15 | Against Heaven & Hell

 

 

Was bisher geschah: Wie bei Miss Dearing hat er die griechische Äskulapnatter dafür verwendet um die Seele von Charlotte einzufangen um diese sicher zu verwahren. Der Körper von ihr sollte für eine weitere aus dem Totenreich zu verfügen stehen um somit Gottes Reich einem Schritt näher zu kommen…

 

 

 

15.4. Viribus unitis
(Mit vereinten Kräften)

.: In Charlotte McLeans Apartment :.

Seine Blicke fielen auf die am Boden liegende blonde Ärztin Charlotte McLean. Sie war bewusstlos und rührte sich nicht. Die Schlange, die sich um sie geschlungen hatte löste sich nachdem Carson einmal geblinzelt hatte wieder auf. Mit dem kleinen Gefäß in der Hand schüttete er das im Gefäß aufbewahrte Weihwasser über die Ärztin und griff nach dem Messer, welcher er in seiner rechten Hosentasche versteckt hatte. Carson streckte seine Hand aus und fügte ihm selbst eine Schnittwunde hinzu, woraufhin das Blut auf Charlottes Gesicht tropfte.

Immer etwas vor sich dahin gemurmelt, kniete er sich zu ihr hin und fügte ihr ebenfalls eine Schnittwunde zu. Das Blut verschmierte er in seinem Gesicht, murmelte etwas auf Latein und infolgedessen schoss aus dem Laminatboden ein grelles weißes Licht, welcher sich im Körper von Charlotte einnistete.

Mit einer gewissen Erwartungshaltung sah Carson die bewusstlose Ärztin an und wartete darauf, dass irgendetwas passierte. Anscheinend hatte er keine Zeit mehr, denn er wurde mit einem Male ganz unruhig. Er schloss seine Augen und kehrte gedanklich wieder in die Anstalt zurück, wo die Pfleger die abendliche Kontrollbesuche erledigten. Um den Pfleger nicht auf seine Abwesenheit aufmerksam zu machen, kehrte er wieder in sein Zimmer zurück, legte sich anschließend in seinem Bett hin und tat so, als hätte er nichts anderes gemacht ald nur im Bett zu liegen.

Gerade rechtzeitig, denn Sekunden später, klopfte es an seiner Tür. „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, Mister Dearing.“ Der Pfleger schenkte ihm ein kurzes Lächeln, welcher ziemlich aufgesetzt wirkte, aber Carson nicht sonderlich störte. Wahrscheinlich hatte der Pfleger sein künstliches Lächeln durch seine lange Arbeit schon so eingeprägt, sodass es ihm gar nicht mehr auffiel, dass seine nett gemeinten Gesten bei jedem Patienten gleich aussahen.

Danke John, wünsche ich Ihnen auch.“ Nach diesen Worten legte Carson seinen Kopf wieder in das Kopfkissen und hörte, wie die Zimmertür wieder abgeschlossen wurde. Nur mit seinen Gedanken, konnte er Kontakt mit Artemis aufnehmen, da sie und Apollon dafür sorgen sollten, dass die Ärztin unter Beobachtung blieb, denn schließlich brauchte er sie, um das durchziehen zu können, was ihn in Auftrag gegeben wurde.
Die Ruhe, die im Zimmer herrschte spiegelte sich nicht mit dem, was sich außerhalb dieser Anstalt abspielte. Er spürte eine Unruhe, die kaum zu übersehen war und konnte auch erkennen, dass viel Magisches und Dämonisches im Spiel war.

Ja, der Countdown würde bald fallen und wie beim Football, wird es dann nur einen Gewinner geben, der von der Menge gelobt und gefeiert wird. Die Gewinnermannschaft wird sich auf die Schulterklopfen und dem Trainer danken, ihn dafür Loben, dass er sein hartes Training durchgezogen hat und sie zum Sieg verholfen haben. Denn wenn man das ganze betrachtet, waren die letzten Jahre nur das Training für die bevorstehende Schlacht.
Das Training war vorbei und die Vorrundenspiele würden demnächst zu Ende gehen. Beide Seiten rüsteten sich für das letzte und entscheidende Spiel auf, wo sie jeden wichtigen Spieler mit seinen Fähigkeiten und Besonderheiten auf das Feld schicken um die gewünschten Tore zu erzielen…

.: Kings County Krankenhaus :.

