Was bisher geschah: „Tyler beweg dein Hintern sofort hierher. Du bist schließlich auch dafür verantwortlich, dass ich in dieser Situation bin!“, brüllte sie, nachdem sie ihn gesehen hatte. Ihm war klar, dass sie ihn in einer normalen Situation niemals so angeschrien hätte, aber bei einer Geburt waren die Frauen ja emotional sehr angespannt und brüllten regelrecht ihren Schmerz aus dem Mund. Für diese Verhältnisse war sie dann doch sehr ausgeglichen…
15.2. Filius
FSK: ab 16 Jahren
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.: Brooklyn :.
Nach
drei außergewöhnlichen Stunden die Ava zusammen mit Tyler erleben durfte und
nach all den Schmerzen der Presswehen, folgte der Höhepunkt, der die kleine
Familie noch enger zusammen wachsen ließ. Als das kleine Geschöpf, völlig winzig und
total zerbrechlich zum Vorschein kam, verstummten Ava und Tyler vor Staunen. Nur
mit ihren Augen betrachteten sie den kleinen Burschen, der irgendwie eine
bläuliche Hautfarbe hatte.
„Glückwunsch, es ist ein Junge geworden“,
sagte der Arzt während die Hebamme ihm assistierte. Nasen und Ohren wurden
freigemacht und die berühmte Nabelschnurdurchtrennung war ein Erlebnis, dass für
Ava und Tyler für immer in Gedanken behalten würde.
„Kann ich ihn in meine Arme nehmen?“
Ava hatte durch die Anstrengung nur leise Reden können und streckte ihre Arme
nach dem kleinen Baby aus. Nickend meinte der Arzt, dass sie später ihn Waschen und
Wiegen würden, aber zuallererst sollten die frischgebackenen Eltern ihren
kleinen Sohn im Empfang nehmen können.
Tyler strich dem zerbrechlich wirkenden Kind achtsam über den kleinen Kopf. Es hatte schon dunkelbraune Haare auf dem Kopf, wobei die noch nicht so dicht waren, sodass man die Kopfhaut noch sehen konnte. Wem das Kind mehr ähnelte, konnte er nicht zu Ordnen, da alles so winzig war. Seine Hände waren sogar deutlich kleiner als sein kleinster Finger. „Schau mal wie friedlich unser kleiner Dwight ist. Er weint ja gar nicht“, flüsterte Tyler voller Begeisterung über seinen ersten eigenen Sohn. Dass er voller Stolz war, strahlte er regelrecht aus und er hatte immer ein breites Grinsen im Gesicht, die Ava des Öfteren bei gewonnenen Prozessen her kannte.
Ava war ebenfalls überwältigt und glücklich zu gleich – so glücklich, dass
Tränen in ihre Augen schossen und sie ebenfalls ein gleichbleibendes zufriedenes
Schmunzeln zog. „Mein
kleiner Dwight. Dwight, mein kleiner Liebling. Nun bist du endlich da!“
Der kleine Dwight schnappte kurz nach Luft und verursachte bei seinen Eltern „Oh’s“
und „Uh’s“. Alle Augen waren auf ihn gerichtet und Ava und Tyler warteten nur
darauf, dass er wieder etwas machte, was sie entzücken würden. Endlich öffnete
der kleine zum ersten Mal seine kleinen Augen und starrte Tyler direkt an, es
sah so aus, als hätte er gezielt seinen Vater gesucht. In diesem Moment bekam Tyler
vor Rührung weiche Knie und sogar eine kleine Freudenträne kullerte über seine lächelnde
Wange.
„Ihr
Kind heißt also Dwight?“, fragte die Hebamme
nachdem sie den Namen im Raum fallen gehört hatte. Ava und Tyler nickten zur
gleichen Zeit, denn obwohl sie von ihrem zukünftigen Sohn bereits wussten, dass
sie ihn Dwight nennen würden, haben sie trotzdem einige Diskussionen zur
Namensnennung gehabt. Für Ava bedeutete der Name Dwight sehr viel, denn ihr
verstorbener großer Bruder, den sie nicht wirklich kennengelernt hatte, hieß so.
