15.5.
Cogitatio B
(Plan B)
.: Kings County Hospital :.
Nachdem die Polizisten zusammen mit Dr. Brown das Zimmer verlassen hatte, wollte die Krankenschwester Caroline kurz auf die Toilette gehen. Anschließend wollte sie dann nach der kleine Irene schauen, da sie wieder in ihr Bett musste. Zumindest solange, bis die NYPD eine Maßnahme aufgestellt hatte, wie sie gegen die Entführungen ermitteln wollten. Schwester Fiona nahm dies zur Kenntnis und kümmerte sich währenddessen um die anderen Kinder. Es dauerte nicht lange, bis sie Caroline wieder im Zimmer auftauchte und bei Schwester Fiona für staunen sorgte. „Warst du jetzt so schnell auf der Toilette gewesen?“ „Nein, ich soll dir von Dr. Brown ausrichten, dass du mit den Akten zum Chefarzt gehen sollst. Erst wenn du wieder zurück bist, werde ich dann die Toilette aufsuchen gehen.
Um ihren Chef nicht warten zu lassen, griff Fiona nach den Akten und verließ umgehend das Zimmer. Unterdessen nutzte Caroline die Gelegenheit, um sich die Neugeborenen näher zu betrachten. Ihre volle Aufmerksamkeit war dem kleinen Tommy Payne, der erst seit gestern auf der geboren wurde, gerichtet. Er war ein richtiger Wonneproppen und schien kräftiger und gesünder sein, als alle anderen. Mit dieser Erkenntnis schielte sie verstohlen zur Tür um sicher zu gehen, dass auch niemand in diesem Moment hinein gehen wollte und streckte ihre Arme nach Tommy aus um ihn aus dem Bett zu tragen. "Dáfni wird begeistert von dir sein, da bin ich mir ganz sicher." Sie kicherte in sich hinein, während ihre Augen sich komplett schwarz verfärbten. Ja, die vermeintliche Krankenschwester schien nicht diejenige zu sein, für die man sie hielt. Doch wo war die wahre Schwester Caroline?
***
Violet sollte noch einmal in das Krankenhaus zurückkehren, da Ava den blauen
Schnuller in ihrem Zimmer vergessen hatte. Doch als sie im Zimmer vergeblich
nach dem Schnuller gesucht hatte, beschloss sie in die Säuglingsstation zu gehen
und hoffte dort fündig zu werden.
„Kann ich Sie etwas fragen?“ Violet
klopfte leicht gegen den Türrahmen und hatte dadurch die Krankenschwester völlig
erschreckt, die nicht erwartet hatte Besuch zu bekommen. Vor lauter Schreck
ruderte sie ihre Arme nach hinten und verschüttete dadurch das Mineralwasser
Glas neben dem Stiftbehälter um. Das Getränk verteilte sich über einige Akten
und Schreibblöcke, während einige größere Tropfen das Fenster und den auf den
Tisch stehenden Aufstellkalender bespritzt hatte.
Caroline eilte rasch zum Waschbecken und griff nach wahllos nach einem Handtuch um die nassen Stellen zu trocken. Violet griff ebenfalls nach einem Handtuch um der Krankenschwester zu helfen. Schließlich war sie nicht ganz unschuldig an diesem Fiasko, aus diesem Grund fand sie es nur fair, ihr zu helfen. „Entschuldigung ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich hätte nicht so hereinplatzen sollen“, gestand Violet kleinlaut während sie die Akten mit dem Handtuch abtupfte.
Die Krankenschwester schüttelte verständlich den Kopf und legte die unversehrten Unterlagen auf den Fenstersims. Dabei wurde sie auf den Aufstellkalender mit dem völlig durchnässten und aufgeweichten Kalenderseite aufmerksam und entfernte diese anschließend vom Kalender. „Es geht schon, ist alles halb so wild.“ Als Violet den selben Kalender aus ihrer Vision erkannte, dieser sogar das genaue Datum aufzeigte, zuckte sie stutzig zusammen. Mit zusammengezogenen Augenbrauen und einer nachdenklichen Miene überlegte sie, ob es nicht sein konnte, dass sie und ihr Vater sich bei der Vision geirrt hatten. Vielleicht war die Vision nicht für den nächsten Tag bestimmt, sondern für den heutigen Tag. Sie drehte ihren Oberkörper zur Seite und sah sich im Zimmer um. Erst an die Decke, danach auf den Mamorboden. Vom Fenster bis hin zu der Wand an der Tür.
