Burks wird nur verdeutlicht, dass
er nicht für den Staat arbeitet, sondern nur für sich selbst.“
Die Anwesenden im Saal fingen unruhigen an zu Tuscheln. Auch Tyler und Ethan
wussten nicht, worauf Terrence hinaus wollte.
„Das ist doch nicht wahr“, schüttelte Carmen den Kopf und drehte sich
erst zu Ava und dann zu Hope,
die ebenfalls ihrer Meinung waren. "Wie kann
Terrence nur so kaltherzig sein, schließlich arbeiten die beiden indirekt
zusammen."
„Ich plädiere auf Mord. Officer Bridgeman muss man die Dienstmarke abnehmen und
lebenslänglich hinter Gitter sperren. Nur so ist New York vor ihm sicher“
Tyler stand aufbrausend auf. Langsam aber sicher ging der Staatsanwalt zu weit.
Er ballte seine Hand zu einer Faust, Adern stachen auf der Hand hervor und
zeigte, dass Tyler langsam die Schnauze voll von Terrence hatte. „Jetzt mach mal langsam.
Mister Bridgeman würde niemals ohne Grund auf jemanden schießen und das können
seine Arbeitskollegen bezeugen. Er hatte mir das Leben retten wollen. Er ist
kein Mörder sondern in meinen Augen ein Held.“ Da
Tyler nicht an der Reihe war zu sprechen, wies der Richter ihn hin, dass
er sich beruhigen soll und wieder hinsetzen sollte. Ansonsten müsste er ihn aus
dem Saal verweisen.
„Bevor ich mich zur Beratung zurück ziehen werde, haben Sie Mister Bridgeman noch etwas zu sagen?“ Nach einem kurzen Zögern blickte Ethan zu seinem besten Freund und stand auf. "Egal wie ihre Entscheidung ausfällt weiß ich für meinen Teil, dass ich das richtige getan habe. Mein Job ist es Menschenleben zu retten und gestern schwebte Mister Carrendoor im Lebensgefahr. In meiner Aufregung habe ich versehentlich Mister Burks unglücklich getroffen." Danach drehte er sich zu Carmen um und lächelte ihr und setzte sich wieder hin.
Der
Richter wollte gerade den Saal verlassen, als unerwartet eine völlig
aufbrausende Molly Sailer hinein stürmte. Sie blickte zu Ethan, der sich gerade
zu Carmen gedreht hatte und in einem kleinen Kreis bei seinen Freunden stand um
Mut zutanken. Mit voller Entschlossenheit zog sie aus ihrer Tasche einen
schwarzen Revolver und zielte diesen in die Richtung der fünf Personen. „Das ist für Alex Burks“, schrie sie und drückte
mehrmals ab. Daraufhin brach Panik aus. Alle anwesenden duckten sich vor
Schreck, da sie sich vor den Kugeln schützen wollten. Auch Terrence suchte
Schutz unter einem Tisch. Er blickte zu Tyler und seinen Freunden hinüber und
wunderte sich im ersten Moment, wieso die fünf wie angewurzelt da standen,
während um sie herum Chaos herrschte. Erst als er mehrere Blutspritzer in den
Gesichtern von Carmen, Hope, Ava und Ethan sehen konnte, wusste er, dass einer
von ihnen oder womöglich mehrere von ihnen getroffen wurde. Ob Tyler getroffen
wurde, konnte er nicht sehen, da dieser mit dem Rücken zu Terrence stand. Er zog
sein Handy heraus und wählte den Notarzt. Auch wenn die beiden Rivalen waren,
hasste er seinen ehemaligen Jahrgangskollegen nicht und wünschte ihm auf keinen
Fall was Schlimmes.