Um ihn nicht ganz zu vergessen, wollte sie ihren Sohn diesem Namen geben.
Da Tyler keine bestimmten Namen im Kopf hatte, stimmte er ihr zu. Seine Vorschläge waren: Steve, Nathan und Owen. Es wäre ja auch zu komisch gewesen, wenn Tyler und Ava in letzter Sekunde den Namen von Dwight umbenennen würden. Wäre dann Dwights Leben mit einem anderen Namen ganz anders verlaufen? „Darf ich den kleinen Dwight für die Untersuchungen abnehmen? Ich verspreche Ihnen, dass sie ihn bald wieder sehen und in die Arme nehmen dürfen.“ Ava hätte am liebsten nein gesagt, da sie ihr Baby für immer im Arm behalten wollte, aber eine gründliche Kontrolle war wichtig und deshalb stimmte sie zu. Vorsichtig reichte Ava das Baby weiter und folgte es mit ihren Blicken.
„Er ist so niedlich“, sagte Ava zu ihrem Mann und suchte ohne zu schauen nach seiner Hand. Tyler beugte sich zu Ava und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. „Da hast du recht, aber nun solltest du dich ausruhen. Du siehst nämlich ziemlich Bleich um die Nasenspitze aus.“…
* der nächste Tag *
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Dr.
Charlotte McLean suchte das Zimmer von Carson Dearing zum zweiten Mal auf. Die
zweite Therapiestunde stand an und sie war neugierig, was er heute nun zu sagen
hätte. Sie klopfte an die Tür, ehe sie kurz darauf hinein trat. Im Zimmer stand Carson nach
wie vor in der Mitte des Raumes und wirkte wie gestern, völlig ausgeglichen und
ruhig.
„Guten Tag Mister Dearing, haben Sie gut geschlafen?“ Er schüttelte den Kopf,
aber begründete dies nicht, weshalb sie vorerst auch nicht nachfragte und sich
auf den freien Stuhl setze. Danach schlug sie eine Akte auf und nahm das Blatt
heraus. „Der heutige Test hat ergeben, dass die unzähligen kleinen Stückchen in
ihrem Körper verschwunden sind. Wir können es uns nicht erklären, was das war.“
„… Wie viele Patienten halten sich in dieser Klinik
auf?“, fragte Carson unerwartet und bekam von
Charlotte verdutzte Blicke zugeworfen, da die Frage so gar nicht zu ihrem Thema
passte. Sie blinzelte einige Male und meinte aber dann schließlich, dass sie
keine Auskunft darüber geben konnte - Er sollte doch einfach schätzen.
„War mir irgendwie klar. Die Schweigepflicht. Soll ich Ihnen verraten, wie ich
über Sie denke?“ Carson war völlig taktlos und fing
mit jeder Frage ein neues Thema an.
„Was denken Sie denn über mich?“
Charlotte hatte ihren Patienten kaum zwei Tage gekannt, aber dennoch mochte sie
es mit ihm zu sprechen. Er war nämlich ganz anders wie ihre anderen Personen.
Alles was er von sich gab, klang zwar immer absurd, aber er sagte es immer in
einem selbstverständlichen und sicheren Ton, dass sie sogar glaubwürdig wären,
wenn sie an das Übernatürliche glauben würde.
„Ich halte Sie für eine intelligente Person, die an die Wissenschaft glaubt. Für sie muss alles rational erklärbar sein, so dass kleine Unstimmigkeiten sie nicht akzeptieren. Bei Ihnen gibt es nur schwarz oder weiß. Grautöne kennen Sie nicht.“
„Ich bin beeindruckt. Sie haben mich ja ganz gut getroffen.“
Carson verzog sein Mund und es schien für eine kurze Zeit, als hätte er
geschmunzelt. „Sie als Therapeutin fragen sich aber doch sicherlich ab und zu
mal, - Was wäre wenn. Was ich damit sagen möchte ist: was ist, wenn ich wirklich
die Wahrheit sage und sie vor den Dämonen warnen und beschützen will. Was ist,
wenn Sie eine von denjenigen sind, die New York und die Welt vor den Dämonen
retten könnte.“
Nachdenklich sah Charlotte ihren Patienten an und fragte ihn, was sie denn
machen sollte – Angenommen, dass sie ihm glauben würde.