Ach wieso willst du einfach nicht aufhören zu weinen, du steckst ja die anderen völlig an.“ Mit angestrengter Miene versuchte die Krankenschwester Caroline das Baby in ihrem Arm zu trösten. Sie streichelte das kleine Geschöpf, wiegte es leicht von links nach rechts und schaute vorsichtshalber nach, ob nicht die Windel voll war – Nein, die Windel war sauber. Eine andere Krankenschwester versuchte währenddessen die restlichen Kinder mit Schnuller zu beruhigen, die sie von ihren Eltern geschenkt bekommen hatten. Nach und nach hörten die Babys auf zu weinen, bis nur noch das Kind im Arm von Caroline als einziges weinte. „Fiona, kannst du mir helfen? Vielleicht hast du mehr Erfolg.

Gerade als die Krankenschwester zu ihrer Kollegin gehen wollte, drang eine bassige Männerstimme an ihr Ohr, weshalb sie der Stimme folgte und der Blick zur Tür fiel. Ein großer Mann mit dunkelblonden Haaren, die wie bei einem Surfer in das Gesicht fielen, einem blau karierten Hemd und dazu passende Jeans, stand an der Tür und blickte freundlich zu den Krankenschwestern. Er hatte die Säuglingsstation aufgesucht um nach seiner Tochter zu sehen, ehe er wieder zur Arbeit musste. „Will Irene nicht aufhören zu weinen?“ Die Krankenschwester, die die Hoffnung schon aufgegeben hatte, dass Kind beruhigen zu können, nickte dem jungen Vater mit einer leichten Verzweiflung zu. „Ich habe alles versucht, aber sie will einfach nicht aufhören zu weinen.

Und Hunger hat meine kleine Irene nicht? Will sie vielleicht zu ihrer Mutter oder will sie anders getragen werden?“ Theoretisch könnte der Vater ja recht haben, aber der Neuling war doch gerade eben vor 10 Minuten zum Stillen bei seiner Mutter – Hungrig konnte Irene nicht sein. Obwohl der Mann keinerlei Erfahrung mit kleinen Kindern hatte, wollte er sich selbst ein Bild von der Situation machen. Schließlich würden in der Zukunft solche Momente alltäglich für ihn und seiner Frau sein, sodass es sicherlich nicht schaden konnte, jetzt schon einmal zu üben.
Vorsichtig nahm er seine kleine Tochter in den Arm und legte diese auf seine Schulter. Er streichelte sie am Hinterkopf und wippte auf und ab um sie so zu beruhigen.

Und dann passierte etwas, was die Krankenschwester nicht mehr geglaubt hatte, erreichen zu können. „Ein Wunder, dass Kind hört tatsächlich auf zu weinen.“ Caroline seufzte vor Erleichterung und stützte ihre Hände auf ihre Hüften ab. Lächelnd öffnete der Vater seinen Mund und bewegte diese zu einem „Gut“ ohne jegliche Laute von sich zugeben und drehte sich dann zur Tür. Er war stolz auf seine erste – Ich-bekomme-mein-Baby-ruhig-Aktion und wollte diesen Erfolg mit seiner Frau teilen.

Caroline stimme einvernehmlich zu und verabschiedete sich vom Vater, der ihr versicherte, dass die Mutter die kleine Irene wieder zurückbrachte. Die andere Krankenschwester war bereits wieder am Sortieren der Neugeborenenakten, weil die Stationsärztin Dr. Sophie Brown, die Akten für polizeiliche Untersuchungen brauchte.
Findest du das auch so schlimm?“ Da Caroline nicht auf Anhieb wusste, worauf sich Fionas Aussage bezogen hatte, verzog sie leicht ihr Gesicht. „In welchem Zusammenhang?“ „Die vermissten Neugeborenen“, fügte Fiona nachträglich hinzu.

Caroline schien wirklich bedrückt zu sein und lehnte sich an die Tischkante, als würde sie dadurch mehr Halt und Sicherheit bekommen. „Ich hoffe so sehr, dass das alles nur ein Missverständnis ist und sich das alles aufklärt. Ansonsten fällt unser Krankenhaus wieder wie damals im Juni 2008 negativ auf und dann können wir wieder mit unzähligen bösartigen Zeitungsartikel und Fernsehberichten rechnen.
Beide sahen sich mit einem lauten Seufzer an und kümmerten sich wieder um ihre alltägliche Arbeit. Sie mussten aus dieser Situation das Beste daraus machen und so gut wie es ging auf die Kinder aufpassen. Keiner der beiden durfte ein Kind aus den Augen verlieren, denn falls noch ein Kind als vermisst gemeldet werden müsste, wäre es für die beiden der blanke Horror gewesen…

.: 776 Albany Avenue :.