Alles war genauso wie in ihrer Vision,
nur dass die Menschenleichen noch nicht an der Decke geklebt hatten. Völlig
aufgelöst lief Violet einige Schritte zurück und lies das Handtuch auf den
Schreibtisch fallen. Sie musste umgehend die Anderen informieren, ehe es zu spät
war. "Ist etwas passiert?",
wollte die Krankenschwester wissen und blickte in die beunruhigten Augen der
jungen Frau. „Geht es Ihnen gut? Sie sehen so
bleich aus.“
„Äh.. Nein.. Mir geht es gut.. Glaube ich zumindest.“
Violet wandte sich von Schwester Caroline ab, mit dem Gedanken, dass sie keine
Sekunde verlieren durfte. Noch bevor die Krankenschwester etwas sagen konnte,
war Violet schon wieder aus dem Zimmer gelaufen und lies Caroline verdutzt nach
ihr hinterher blicken. "Verrückt... Verrückt diese
Menschen." Die vermeintliche
Krankenschwester, die in Wirklichkeit ein Dämon war, hatte wohl nur noch die
Neugeborenen im Kopf, denn hätte sie nur ein bisschen genauer auf die junge Frau
geachtet, wäre ihr bewusst geworden, dass die beiden sich schon einmal außerhalb
des Krankenhauses getroffen hatten...
.: 776 Albany Avenue :.
… „Ich bin noch nicht fertig mit dir. Halte mich doch auf, wenn du mich kannst.“
Dáfni löste sich mit einem düsteren Kichern auf und ließ Tyler mit
den anderen unerwartet im Zimmer. Sie wollte wohl eine kleine Katz und Maus
Spiel mit Tyler spielen, doch Tyler hatte keine Nerven für solche Kindereien.
Nachdem Tyler empört seinen Mund öffnete, platzten Isaac und die Moiren in das
Zimmer hinein.
Auch sie waren im ersten Moment über den Anblick schockiert, kriegten sich
jedoch wieder ein und versuchten nach Anraten von Hekate, die Babys aus den
Kokonen zu befreien. Isaac befreite die schwerverletzte Göttin der Zauberkunst
und legte sie vorsichtig auf den Boden.
Kaum waren alle Kinder befreit, tauchten fast zeitgleich die zwei zukünftigen Kinder von Tyler auf. "Die Dämonenmutter hat sich aus dem Staub gemacht und ich finde sie einfach nicht mehr." Die Nachricht gefiel den Anwesenden nicht, jedoch war die nächste Nachricht von Violet nicht besser. "Dad ich bin mir ziemlich sicher, dass die Vision heute eintreten wird, wenn wir nicht so schnell wie möglich ins Krankenhaus zurückkehren." "Wie kommst du darauf?", fragte Tyler erstaunt und trug dabei zwei Kinder in seinem Arm, die gerade von den Göttinnen geheilt wurden.
"Ich habe den Aufstellkalender in der Säuglingsstation gesehen, der den 18. Mai aufzeigt." Violet zappelte ungeduldig und wollte schleunigst wieder ins Krankenhaus zurück. Nach und nach zeichneten sich Sorgenfalten auf Tylers Stirn ab. Im Grunde konnte seine Tochter recht haben, denn die kleine Dämonin Dáfni aus seiner Vision existierte ja bereits.