„Hängen sie die vorhandenen Kreuze in allen Zimmern der Klinik über die Betten.
Bestellen sie einen Pfarrer hier her, der ein Gebet für alle Patienten
hält.“
„Jedem einzelnen?“, fragte Charlotte mit hochgezogener Augenbraue.
„Nein, wir könnten uns ja alle auf dem Hof
versammeln. Er würde ja Wochen brauchen, wenn er mit jedem Einzelnen betet und
so viel Zeit haben wir leider nicht mehr.“ Nach
einer kurzen Sprechpause sprach er weiter. „Da Sie
nachfragen, überlegen Sie sich vielleicht meinen Ratschlag umzusetzen?“
Charlotte wartete mit ihrer Antwort, denn für Sekundenbruchteile hatte er ihr
ins Gewissen geredet. „Warum haben Sie anfangs gesagt, dass sie hier
festgehalten werden und am Ende unseres gestrigen Gespräches wieder etwas
anderes? Die Frage kommt mir gerade so in den Sinn.“
Mit dieser Gegenfrage wich sie ihm geschickt aus. „Ich
wollte etwas dramatisch klingen. Zum Teil stimmt es ja auch, aber mittlerweile
haben sich die Aufgabenfelder gut verteilt. Ich kann mich also getrost um Gottes
Armee kümmern.“
„Sie
verwirren mich“, gab Charlotte zu und blickte kurz auf ihre Armbanduhr. Als Sie
wieder zu Carson sah, entdeckte sie etwas Graufarbiges an seinem Hals, was ihr
vorher aber nicht aufgefallen war. Sie stand auf und ging auf ihm zu. „Was haben
Sie da am Hals?“
Verwundert fasste sich der Patient an den Hals und entfernte diese davon. Als er
sie zwischen seinen Daumen und Zeigefinger hatte, blickten die beiden neugierig
drauf. „Sind das etwa ihre Haare? Merkwürdig,
gestern hatten Sie noch keine grauen Stellen.“
Carson sollte sich für die Ärztin umdrehen, da sie seinen Hinterkopf anschauen wollte. „Das ist ja unglaublich. Was haben Sie vorhin nochmal mit Grautöne gesagt? Die graue Farbe sehe ich nun... Wissenschaftlich lässt sich das in bestimmten Umständen sogar erklären.“ Sie machte eine Anspielung auf seine Meinung über die Ärztin. „So alt sind Sie nun auch nicht, dass Sie schon mit grauen Haaren kämpfen müssen.“
„Das ist der Nachteil an meiner Bestimmung – Ich denke zu viel nach“, sagte Carson und drehte sich wieder zu ihr hin. Achtsam legte er seine Hand auf ihre Schulter. „Auch wenn Sie meine Bitte von vorhin nicht realisieren werden, würde ich mich freuen, wenn Sie in ihrer Wohnung wenigstens das Kreuz über das Bett hängen. Glauben Sie mir, sie schützen sich dadurch vor den Dämonen.“ Dann drückte er ihre Schulter leicht und entfernte seine Hand wieder von Charlotte. Sie ahnte nicht, dass er dadurch mehr über die Ärztin erfahren konnte. Der Prophet in Carsons Körper wollte etwas herausfinden und um schließlich eine Entscheidung zu fällen.
Etwas verdattert blinzelte sie Carson an und wusste nicht, wie sie seine Worte deuten sollte. Sie merkte aber auch, wie schnell ihre Körpertemperatur durch Carsons Berührung in die Höhe schoss - Was um alles in der Welt war das gerade? „Äh.. Mister Dearing ich muss jetzt gehen. Äh.. Es warten noch andere Patienten auf mich.“ Schnell drehte sie sich um und lief zielstrebig zur Tür.