Tyler und die Anderen hatten sich um das Haus herum verteilt und jeden Ausgang im Visier gehabt. Auch die Fenster waren in ihrem Blickfeld, so dass eine mögliche Flucht der Dämonen nicht so einfach übersehen konnte. So waren Dwight und Tyler im Garten und beobachteten von dort aus den hinteren Teil des Hauses, während Klotho und Atropos hinter einer Hecke im Vorgarten lauerten. Direkt auf der anderen Seite knieten Lachesis und Isaac hinter der heruntergekommen Garage und beobachteten dort das Geschehen. Nun musste alles nach Plan laufen, der wie folgt aussah:

Hekate sollte in das Haus hineinplatzen und somit unter den Dämonen für Unruhe zu sorgen. Plangemäß sollten dann am besten alle Dämonen, was sie jedoch nicht glaubten, auf Hekate konzentriert sein und ihr nach draußen folgen. Sobald sie aus dem Haus waren, war es die Aufgabe von Lachesis und Isaac, die den kürzesten Weg zur Haustür hatten, die Tür durch eine magische Barriere für Dämonen aufzustellen.  Die Übrigen konnten derweil an den Fenstern und Ausgängen Steinsalz und Weihwasser streuen – ebenfalls eine Alternative zur magischen Dämonenbarierre – Natürlich durfte der Kamin kein Fluchtort sein, doch Hekate würde schon dafür sorgen, da sie sich durch den Kamin in das Haus hineinbeamen und gleichzeitig die Barriere aufstellen wollte.
Somit waren die Dämonen, die im Haus zurückblieben gefangen und mussten somit den Kampf gegen die Göttinnen und Krieger aufnehmen.

Hoffentlich läuft alles so, wie wir es uns ausgedacht haben, dachte Tyler und presste seine Lippen, während er hochkonzentriert das Fenster beobachtete, zusammen. Kein Dämon sollte unbemerkt aus dem Fenster entkommen können, ohne dass es ihm auffiel. „Dad bist du bereit?“ Dwight hatte eine selbstsichere Tonlage, die sich jedoch mit seinen besorgten braunen Augen widersprach. Auch er machte sich sorgen, denn er wusste ja nun, was für eine Vision Tyler und Violet hatten.

Es geht los“ Tyler hatte sein Blick kurz auf das Dach geworfen und hatte das OK-Zeichen von Hekate bekommen. „Jetzt geht’s los“, murmelte Dwight und ballte seine Hände zu Fäusten zusammen…

.: Kings County Krankenhaus :.

Die Stationsärztin Sophie Brown hatte die beiden Polizisten schon vom weiten gesehen und so winkte sie ihnen zu sich her um auf sich aufmerksam zu machen. Sie erkannte unter den Polizisten ihre Freundin Carmen und war froh darüber, weil es in mancher Sicht einfacher war mit einer Freundin als mit wildfremden Personen zu sprechen.
Hallo Carmen.“ Sophie drückte sie herzlich und gab dem Polizisten Trevor Brand freundlich die Hand. „Wir müssen in die Kinderstation, weil dort die jeweiligen Aktien liegen.

Nickend folgten die Polizisten der Stationsärztin und sahen sich während dem Laufen stillschweigend, aber dennoch kommunizierend an. In Trevors Gesicht zum Beispiel erkannte man eine gewisse Spannung, die ausdrückte dass er neugierig war, was auf ihn zu kam. Carmen hingegen hatte ein besorgtes Gesicht, denn sie wusste immer noch nicht, ob es Ava und dem kleinen Dwight gut ging. Ja, sie war teilweise richtig abwesend, was auch Sophie auffiel. „Carmen was hast du denn? Du wirkst schon die ganze Zeit über etwas abwesend.
Bevor Carmen etwas sagen konnte, öffnete Trevor seinen Mund und fragte die Stationsärztin, ob unter den vermissten Kindern, auch Avas kleiner Sohn dabei war.