„In unsere Vision war Dáfni ein bisschen Älter, was heißt, dass es noch nicht zu spät ist. Wir können die Vision noch verhindern“, schoss es Tyler Mund, nachdem er die Hände zu Fäusten geballt hatte. „Ihr versorgt Hekate und bringt die Kinder in Sicherheit. Und du Violet beamst dich nach Hause und schaust nach Mum und dem Kleinen, somit verändern wir die Vision, indem du nicht im Krankenhaus auftauchst. Dwight, Isaac und ich gehen stattdessen ins Krankenhaus und schauen nach dem Rechten.“
Niemand erwartete solche Töne aus Tylers Mund. Er, der sich immer vor seiner Bestimmung sträubte, hatte sich durch Ethans Tod verändert und weiterentwickelt. Ihm wurde bewusst, dass er seine Familie und Freunde vor den unbarmherzigen Dämonen beschützen muss um nicht noch einen weiteren zu verlieren. Dieser Beschützerinstikt weckte seinen inneren Krieger und somit auch die Kontrolle über seine Gaben. Tyler war zurecht einer der besten Krieger in der Vergangenheit gewesen und das würde er zum richtigen Zeitpunkt zeigen. Wenn es soweit war, sollten sich die Dämonen vor ihn in Acht nehmen, denn er war viel stärker als ihn selbst bewusst war...
.: Bei den Carrendoors :.
Zwei dunkle Gestalten standen vor der schlafenden Ava, die in ihrem Arm Dwight
liegen hatte. Sie schliefen so fest, dass sie den unerwarteten Besuch gar nicht bemerkten.
Sicherlich würde Ava vor Schreck laut aufschreien und dadurch den Kleinen
aufwecken, aber die zwei Gestalten versuchten so leise wie möglich zu sein.
Atemis und Apollon hatten Carrendoors Wohnung aufgesucht um die beiden mehr oder
weniger unfreiwillig mitzunehmen. Sie wollten verhindern, dass Dáfni den kleinen
Dwight in die Finger bekam. Denn wenn es dazu kommen sollte, würde die jüngste
von den ultimativen Sieben zu ungeheurer Macht gelangen und somit einige
Schritte schneller einleiten können.
In dem Augenblick, als Apollon Avas Schulter berührte, tauchte Violet unerwartet im Zimmer auf. Sichtlich überrascht zuckten sie zusammen und staunten nicht schlecht, als Violet ohne zuzögern angreifen wollte. „Finger weg.“ Violet ließ einen Windstoß frei, der direkt in die Richtung der beiden Unbekannten flog. "Halt", schrie die Frau und lies den Wind bevor sie einen der beiden Personen treffen konnte, auflösen. "Wir sind die Götter Artemis und Apollon. Wir sind gekommen um euch vor den Dämonen und die Ultimate Se7en zu beschützen."
So ganz wollte Violet den beiden nicht glauben und stellte weitere Fragen, nur um auf Nummer sicher zu gehen. Hereinlegen wollte sie sich nicht lassen, denn in ihrer Welt wurde sie traurigerweise schon des Öfteren. "Könnt ihr das beweisen?" Violet schielte kurz zu Ava, die langsam zu sich kam und verängstigt ihren Sohn näher zu sich drückte. "Was wird hier gerade gespielt? Violet, wer sind diese beiden Personen?" Immer noch auf eine Antwort wartend, wandte sie wieder zu den angeblichen Göttern, "Ich warte."
"Der Prophet hat uns und einige Andere auf die Erde geholt um euch zu unterstützen. Ihr könnt uns entweder glauben und mit uns kommen oder einfach hier bleiben. Aber jammert nicht im Nachhinein, wenn ihr in Schwierigkeiten steckt." Geduld, war ein Fremdwort für Artemis und so konnte sie Violets Skepsis nicht nachvollziehen. Apollon, der einfühlsamere von den beiden versuchte es auf eine andere Weise. "Wären wir Dämonen hätte der kleine Dwight sicherlich schon lautstark geweint. Die Kleinen sind viel empfindlicher als wir und da er ein Sohn eines Kriegers ist schon zweimal. Hört mal, wir haben wirklich keine Zeit mehr. Dáfni ist auf den Weg zu uns. Im Kingsboro Psychiatric Zentrum sind wir in Sicherheit."
Entgegen der Erwartungen von Violet, setzte Ava einen Fuß auf den Boden und hatte das Gefühl, nicht angelogen zu werden. "Violet, kannst du das nötigste in die Tasche packen?" Violet sah ihre Mutter etwas unglaubwürdig an. "Aber Mum, was ist, wenn das alles eine Falle ist?" "Nein das glaube ich nicht. Wären Artemis und Apollon Dämonen hätten sie uns schon längst etwas angetan oder würden nicht solange diskutieren."