„Haben Sie da nicht etwas vergessen?“, fragte Carson und wedelte die Akte zum Patienten mit seiner rechten Hand. „Oh.. Stimmt. Danke... Wir sehen uns morgen wieder…“ Danach verließ sie etwas verstreut das Zimmer und lehnte sich draußen gegen die Wand. Sie schloss ihre Augen und atmete tief durch. Ein Angestellter lief zufällig vorbei und sprach sie an. „Macht Mister Dearing Probleme?“ Sie schüttelte den Kopf. „Äh.. Nein.. Oder… Nein. Nein. Es ist alles in Ordnung.“
***
Tyler
und Dwight gingen auf den Vorschlag von Carmen und den anderen Frauen in einen
Drogeriemarkt um Ava und dem frisch geborenen Baby eine kleine Überraschung zu
besorgen. Nachdem sie planlos durch die einzelnen Abteilungen gelaufen waren,
wurden sie in der Abteilung – Rund um Babys und Kinder – endlich fündig.
Sie packten einen der kleinsten Schnuller in blauer Farbe, dass war Dwights ausdrücklicher Wunsch, ein; zwei Babyflaschen; einige kleine Lätzchen, falls der kleine Dwight mal aufstoßen musste und eine Babynachtlampe, so dass es im Schlafzimmer der Carrendoors nicht völlig dunkel war und der kleine Dwight womöglich Angst bekommen könnte. „Glaubst du, dass wir die richtigen Sachen besorgt haben?“, fragte Dwight prüfend nach und bekam ein zögerliches Nicken von Tyler. „Ja. Oder ich hoffe es zumindest.“
Die Verkäuferinnen, die in einer Abteilung nebenan die zwei etwas chaotischen jungen Männer beobachtet hatten, konnten sich das Schmunzeln und das Kichern nicht verkneifen. Es war zu komisch mit ansehen zu können wie die beiden versuchten, die richtigen Produkte in der breiten Masse herauszusuchen. Doch die große Herausforderung stand noch bevor, denn der Neuling brauchte ja auch Windeln, sehr viele Windeln die am Tag sicherlich unzählige Male gewechselt werden müsste.
Schließlich erbarmte sich eine der Verkäuferinnen jedoch und kam den überforderten Männern
zur Hilfe. „Das erste Mal?“, fragte sie lächelnd. „Es ist sicherlich nicht
leicht, wenn beide Elternteile männlich sind.“ Dwight und Tyler erröteten und
versuchten das Missverständnis mit stotternden Worten zu klären. „Sie denken
doch nicht etwa, dass… Er… und ich...?“ Tyler und Dwight sahen sich mit weit
aufgerissenen Augen an.
„… sind kein Liebespaar“,
stotterte Tyler leicht und wurde jedoch zum Ende hin, fester in der Tonlage, „definitiv
nicht!“
„Oh Gott, niemals. Das ist mein Vate.., das ist mein fabelhafter Cousin, der für seine Frau und ihrem gemeinsamen Kind eine kleine Freude bereiten möchte“, versicherte Dwight um das Missverständnis auch von seiner Seite her zu klären. Mit hochgezogener Augenbraue nickte die Verkäuferin leicht. „Ja klar, ich verstehe. Das tut mir leid, dass ich davon ausgegangen bin, dass Sie und Sie… Wie dem auch sei, kann ich Ihnen bei der Suche behilflich sein?“
Tyler hielt die Tüte mit den Windeln in der Hand und streckte sie in die
Richtung der Verkäuferin. „Passt da ein neugeborenes Kind hinein oder ist das zu
klein?“
„Ich.. Äh.. Dwight ist nicht Jennifer Lopez. Ein
dicker Po hat er nicht, die Windeln sind viel zu groß!“
Die Verkäuferin musste sich während der Beratung des Öfteren das Lachen verkneifen, da Tyler und Dwight doch in einigen Punkten unterschiedlicher Meinung waren - Ein persönlicher Highlight des Tages, was die Verkäuferin am Abend feststellen musste. Nachdem die Windelsache geklärt war, wollte Dwight wissen, was sie noch für ein Baby kaufen könnten. Da die Verkäuferin nichts hinzuzufügen hatte, machten die beiden sich auf den Weg zur Kasse. Mit einem freundlichen Dankeschön verabschiedeten sie sich und wollten nach dem Einkauf direkt in die Klinik fahren, wo Ava und die anderen waren.
