Was bisher geschah: „ „Was war das gerade eben?“, fragte die Krankenschwester erschöpft und völlig verwirrt. Ihre Augen wanderten zuerst zu Isaac der die Station verließ und danach zu Tyler, der einfach nur froh war, dass seine Befürchtungen durch seine Vision nicht bewahrheitet wurden - Seinem Sohn ging es gut – Gott sei Dank! „Nächstes Mal sprechen wir uns ab, bevor einer von uns eine Solonummer durchzieht, verstanden?“ Dwight konnte die Erleichterung in Tylers Gesicht klar und deutlich erkennen, weshalb er ihm einfach nur zunickte und nicht widersprach.
16.2. Orakel von Delphi
.: Kings County Hospital :.
„Da!“,
hallte es in den Raum, wodurch sich alle zur Tür drehten und Schwester Paula und
Detective Trevor Brand sahen. „Aber was.. Wie ist
das möglich?“ Fassungslos blickte die
Krankenschwester zu Schwester Fiona, die auf den Stuhl saß und kaum noch die
Kraft hatte, etwas zu sagen.
„Detective Brand, sie müssen mir glauben, Schwester
Fiona war noch gerade eben an der Decke und hatte starke Blutungen. Fragen Sie
mich nicht, wie sie das angestellt hat, aber ich bin mir sicher, dass Schwester
Caroline das alles getan hat.“
Bei dem Namen zuckte Fiona ängstlich zusammen und sie versetzte sich wieder in
die Situation zurück, die ihre Kollegin ihr angetan hatte. Sie wusste nicht, wie
Schwester Caroline das angestellt hatte und sie wusste auch nicht, dass
Schwester Caroline in Wirklichkeit die Hexe Lilith war, weil sie zu dieser Zeit
bewusstlos lag. Fiona wusste nur, dass sie Caroline noch nie so bösartig erlebt
hatte.
Trevor schielte zu Carmen, die ihm ein Zeichen gab, Schwester Paula irgendwie davon abzubringen, weiter nachzuhaken. Ihm war somit klar, dass hier wieder etwas Übernatürliches im Spiel war, was ja seit den Entführungen von den Frauen und Kindern hartnäckig an seiner Haut klebte und er nicht mehr abbekam, auch wenn er das gewollt hätte. Doch Carmen hatte ihn damals bei ihrer Beichte über die Götter und Dämonen gewarnt, dass sich alles Ändern würde. Und so war es auch letztendlich - er war unfreiwillig ein Teil der großen Geheimhaltung über die Übernatürlichen geworden. Er musste die Menschen vor den Dämonen beschützen und sie vor der Wahrheit über sie bewahren.
„Ich glaube, sie haben zulange gearbeitet“, fing er an und wahr heil froh, als die wahre Schwester Caroline mit Irene auf dem Arm in das volle Zimmer hineintrat. „Okay… Habe ich hier was verpasst, während ich bei der kleinen Irene war?“ Wie ein Geist wurde Caroline von Paula und Fiona angestarrt, die immer wieder unglaubwürdig mit dem Köpfen schüttelten. „Paula geht es dir gut?“, fragte Schwester Caroline besorgt und lief auf sie zu.
„Nein… Finger weg von mir!“,
schrie Paule Schwester Caroline fürchtend an. Auch Schwester Fiona erging es
ähnlich. Ängstlich hielt sie sich an der Tischkante fest und hoffte, dass sie
nicht erneut von ihrer Kollegin gefoltert wurde.
„Hier scheint alles in bester Ordnung zu sein. Mehr
oder weniger, zumindest“, sagte Trevor und blickte
ein weiteres Mal in die Runde. „Es gibt keinen
Grund, ihre Kollegin so anzufahren“. Trevor wollte
die angespannte Situation etwas lockern oder einfach herunterspielen. Alle
anderen waren Still und trauten sich kaum etwas anderes zu sagen. Sie wussten,
dass vielleicht nur ein falsches Wort die kritische Lage wieder kippen konnte
und somit noch mehr Misstrauen verursachen konnte. Trevor brachte die verwirrte
Krankenschwester aus dem Zimmer und bekam noch mit, wie Schwester Caroline die
Anwesenden fragte, was während ihrer Anwesenheit passiert war.
Dann wandte er sich wieder zu Schwester Paula die immer mehr Kopfschmerzen bekam. Völlig nachvollziehbar und Trevor tat es leid, dass Schwester Paula als Verwirrte und Überarbeitete hingestellt wurde, auch wenn sie nur die Wahrheit gesehen und gesagt hatte…
.: Bei den Carrendoors :.