Wenn's denn sein muss, dachte sie und verdrehte dabei ihre Augen. Sie ging zum großen weißen Kleiderschrank und suchte einige Klamotten aus, die sie für eine spontane Bleibe sinnvoll und praktisch hielt. Während sie die Kleidungsstücke in die Tasche legte, konnte sie eine Äußerung nicht unterdrücken: "Und wenn ich herausfinde, dass ihr uns angelogen habt, könnt ihr euer blaues Wunder erleben."
.: Kings County Hospital :.
Tyler, Dwight und Isaac hatten sich in die Säuglingsstation gebeamt und die
Krankenschwester auf frischer Tat ertappen können. Sie wollte sich gerade an ein Baby
vergreifen, als Isaac mit seiner Fähigkeit das Bett etwas zur Seite
rückte.
Wütend giftete die Dämonin in der Gestalt von Schwester Caroline die ungebetenen
Gäste an und knirschte gefährlich mit den Zähnen. Sie setzte zum Sprung an, doch Tyler
griff ein und schmetterte einen Windstoß direkt in ihre Richtung. Volltreffer,
denn die Dämonin knallte unsanft auf den Boden und rutschte bis zum Schreibtisch
zurück. Die Dämonin konnte sich kaum vom Angriff erholen, da sie gleich danach
einen Stuhl gegen ihre Rippen gerammt bekam und sie vor Schmerz aufschreien
musste.
„Ich werde nach Dáfni suchen, ihr beide kommt doch alleine gegen sie an. Oder?“, fragte Isaac und war mit einem Bein schon vor der Tür, als er die wahre Krankenschwester Caroline in unmittelbarer Nähe erblickte. „Beeilt euch, ihr bekommt gleich Besuch.“…
Ohne groß nachzudenken stürzte sich Dwight auf die Dämonin und löste sich zügig mit ihr auf. Zurück blieben Isaac und Tyler die im ersten Moment etwas verblüfft waren, weil sie nicht mit so einer Reaktion von Dwight gerechnet hatten. Kurz darauf stand auch schon Schwester Caroline im Zimmer und sah die beiden Männer mit großen Augen an. Wieso waren die beiden Männer ohne jegliche Aufsicht einer Krankenschwester, indem Fall war es ihre Kollegin Schwester Fiona anwesend? Einen von ihnen kannte sie jedoch, sodass ihr Unwohles Gefühl nicht allzu groß war. „Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein? Und... Sind Sie Mister Carrendoor, der Vater vom kleinen Dwight?“
Tyler nickte zögerlich und erfand eine schlechte Ausrede, die er zudem noch stotternd über die Lippen brachte. Als Schauspieler würde man ihn sicherlich nicht einstellen wollen, doch für die leichtgläubige Krankenschwester klang seine Erklärung, weshalb sie die Säuglingsstation ausgesucht hatten, mehr als plausibel. „Äh.. Ich glaubte hier meine Autoschlüssel verloren zu haben und dieser Herr hier, Isaac wollte mir bei der Suche helfen. Aber wahrscheinlich habe ich mein Autoschlüssel doch irgendwo anders liegen lassen.“ Isaac musste innerlich Schmunzeln, lies es sich aber nicht anmerken und spielte unaufgefordert mit. „Ja, so ist. Aber Tyler, hast du denn schon in deiner Innentasche nachgeschaut? Du hast nämlich die Angewohnheit alles in deine innere Jackentasche zu verstauen.“
„Nein“, sagte Tyler
und gab ihn einen leichten Klaps auf die Stirn, „Gute Idee.“
Nachdem er so getan hatte, in seiner Innentasche herumzuwühlen, griff er nach
dem Schlüssel. „Tatsächlich, ja gibt es denn so was? Isaac, du bist der Held des Tages.“
Die Krankenschwester schmunzelte leicht und meinte, dass das doch jedem Mal
passieren könnte und wünschte den beiden noch einen angenehmen Abend. Dass das
ganze Gerede voller ethlicher Logikfehler beinhaltete, kümmerte Caroline nicht -
Sie war leider zu Naiv.