Ava und die anderen haben schon vor einigen Stunden das Krankenhaus verlassen und müssten eigentlich zu Hause sein.“ Die Ärztin lief während dem Sprechen zu der Krankenschwester Fiona, um die gewünschten Akten entgegenzunehmen. „Hast du sie nicht auf dem Handy erreicht?“ Schnell schüttelte Carmen den Kopf. „Nein, aber zumindest weiß ich, dass Dwight nicht vermisst wird. Ich werde es einfach später noch einmal auf dem Handy probieren.“ Richtige Einstellung, wie Trevor fand. „Darf ich in die Akten einsehen?
Ja selbstverständlich“, sagte Sophie. „Wir sind froh, wenn das Dilemma aus der Welt ist.“ Während Trevor die einzelnen Akten durchging, ging Carmen das Zimmer überprüfend durch. Sie suchte nach möglichen Fluchtmöglichkeiten, wo der Täter unbemerkt hinein und hinaus konnte.

Der Täter war sicherlich nicht durch die Tür gegangen, denn dort wäre man auf ihn aufmerksam geworden und die alternative zur Tür war das Fenster gewesen, doch dort müsste er ebenfalls unentdeckt bleiben, was auch unwahrscheinlicher war. Denn er hätte erst einmal hinaufklettern und danach mit den Kindern herabklettern müssen, was sicherlich den ein oder anderen aufgefallen wäre.
Steckten die Dämonen wieder hinter all dem ganzen oder war es einfach nur ein kranker Zirkusakrobat, der sich daraus ein Spaß machte, kleine Kinder zu entführen? Eine andere Möglichkeit war, dass ein Angestellter des Krankenhauses selbst, der Täter war. Seit sie bei der NYPD arbeitete, hatte sie schon die verrücktesten Fälle gehabt, so dass alles möglich sein konnte und sie somit nicht alles ausschließen sollte…

.: 776 Albany Avenue :.

Hekate drang in das Haus ein und überraschte die Dämonen Hades und Alucard im Wohnzimmer. Völlig verblüfft starrten die Dämonen die Göttin an: „Was hast du hier zu suchen?“ Alucard näherte sich Hekate und zeigte dabei ihre spitzen Eckzähne. „Ich will euch davon abhalten ein Terminator-Baby großzuziehen.“ Noch mitten im Satz musste die Göttin gezwungenermaßen an Tyler denken, der mit seinen merkwürdigen Kommentare oder Sprüche spuren bei ihr hinterlassen hatte. Sie hätte wahrscheinlich nie ein Dämonenbaby als Terminator oder ähnliches bezeichnet.

Da kommst du ein bisschen zu spät, denn das sogenannte Terminator-Baby oder wie du Dáfni auch nennen möchtest, ist gerade dabei, ihre Mahlzeit zu sich zunehmen. Außerdem wird schon für reichlich Nachschub gesorgt.

Hekate konnte sich in diesem Moment nicht dafür entscheiden, über was sie sich mehr aufregen sollte. Darüber, dass es in dem Wohnzimmer wahnsinnig nach Verwesung und Schimmel roch oder über die Erkenntnis, dass Dáfni die Lebensenergie unschuldiger Neugeborene stahl - Natürlich war letzteres schlimmer. Rasch zog sie aus ihrer Tasche mehrere kleine Fläschchen und lies sie bei der ganzen Hektik sogar fast aus ihren Händen rutschen. Hekate holte weit aus und warf die Elixiere in die Richtung der Dämonen, welche daraufhin erschrocken einige Schritte zurück traten. Die blau mit grünverfärbte Flüssigkeit verteilte sich innerhalb von Sekunden auf den Boden und hinterließ einen ebenfalls blaugrünen Rauch, der gezielt zu den Dämonen flog.