.: Kings County Hospital :.
„Oh mein Gott ist der süß!“ Atropos konnte ihre Begeisterung für den kleinen Dwight nicht zurückhalten und raste regelrecht an das Bett, worin Ava mit dem kleinen Baby im Arm lag. Schmunzelnd schloss Klotho hinter sich die Tür zu und begab sich mit Lachesis zu Ava, die glücklich aber dennoch sehr müde aussah. „Schrei hier nicht so. Du weckst den Kleinen sonst noch auf“, wies Lachesis hin und begrüßte die frischgebackene Mutter indem sie ihre Hand hob und ihr zuwinkte.
„Es tut uns leid, dass wir erst jetzt kommen konnten, aber du weißt ja. Die
Arbeit wird nicht weniger, sondern nimmt immer zu.“
„Ist doch völlig in Ordnung, solange ihr mir dir
Dämonen vom Hals haltet.“ Vorsichtig strich sie dem
kleinen Dwight über die Wange und zog dabei ihren Mund zu einem zufriedenen
Lächeln. „Ich bin ja auch noch da. Du brauchst also
keine Angst haben und dich völlig um dein Baby kümmern“,
versicherte ihr Violet, die auf einem Stuhl neben dem Fenster saß. Gerade als
Violet aufstehen wollte, bekam sie eine unangekündigte Vision, die sie für einen
kurzen Moment außer Gefecht setzte und sie davon abhielt zu ihrer Mutter
zugehen.
*** die Vision ***
Violet
war nicht mehr mit den anderen in Avas Zimmer, sondern lag auf den kalten
Mamorboden im Flur des Kings County Krankenhauses. Als sie sich auf den Rücken
drehte und aufstellen wollte, spürte sie einen stechenden Schmerz im rechten
Oberschenkel – Eine offene Wunde, die stark geblutet und ihre blaue Jeans rot
gefärbt hatte. Die zukünftige Tochter der Carrendoors biss ihre Zähne zusammen
und drückte sich vom Boden ab. „Autsch. Was ist
denn passiert?“ Die Lichter an den Decken waren
beschädigt und funktionierten nur noch zum Teil – unruhiges Flackern und
unheimliches Zischen gingen durch den langen Flur, so dass Violet ein mulmig
flaues Gefühl im Magen spürte.
„Hallo?“, rief sie in den langen Flur, wo sie wahrscheinlich die einzige gerade war und lief hinkend den Gang hinunter. Sie hasste die Visionen, wo sie direkt im Geschehen war und sie jeden Schmerz Hautnah miterleben musste – Diese Vision war nämlich so eine und somit musste sie selbst herausfinden, was mit dem Krankenhaus passiert war. Immer wenn die Lichter kurz angingen versuchte sie so viel wie möglich zu erkennen – Die Zimmertüren waren weit aufgerissen, aber da waren keinen Personen, keine Patienten, Ärzte, Arzthelfer oder sonst irgendjemand.
Violet lief zur Tür am Ende des Flurs und ging hinaus in die nächste Station – Die Säuglingsstation. Voller Entsetzung riss Violet die Augen auf, denn sie konnte nicht glauben, was ihre Augen gerade erblickten. Die Menschen klebten an den Decken, ihre Augen waren weit geöffnet, so als hätten sie etwas Schreckliches gesehen und ihre Körper waren an sämtlichen Stellen weit aufgerissen. Etwas messerscharfes hatte sie gefasst und sie hatten vor ihrem Tod sicherlich schreckliche Schmerzen gehabt.