nDankend verließen die beiden die Säuglingsstation und verschwanden hinter eine Wand, wo sie sich ungestört unterhalten konnten. Isaac musste es einfach los werden und Tyler mit einem frechen Grinsen aufziehen: „Du bist ein schlechter Schauspieler“ "Ich habe nie behauptet, dass ich Schauspieler werden möchte, aber ich denke wir sollten über berufliche Künste ein anderes Mal diskutieren." Tyler hatte recht und so fragte Isaac, wen sie denn nun suchen sollten. "Dafni oder Dwight?" Bevor Tyler einen Namen nennen konnte, machte sich sein Handy durch ein Vibrieren in seiner rechten Hosentasche bemerkbar. „Ja Hallo?“
„Tyler, Gott sei Dank. Endlich erreiche ich mal jemanden. Wo bist du?“ Aus dem Hörer ertönte Carmens Stimme, die völlig erleichtert war, endlich einen am Hörer zu haben. Tyler lehnte sich gegen die Wand und hielt seine Hand vor dem Handy, da er nicht wollte, dass jemand mitbekam, wie er unerlaubt mit dem Handy telefonierte. „Ich bin im Krankenhaus, weil die Dämonen sich hier herumtreiben. Wieso fragst du?“ „Hast du mitbekommen, dass mehrere Babys aus dem Krankenhaus entführt wurden?" Was?, dachte Tyler und war sich fast sicher, dass die Kinder im Anwesen der Dämonen diejenigen waren, die vermisst wurden. Er teilte ihr sofort mit, dass er eine starke Vermutung hatte und sie sich doch bitte mit den Moiren in Verbindung setzen sollte.
Sie sollte eine Lösung finden, wie die Kinder zurück in das Krankenhaus gebracht werden konnten, ohne dass die Moiren oder andere beteiligte unter Verdacht kommen würden. Mit dieser Kenntnis beendeten die beiden das Gespräch. Irgendwie war heute jeder beschäftigt und alles drehte sich um Dämonen. Doch wer würde noch in Kontakt mit dem Übernatürlichen kommen? Mittlerweile waren viele involviert, im Gegensatz zu Hope und Sophie, die von all den Dämonen nichts mitbekommen hatten, auch wenn sie in der Vergangenheit selbst von Dämonen besessen waren...
.: In Dearings Apartment :.
Vier
brennende Kerzen, die zu einem Viereck standen wurden mit dem Blut, welcher in
einer Schale aufbewahrt wurde, mit einer durchgehenden Linie bestehenden aus dem
Blut, welcher in einer Schale aufbewahrt wurde, verbunden. Themis setzte sich
anschließend in die Mitte des Viereckes, faltete ihre Hände zusammen und
murmelte auf lateinisch die relevanten Phrasen für die Zeremonie, worum es ging,
bestimmte Elemente und relevante Geister herbeizurufen.
Es folgte ein leichter Windzug, der aus den Kerzen stieg und sich langsam im Raum verteilte. Ihr Haar wehte im Takt des Windes, der nicht kalt sondern lauwarm war. Der Wind wurde stärker, so dass die Gegenstände im Wohnzimmer vibrierten und drohten, hinunterzufallen. Er bewegte sich kreisförmig im Uhrzeigersinn und wurde immer schneller. Tobend lebte er sich in dem beengten Raum aus, der den Anschein machte, mit aller Gewalt ausbrechen zu wollen. Themis blickte zum Fenster und öffnete sie nur mit ihren Gedanken. Kurz darauf schoss ein grelles Licht vom Himmel herab in das Wohnzimmer, direkt auf die Linie, die aus Blutbestand. Wie ein Käfig, war Themis im Viereck durch das helle Licht gefangen, doch das gehörte zur Zeremonie dazu.
Der Wind konnte durch das Fenster hinaus fliehen und folgte dem Licht, der aus dem Himmel mit seinen dunklen grauen Wolken kam. Als der Wind vollständig verschwand, zog sich das Licht zurück und verschwand ebenfalls hinter den Wolken.