Was ist das für ein Zeug?“, fragte Alucard gereizt und wich dabei den Rauchwolken aus. „Das wirst du ja gleich sehen.“ Mit diesen Worten drehte sich Hekate um und verließ zügig das Wohnzimmer. Sie steuerte die Haustür an, doch als sie gerade die Hand am Türknauf hatte, hörte sie über ihr Babystimmen weinen.
Wieder schlug Hekate einen anderen Weg ein und rannte die Treppen hinauf, die zum oberen Geschoss führte. Oben angekommen musste sie sich nur entscheiden, in welche Richtung sie rennen sollte oder besser gesagt, herausfinden, woher die Stimmen kamen – Rechts…

Wieso ist Hekate wieder umgekehrt und von der Tür weggeblieben?“, fragte Klotho stirnrunzelnd. „Das verheißt sicherlich nichts Gutes und ich denke, dass wir mal nachschauen sollten.
Atropos nickte einvernehmlich und wollte den Anderen Bescheid geben, währenddessen sollte Klotho schon einmal in das Haus gehen um nach dem Rechten zu schauen. Nachdem Klotho sich in die Wohnung gebeamt hatte, stieß sie um ein Haar mit Alucard zusammen, die so wie sie völlig überrascht über die Andere Person war.

Während Hades mit Klotho beschäftigt war, wollte die Vampirsdämonin Hekate vorknöpfen und eilte die Treppen hinauf. Mit knirschenden Zähnen sah Hades die Göttin an. „Wieviele Male haben wir uns schon getroffen und festgestellt, dass du keine Chance gegen mich hast?
Der Herrscher der Unterwelt streckte seine Hände nach Klotho aus woraufhin kleine Blitze aus seinen Fingern zischten, die er gegen die Göttin einsetzen wollte. Nachdem er mehrere Blitze freigegeben hatte, donnerten sie in die Richtung der Göttin, die jedoch durch Klotho abgewehrt wurde.

Noch während sich die beiden einen erbitterten Kampf lieferten, wo niemand dem einem was gönnen wollte, wurde die Haustür durch Lachesis und Isaac weitaufgeschlagen. Isaac wusste sofort, wie er Klotho helfen konnte und rückte mit seiner telekinetischen Fähigkeit einen aus metallangefertigten Regenschirmständer genau vor die Füße des Dämons. Durch diesen kleinen Ablenkungsmanöver wollte der Krieger ein bisschen Zeit gewinnen, um den Kronleuchter, der direkt über Hades hing abzuschrauben. Alles spielte sich innerhalb weniger Sekunden ab und so war es, dass der Dämonenherrscher beim hinaufschauen an die Decke von dem Kronleuchter erfasst wurde und mit voller Wucht zu Boden sackte - Irgendwie war alles viel zu einfach. Der Dämon schien nicht bei seinen vollen Kräften zu sein. Noch bevor die anderen einen weiteren Angriff starten konnten, löste er sich in letzter Sekunde auf…

Inzwischen waren auch Atropos, Dwight und Tyler im Haus, die sich direkt in das erste Stockwerk gebeamt hatten. Dwight hatte Alucard den Weg abgeschnitten und sie mit seinem Windstoß in ein offenstehendes Zimmer befördert. Da Atropos der Meinung war, dass die beiden Männer ihrer Schwester eher helfen konnten, als sie selbst, schlug sie ihnen vor, alleine zu Hekate zu gehen. Währenddessen wollte sie sich um Alucard kümmern. „Ihr zwei geht zu Hekate um ihr zu helfen. Ich halte euch solange die Blutsaugerin vom Hals.“ Mutig lief Atropos in das Zimmer und verschloss sie hinter sich zu. Sie war der festen Überzeugung, dass sie alleine mit der mächtigsten Vampirin fertig wurde…

.: Kings County Hospital :.

Die Reporterin Claire Nolan hatte von den vermissten Kindern im Krankenhaus mitbekommen und wollte einen exklusiven Bericht für CBS erstatten. Zusammen mit einer versteckten Kamera in ihrer Tasche und einem Mikrophon betrat sie den Aufzug, um in die 4. Etage zu gelangen.
Als die Aufzugstür aufging, sah sie einen normalen Krankenhausalltag. Das Personal lief in den Gängen von einem Zimmer in das andere. Besucher hatten sich von den Patienten begrüßen oder verabschieden lassen. Niemand hatte zur Kenntnis genommen, dass Claire eine verdeckte Reporterin war, wobei einige sie doch eigentlich aus den Nachrichten kennen mussten. Naja, vielleicht war sie noch nicht so bekannt, wie andere von ihren Kollegen, was sie natürlich mit jedem neuen Sensationsbericht ändern wollte.