Um wieder Ordnung zu Sorgen, die Polizisten sich wieder von ihrem ersten Schock erholt hatten, überwältigten sie Molly Sailer und drückten sie auf den Boden. "Wir brauchen mehrere Krankenwagen. Im New York State Supreme Court Building. Es sind Schüsse gefallen und es gibt höchstwahrscheinlich Verletzte." Detective Brand blickte zu Tyler, Ethan und den anderen. Entsetzt sprach er noch einmal in sein Funkgerät, "Beeilen Sie sich!"
****
Aufgeregt stürmte ein junger Mann zusammen mit einer jungen Dame in den
Gerichtssaal und sahen, wie Chaos im Saal ausgebrochen war. „Verdammt wir sind
zu spät gekommen.“ Es war Dwight, der zusammen mit seiner kleinen Schwester
Violet zurück in die Vergangenheit gereist war, um genau das zu verhindern was
er schon vor langer Zeit prophezeit hatte.
Leider hatten sie die Zeit unterschätzt und kamen zu spät. Traurig drückte
Dwight seine Schwester zu sich um die Polizisten Platz zu machen, die gerade
dabei waren Molly abzuführen. Als Molly an den beiden vorbei ging, fing sie
zynisch an zu lachen.
"1 zu 0 für die Bösen!"...
.: Epilog :.
Alex Burks blickte kurz in das Zimmer, worin seine Verlobte tief und fest
geschlafen hatte. Er zog sich schnell die Jacke an und verließ die Wohnung. Er
hatte ein Treffen mit der kleinen Lisa Curwen, die ihn aus dem Schlaf geweckt
hatte. Unter Tränen erzählte sie ihm, dass er es wieder getan hatte und das die
Mutter ihr nicht glauben wollte.
Da der Mathematiklehrer der kleinen Lisa versprochen hatte, immer für sie da zu sein, hatte sie ihn heimlich angerufen und war von zu Hause abgehauen. Es war zwar untypisch, dass ein Lehrer die Bezugsperson war, aber der Lehrer hatte das Vertrauen von Lisa Curwen gewonnen. An der Schule, dem Treffpunkt angekommen, sah er das geknickte und traurige kleine Mädchen, welche auf der Schaukel saß und verstohlen in den Sand blickte. Er fragte sich, wie sie nur ohne groß entdeckt zu werden bis hier hin gelangen konnte, denn es war 22 Uhr und untypisch, dass um diese Uhrzeit ein kleines Mädchen auf den Straßen von Brooklyn umher schwirrte.
Als Lisa ihren Lehrer sah, sprang sie von der Schaukel ab und rannte ihn direkt
in die Arme. „Ich habe solche Angst und will nicht mehr nach Hause.“ Alex kniete sich
zu ihr hin und wischte ihre Tränen weg. An ihren Handgelenken waren Prellungen
zusehen, „So geht es nicht mehr weiter. Ich werde
jetzt zu dir nach Hause fahren und mit ihm sprechen.“
Doch Lisa war dagegen, sie wollte auf keinen Fall zurück - Die Angst war zu groß.
Nachdenklich strich er ihr über die Haare und drückte sie tröstend. Er merkte
dabei nicht, dass Passanten vorbei liefen und die Situation missverstanden
hatten. Ein weinendes kleines Mädchen, ein erwachsener Mann um diese Uhrzeit war
merkwürdig und mysteriös.
„Hey was machen sie denn da!“, schrie ein Mann und rannte auf die beiden zu. In der Aufregung packte er Lisa auf den Arm und rannte mit ihr weg. Sie verstand natürlich nichts und fragte immer wieder, was denn gerade passierte. „Es wird alles wieder gut, dass verspreche ich dir!“ Beide stiegen in sein Auto ein und fuhren mit quietschenden Reifen los. Während der Fahrt entdeckte er ihre Kette mit dem Kreuzanhänger und er wusste mit einem Mal, wohin sie fahren konnten – Er steuerte sein Wagen Richtung Kloster…
Angekommen erzählte er der Schwester in kurzen Sätzen die Situation. „Hier bist du vorerst sicher. Er bekommt die gerechte Strafe.“ Er drückte sie und meinte, dass er bald zurückkommen würde. Zum Zeichen seines Versprechens streckte er ihr den kleinen Finger hin, "Großes Indianer Ehrenwort - Knöchelschwur" Die beiden hatten eine untypisches Verhältnis. Laut den Eindrücken der Nonne, sahen die beiden eher aus wie Vater und Tochter... Eigentlich war es gegen das Gesetz, dass ein Lehrer einer Schülerin so nahe stand, aber da es um ihr Wohl ging, drückte die Nonne ein Auge zu. „Die Eltern dürfen nicht erfahren, dass sie hier ist. Niemand darf es wissen, zumindest solange nicht, bis ich das alles geregelt habe. Lisa darf auf keinen Fall zurück in das Horrorhaus“ Die Nonne nickte einvernehmlich und führte Lisa in das Kloster.