Nachdem Violet sich von der Decke abgewendet hatte, blickte sie auf die leeren Säuglingsbetten und sie befürchtete, dass die Frischgeborenen ebenfalls das gleiche Schicksal erleiden mussten, wie die Krankenschwestern und Ärzte an der Decke. Aufbrausend drehte sie sich wieder um – Sie wollte in das Zimmer von ihrer Mutter gehen, doch noch bevor sie nur ein Schritt gehen konnte, packte sie jemand an der Hand und zerrte sie in das Zimmer. Schreien konnte Violet nicht, da ihr Mund zu gehoben wurde.
„Keine Angst, ich bin’s. Tyler.“ Große Erleichterung. Endlich eine Person, die nicht tot war und zudem noch ihr eigener Vater. „Was geht hier gerade vor sich? Was ist passiert?“, fragte Tyler seine zukünftige Tochter, die gehofft hatte, dass er derjenige war, der mehr darüber wusste.
„Ich weiß es nicht“, fing Violet an. „Kann es sein, dass wir zur selben Zeit,
die selbe Vision haben? Denn in der Zukunft hatten wir schon oft, gemeinsame
Visionen.“ Tyler nickte zögerlich. „Wenn du vor wenigen Minuten
auch noch irgendwo anders warst, dann ist es so.“
Tyler lief an das Fenster, welcher beschädigt war und blickte hinaus. Es war
Abend und im ganzen Krankenhaus brannte kein einziges Licht, als hätte jemand
die Stromleitung außer Betrieb gesetzt. Im Gegensatz zum Krankenhaus ging es auf
den Straßen normal zu. Autos fuhren auf den Straßen, Passanten liefen die Promenade
hinunter und die Reklametafeln brannten wie gewohnt leuchtend hell.
Nur im Krankenhaus schien in einem Ausnahmezustand zu sein. „Wir müssen Ava und die anderen suchen.“ Violet lief zu ihrem Vater und entdeckte unter ihren Füßen einen Kalender. Sie nahm den 18. Mai 2009 wahr. „Das Krankenhaus wird morgen schon so aussehen. Oh Gott Dad, das ist schon morgen!!“
Beide liefen wieder aus dem Zimmer hinaus um irgendwelche Hinweise zu finden, die ihnen dabei helfen konnte, denjenigen zu finden, der dafür verantwortlich war. Sie liefen den Gang hinunter und betraten das Zimmer von Ava. Darin angekommen, sahen sie wieder eine Krankenschwester an der Decke kleben. Aus ihrer Wunde tropfte das Blut direkt auf die weiße Bettdecke. Das Fenster wurde demoliert und die dazugehörigen Scherben lagen auf dem Boden verteilt. Irgendjemand oder etwas war durch das Fenster in das Zimmer eingedrungen und hat womöglich die Krankenschwester eiskalt ermordet.
Langsam lief Tyler zum Fenster und blickte hinaus. Direkt unter dem Fenster lag eine weitere Person, die wahrscheinlich aus dem Fenster gestürzt war. Sie hatte einen Kittel an, was bedeutete, dass sie eine Ärztin war. Als er sie genauer beobachtet hatte, erkannte er die Haare von Sophie. „Was ist hier bloß passiert?“
"Egal was es ist, es scheint eine menge Mordlust zu haben. Dad wir.." Mitten im Satz unterbrach Violet ihren Satz, was ihren Vater stutzig machte. Mit hochgezogener Augenbraue wandte er sich wieder vom Fenster ab und blickte direkt in die vor Angst erstarrten Augen von Violet. Auch sonst, war ihr Körper auf einmal völlig angespannt und er konnte anfangs nicht erkennen, weshalb sie völlig erstarrt vor ihm stand. Als sich an ihrer Stirn ein langer Blutstreifen bildete, wusste er, dass sie Angriffen wurde. „Dad?“ Violet konnte nur noch nach ihrem Dad rufen, ehe ihre obere Kopfhälfte vom Rest des Körpers abgetrennt wurde. Völlig aufgelöst eilte er zu seiner Tochter und fing sie in seinen Armen auf. Tränen schossen in Tylers Augen die Wut und Trauer zugleich ausdrückten. Er starrte verstört zu Tür und erblickte zwei Kichernde Personen.