Sie erkundigte sich an der Information nach der Säuglingsstation und bekam den Hinweis, dass diese im hintersten Teil des Ganges auf der linken Seite war. Dankend machte sie sich also auf dem Weg dorthin. Sie hatte schon fast das Zimmer erreicht, als aus dem Zimmer zwei Polizisten und eine Ärztin herauskamen.
Wer konnte mehr über den Gerüchten zu den Entführungen wissen, als die Ärzte und Polizisten selbst? Das die NYPD das Kings County Hospital aufgesucht hatten, deutete nur noch mehr daraufhin, dass an den Gerüchten was Wahres dran sein konnte.

Mit zügigen Schritten lief die Reporterin zu den drei Personen. „Entschuldigung, stimmt es, dass es hier Entführungen gab?“ Völlig verdutzt starrten Sophie, Carmen und Trevor sie auf die Frage hin an. Niemand von ihnen hatte mit solch einer Frage gerechnet. Folglich kam auch dementsprechend eine zögerliche Antwort. „Ich weiß nicht woher sie das haben, aber..
Carmen hatte kurz zu Trevor geschaut und blickte danach zu der blonden Frau, die eine ungeheurere Selbstsicherheit ausstrahlte. Beim genaueren Hinsehen, erkannte sie die Reporterin von CBS und konfrontierte sie mit ihrer Erkenntnis. „
Sie sind die Reporterin von CBS, nicht wahr?

Na super, dachte sich Claire – Doch keine verdeckte Reportage. „Ja, ich bin Claire Nolan von CBS. Wollen Sie nun zu meiner Frage Stellung nehmen?“ Trevor schüttelte den Kopf und meinte, dass er sich zu dieser Frage nicht äußern wollte. Es war noch nicht offiziell und deshalb war eine klare Stellungnahme nicht möglich.
Ich würde Sie bitten, das Krankenhaus zuverlassen, wenn Sie hier niemand besuchen möchten. Reporter sind hier ohnehin nicht erwünscht.“ Sophie hatte sich nun ebenfalls in das Gespräch mit eingebunden und bat sie höflich zu gehen. Sie erinnerte sich an die stressige Zeit vom letzten Jahr und wollte dies, nicht noch einmal erleben.

So einfach wurden sie Claire natürlich nicht los. Sie stellte erneut eine weitere Frage. „Wieviele Kinder werden derzeit vermisst und was für Theorien haben sie aufgestellt?
Es reicht jetzt. Gehen Sie bitte!“ Sophie zeigte auf den Fahrstuhl und ließ ihren Blick nicht von Claires neugierigen Augen los. Diese verdrehte genervt die Augen und wandte sich von den dreien ab. „Aber glaubt mir, ich werde die erste sein, die der Welt berichtet, dass hier im Krankenhaus wieder ein Skandal passiert ist.“ Mit diesen Worten lief sie wieder den Gang zurück und blickte beim betreten des Aufzugs noch einmal zu Trevor, der sie eiskalt angeschaut hatte. „So einfach gebe ich mich nicht geschlagen. Ich komme noch an mein Bericht, darauf könnt ihr euch verlassen.“…

.: 776 Albany Avenue :.

Hoffentlich hatte sich Atropos nicht überschätzt, dachten Dwight und Tyler im Stillen und starrten für einen Moment auf die zugehende Tür. „Nun aber los“, rief Dwight und war schon mit einem Fuß in die Richtung woher die Babyschreie kamen. Doch als er merkte, dass Tyler nicht mit ihm mitging, drehte er sich verwundert um. Tyler hatte Persephone, die Dämonenmutter erblickt, die gerade wie aus dem nichts hinter ihnen in einem dunklen Nebel erschien und die beiden sofort im Visier hatte. Sie ballte ihre rechte Hand zu einer Faust und schleuderte mehrere Energiebälle auf Dwight und Tyler, die mit einer unbeschreiblichen Geschwindigkeit auf die beide geschossen kamen.

Diesmal war nicht Dwight derjenige, der seinen Vater in letzter Sekunde gerettet hatte, sondern der Vater selbst. Tyler riss seinen Sohn auf den Boden, der somit nur knapp den gewaltigen Energiebällen ausweichen konnte. Nachdem die beiden sich vom ersten Schockmoment erholt hatten, standen sie wider zügig auf und setzten zum Gegenangriff an.
Gleichzeitig erzeugten Vater und Sohn einen stürmischen Wind, die sie in die Richtung des Dämons katapultierten und sich auf den Weg dorthin ineinander verhakten, sodass daraus ein wütender und korkenförmiger Tornado wurde und alles mit sich riss, die in seine Quere kam.