Da sie noch so klein war, konnte sie nicht viel verstehen, hatte aber ihrem
Lehrer vertraut. Hastig eilte Alex zu seinem Wagen und fuhr zurück in seine
Wohnung. Als er dort war wartete auf ihn eine böse Überraschung. Unverständlich
stand seine Verlobte da und schüttelte nur traurig den Kopf. Sie sah ihn so an,
als hätte er was verbrochen. Die Polizisten Ethan Bridgeman und Trevor Brand
hatten schon auf ihn gewartet. „Warum sind sie so
außer Atem? Haben sie etwa was zu verbergen?“, fragte
Detective Brand mit strenger Miene und wartete auf seine Antwort. „Wo
ist Lisa Curwen? Ihr Vater macht sich große Sorgen um sie und ein Passant hatte
sie und ein kleines Mädchen zusammen gesehen.“ In
Wirklichkeit hatte der Vater nur Angst, dass die Wahrheit ans Tagelicht kommen
würde und hatte daher alles aussehen lassen, als wäre der Lehrer der Übeltäter
und Verbrecher.
In Alex Burks brodelte es heftig. Der Gedanke allein, dass Lisa zurück zu ihren Eltern müsste, ließ Alex schon an die Decke gehen. Er beschloss verstummt zu bleiben, da er das Gefühl hatte, das richtige getan zu haben. Er nahm es im Kauf als Kidnapper abgestempelt zu werden, obwohl die Menschen die Wahrheit nicht gekannt hatten. Die Menschen sehen halt nur das, was sie sehen wollten und fragten nicht ob ihre Theorien der Wahrheit entsprach. Auch wenn er für Schuldig gehalten wurde, wusste er, dass es Lisa im völlig abgeschirmten Kloster gut ging...
Zwei Jahre waren vergangen und die kleine Lisa hatte von der Schwester Ramona mitbekommen, dass Alex Burks zurück in New York war und sie demnächst besuchen kommen wollte. Voller Vorfreude, wollte sie ihm ein Bild malen. Ein Bild als Dankeschön und sie hoffte, dass es ihm gefallen würde. Wann würde er sie besuchen kommen? Heute, morgen oder in einigen Tagen? Sie wusste es nicht.
Gerade als sie das Bild zu Ende gemalt und den Stift auf die Seite gelegt hatte, spürte sie ein vertrautes warmes Gefühl und roch den Duft des Parfüms, welches ihr Lehrer Alex Burks immer aufgetragen hatte. Doch wie konnte das möglich sein? Er war doch noch nicht da. Hatte sie sich das nur eingebildet? Sie nahm das Bild in die Hand und lief an das Fenster und wartete Tag für Tag auf den Besuch ihres persönlichen Helden und wurde jedes Mal enttäuscht, da sie ihn vor dem Fenster nicht zu Gesicht bekam. Kein Mister Burks, der ihr zuwinkte und in ihrem Gesicht ein Lächeln verursachte. Hatte er sie vergessen und alleine gelassen? Hatte er sein Versprechen gebrochen, obwohl es ein Knöchelschwur war? Er wollte doch kommen, doch wieso tat er das nicht?...
... Ende