Die
eine war die Dämonenmutter mit dem Namen Persephone im Körper von Sidney
(Episode 14) und die andere war
ein unbekanntes kleines Mädchen. Sie müsste ungefähr an die 8 Jahre alt sein, hatte
lange blonde Haare und schien eigentlich ein ganz normales Kind zu sein. Nur das freche Lächeln
und die pechschwarzen Augen, deuteten daraufhin, dass sie ebenfalls eine Dämonin war.
„Das hast du gut gemacht, mein kleiner Schatz.“ Persephone strich dem Mädchen über den Kopf und lobte sie. Tyler stand auf und spürte in seinen Fingerspitzen die kleinen Windstöße, die er in einen gewaltigen Tornado umwandeln und gegen die zwei Dämonen einsetzen wollte.
„Wo ist dein Sohn?“, fragte die Dämonenmutter mit funkelnden Augen und lief zu
dem kleinen Mädchen. „Dieser kleine Bastard hat sich wohl mit den anderen aus
dem Staub gemacht!“
Ohne etwas zu sagen, streckte er seine Hand aus und ließ einen gewaltigen
Windstoß frei. Entgegen seiner Erwartungen streckte das kleine Mädchen
zeitgleich ihre Arme
aus und blockte seinen Angriff, indem sie ebenfalls einen Windstoß freigab.
Um sie herum wurde durch den starken Wind, die ganzen Sachen in die Luft gewirbelt. Die Vorhänge flatterten in die Mitte des Raumes, der Tisch wackelte auf dem Boden, Stühle fielen zu Boden und das Bild an der Wand prallte auf den Boden und wurde kurz daraufhin wieder in die Luft gewirbelt.
„Ich frage dich nur noch ein letztes Mal!“, schrie Persephone, „Wo sind die anderen?“ Persephone holte ihre Arme aus und schmetterte einen violet-farbigen Strahl, der ohne Probleme durch Tylers Windböen gelangen konnte. Als der Strahl Tylers Arm gestreift hatte, konnte er vor Schmerz seine Windstöße nicht mehr einsetzen. Er fasste sich an seinen Arm und wurde kurz darauf von dem Wind des kleinen Mädchens erfasst, wodurch er aus dem Fenster fiel und schreiend vom vierten Stock stürzte.
Tyler sah unter sich schon den harten und kalten Betonboden und dachte, dass
sein Leben vorbei wäre, doch in letzter Sekunde fing ihn Dwight auf, der aus
heiterem Himmel erschienen war. „Das war Rettung in letzter Sekunde.“ Tyler war
noch völlig außer Atem und konnte auf Dwights Aussage hin nur verstört nicken.
Dieser spähte zum Himmel und erkannte die zwei Personen, die aus dem Fenster
gesprungen waren. Sie wollten sicher gehen, dass Tyler auch wirklich
ausgeschaltet wurde und waren völlig außer sich, als sie ihn in den Armen von
Dwight sehen konnten.
Persephone lies erneut einen Energieball frei und zielte direkt auf Dwight, doch
dieser konnte sich noch in letzter Sekunde vor dem Angriff retten, indem er sich
zusammen mit seinem Vater vom Ort fort teleportierte.
Sie tauchten wieder in einem merkwürdigen Raum auf, wo Ava und alle anderen
anwesend waren und heil auf waren. –Gott sei Dank – dachte sich Tyler und atmete
einmal tief durch - Wenigstens eine gute Nachricht...
***
Erschrocken riss Tyler seine Augen auf und merkte, dass er im Aufzug kurz weg gedrehten war. Verwundert blickte Dwight zu ihm, der erst nach einer Weile gemerkt hatte, dass sein Vater eine Vision hatte. „Was hast du gesehen?“, fragte Dwight.
Tyler musste sich erst an der Stirn fassen und sich sammeln, denn die Vision hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen. „Ich glaube, dass Violet und ich die selbe Vision hatten. Wir müssen sofort zu Violet und die anderen“
Fortsetzung: 15.3. Resurrectio (Die Auferstehung)