Persephone schien genauso wie Tyler verblüfft zu sein, was solch eine Vereinigung der Kräfte bewirkte und war der Situation völlig überfordert und ausgeliefert. Als der Tornado schließlich innerhalb von Sekunden die Dämonin erfasst hatte, fiel sie im hohen Bogen aus dem weit aufgerissenen Fenster hinaus - Wie bei Hades wirkte auch Persephone nicht wirklich stark, was jedoch in diesem Moment unwichtig war. „Hast du das gesehen?“ Tyler war völlig außer sich, da er sich darüber freute, wie stark die beide gemeinsam waren. „Wow.

Dwight verdrehte grinsend seine Augen und meinte, dass Tyler nun freie Bahn hatte, um Hekate zu helfen. Er selbst wollte nach der Dämonin sehen. „Okay, pass auf dich auf.
Das werde ich“, versicherte Dwight und eilte zum Fenster um zu überprüfen, wohin der Tornado Persephone geschleudert hatte…

Die Babyschreie wurden mit jedem Schritt, die Tyler lief lauter und als er direkt vor der Tür war, hörte er auch die Stimme von Hekate, die vor Schmerz geschrien hatte. Ohne groß nachzudenken, riss er die Tür weit auf und erstarrte vor Entsetzen. Er konnte nicht glauben, was seine Augen gerade sahen und wirkte schon fast versteinert, weil sein Augen nicht von dem Anblick loslassen konnten, auch wenn er sich diesen Anblick lieber erspart hätte.

Acht monströse Kokonen, die mit klebriger Flüssigkeit und Blut versehen waren, hingen von der Decke herunter und in jedem Kokon blitze etwas von menschlichen Neugeborenen Körperteilen heraus. Es war einfach nur schrecklich. Bei einigen Babys war der Kopf und die durch das Weinen aufgequollenen Gesichter zusehen. Mitten in dem ganzen Horrorszenario standen ein kleines Mädchen, die Tyler aus seiner Vision her gekannt hatte – Dáfni, die den Moment genoss, die Lebensenergie der Neugeborenen zu absorbieren und sich an Tylers Furcht ergötzte.

In seiner Vision war das Kind etwas älter, sodass Tyler den Entschluss zog, dass Dáfni noch weitere Neugeborene verschlingen würde. Eine Person hatte Tyler fast übersehen, nämlich Hekate. Diese hing ebenfalls Kopfüber von der Decke und hatte an beiden Armgelenken tiefe Schnittwunden. Das Blut tropfte in offene Schalen, wobei Tyler nicht genau wusste, für was Dáfni das Blut gebraucht hatte. „Ihr seid solche widerlichen Monster! Richtig eklig und anwidernd.“ Tyler glühte vor Zorn, sodass sein ganzer Körper dadurch gezittert hatte. Er merkte, wie sich die Wut in ihm ansammelte und nur darauf wartete, auszubrechen.

Eben noch hatte Tyler das Bedürfnis, das Mädchen auseinander zunehmen, doch als sie anfing, über Ava und dem kleinen Dwight zu reden, wurde sein Zorn nur noch größer, so dass er sich wünschte, das selbe Leid Dáfni hinzuzufügen. Doch Foltern und Quälen gehörte nicht zu Tylers Stärken, da er einfach nicht so gestrickt war, so etwas Skrupeloses durchziehen zu können. „Ich bin noch nicht fertig mit dir. Halte mich doch auf, wenn du mich kannst.“ Das kleine Mädchen löste sich mit einem düsteren Kichern auf und ließ Tyler mit den anderen alleine. Ehe Tyler darauf reagieren konnte, platzen die Moiren mit Isaac in das Zimmer hinein.

Auch sie waren im ersten Moment über den Anblick schockiert, weshalb sie alle erst einmal kräftig schlucken mussten. „Die Babys leben noch. Wir müssen die Kinder aus den Kokonen befreien, schnell.“ Hekate litt unter höllischen Schmerzen und hatte ihre letzten Worte den Kindern gewidmet, ehe sie bewusstlos wurde und selbst mit dem Leben kämpfen musste…

Fortsetzung: 15.5. Cogitatio B (Plan B)