"tres, duo, unio..." Sie zählte von drei auf eins zurück. Kurz daraufhin schoss ein gewalter Strahl, der so grell war, dass der Himmel hell aufleuchtete, und die Wolken sich dem Strahl unterordnen mussten, direkt in das Kingsboro Psychiatric Gebäude. Die Menschen auf den Straßen, auf den Balkonen und Dächern, in ihren Autos, Zügen und Straßenbahnen, sie alle blickten verwundert in den Himmel und beäugten das gewaltige Licht, was sie noch nie im Leben zuvor gesehen hatte. So weiß schimmernd und eigentlich zu hell für die Augen. Doch dieses Licht war nur zwei Sekunden zu sehen, ehe sie wieder aufhörte zu scheinen. Was um alles in der Welt war das?
Die Zeremonie hatte Spuren bei Themis hinterlassen. Sie Schweißperlen an ihrer Stirn, zeigten, wie anstrengend das ganze für sie war. Doch sie schien erfolgreich gewesen zu sein, denn vor ihr stand nun eine goldene Urne, die genauso mysteriös wie der ungewöhnliche Wind und das grelle Licht war...
.: Kings County Hospital :.
Carmen
lief aus dem Krankenhaus, weil die Moiren die vermissten Babys zurück bringen
wollten. Sie wollten auf den Parkplatz in einem schwarzem Audi A3 warten und
Carmen sollte den Ärzten und Krankenschwestern erzählen, dass die Kinder im
nächstgelegen Park, auf der Wieso gelegen haben. Vom Täter war keine Spur und es
gäbe eine anonyme Augenzeugen. Zwar war diese These etwas wackelig, aber wie
konnte die Polizistin sonst erklären. Alles andere, die der Wahrheit entsprach,
wäre zu Verrückt um es zu glauben.
Sie lief also hinaus, freute sich, dass die besorgten Eltern in den nächsten Minuten überglücklich ihre Kinder in Empfang nehmen konnten. Sie war jedoch nicht auf das folgende Ereignis eingestellt, dass sie gleich sehen würde. Draußen standen aufgeregte Personen, die auf den Himmel starrten. Nicht nur das außergewöhnliche helle Licht ließ die Menschen den Atem stocken, sondern das was sich gerade auf dem Dach des Krankenhauses abspielte. Eine Frau hatte einen jungen Mann am Hals gepackt und ihn gefährlich in der Luft hängen lassen. Es sah so aus, als würde sie den Griff lockern und ihn in die tiefe stürzen lassen wollen.
Der junge Mann, der vorhin mutig seinen Vater vor der Dämonin gerettet hatte, steckte in diesem Moment selbst in großer Gefahr. "Ach du großer Gott", ertönte es aus dem Mund einer älteren Dame, die sich ängstlich an ihre Tochter festgehalten hatte. "Sie wird ihn doch nicht wirklich fallen lassen wollen", kam es aus einem anderen Mund. Carmen strengte ihre Augen an und erkannte Dwight. Hastig griff sie nach ihrem Handy und wählte die Nummer von Tyler. Es klingelte, aber wieso nahm Tyler nicht ab.
Sie versuchte es erneut und merkte nicht, wie Claire Nolan, die Reporterin ihre Kamera auf den Mann und die Frau auf dem Dach gerichtet hatte und alles gefilmt hatte. "Das gibt einen Sensationsbericht. Heute ist mein Glückstag, denn die Ereignisse überschlagen sich ja förmlich. Erst die Kindesentführungen, dann dieser merkwürdige Strahl und nun der Mann, der wahrscheinlich in die Tiefe fällt..." Carmen rief Tyler zum dritten Mal an und diesmal endlich mit Erfolg. "Dwight ist auf den Dach und droht in die tiefe zu stürzen! Komm ..." Ihr stockte mitten im Gespräch der Atem und verhinderte somit, weiter zu sprechen. "Carmen? CARMEN?!", ertönte es aus schreiend as dem Telefon, die jedoch unbeantwortet wurde.
Die immer mehr werdenden Menschenmenge hielten ebenfalls den Atem an, weil in dieser Sekunde, die Frau den Mann losgelassen hatte und er in einer hohen Geschwindigkeit in die Tiefe stürzte. Sie hielten die Luft an, schrien entsetzt und einige hielten sich die Augen zu, weil sie den Aufprall nicht sehen wollten auch wenn sie womöglich Zeuge eines Mordes waren...
Ende der Episode...