Tyler
und Dwight hatten sich wieder in die Wohnung begeben um nach dem anstrengenden
Tag ausruhen zu können. Die Dämonen hatten sich anscheinend nach der Niederlage
wieder zurückgezogen und wahrscheinlich nach einer neuen Unterkunft gesucht,
denn in dem herunter gekommenen Haus waren sie nicht mehr aufzuspüren.
Die Moiren kehrten wieder zurück in ihre Wohnung und Isaac zurück nach Bronx.
Doch während die anderen sich ausruhen konnten, bildeten sich Sorgenfalten auf
der Stirn von Tyler und Dwight ab. In der Wohnung hatte nirgends das Licht
gebrannt und demnach war auch niemand aufzufinden. Wo waren Ava, Violet und der
kleine Dwight? Tyler war besorgt und griff danach hastig nach seinem Handy. Er
haute regelrecht auf die Tasten und wurde jedoch mit der Mailbox von Ava
konfrontiert.
„Das Handy ist aus“,
rief Tyler energisch. Angst war in seinen Augen zu erkennen, weshalb Dwight sein
Glück versuchen wollte und sich kurz zu Violet beamen wollte – Jedoch ohne
Erfolg. „Hoffentlich ist ihnen nichts zugestoßen.“
Dwight sah seinen Vater an, der kurz vorm durchdrehen war. Um ihn zu beruhigen
meinte er, dass sie sich erst einmal hinsetzen sollten um zu überlegen, wo Ava
und die Anderen sein konnten.
Obwohl Tyler in diesem Moment gar nicht still sitzen konnte, blieb ihm keine
andere Wahl übrig. Er brauchte einen klaren Verstand und anscheinend brauchte
sein Körper Entlastung, denn kaum hatte er sich hingesetzt, entspannte sich der
Körper, auch wenn in seinem Kopf tausende Gedanken umher schwirrten.
Dwight setzte sich neben seinen Vater und schaute direkt in seine Augen. „Überleg
mal, wo könnten sie sein? Sie sind nicht auf dem Handy erreichbar und ich kann
mich nicht zu ihnen teleportieren.“ „Da
werden wohl wieder übernatürliche Kräfte in Spiel sein“,
entgegnete ihm Tyler mit einer ernsten Miene.
Nachdenklich lehnte Dwight sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. Der Tag hatte wirklich seine Kraft in Anspruch genommen – Er gähnte vor Müdigkeit und wollte eigentlich nach wenigen Minuten wieder die Augen aufmachen, doch er merkte jedoch nicht, wie er langsam in einen tiefen Schlaf fiel. Obwohl Tyler mitbekommen hatte, wie sein zukünftiger Sohn noch in der Couch eingeschlafen war, wollte er ihn nicht wecken und beschloss daher, alleine mit seinem Auto nach Ava und den anderen zu suchen…
.: In Dearings Apartment :.
Themis hatte schon alles vorbereitet, was sie für den nächsten Ritual benötigte. Also konnte es ohne unnötige Zeit zu verlieren losgehen. Artemis und Apollon waren ebenfalls anwesend und so saßen sie in einem Kreis und fassten sich bei den Händen, damit der Kreis geschlossen war. Um Sie herum waren wieder vier Kerzen aufgestellt und in der Mitte war die goldene Urne, die geöffnet da stand und mehrere Funken aufblitzten und hellleuchtende Strahlen querbeet aus der Urne schossen.
„Wir
antworten dem Gott mit „eî“ (Du bist), indem wir ihm die Designation übertragen,
die wahr ist und in sich keine Lüge birgt und zu ihm allein gehört und zu keinem
anderen, nämlich die des Seins“
Nach diesen historischen Zeilen, erkannte man einen halbdurchsichtigen,
feuerroten Schnabel und kurz darauf den dazugehörigen Kopf des Vogels. Er flog
hoch an die Decke und erschien in voller Pracht – Der Vogel war ein ganz
besonderer. Ein Phönix. Seine gewaltigen Flügel mit den feurigen Federn; der
Schwanz der wie dicke Haarsträhnen aussah die sich am Ende lockten; Seine Füße
mit den messerscharfen Krallen, die sicherlich wehtaten, wenn er zupackte; Seine
kleinen aber gutmütigen Augen mit dem Federn auf dem Kopf, dass der Männerfrisur
dem Vokuhila ähnelte, gab dem Vogel noch eine besondere Note.
Mit voller Bewunderung sahen die Götter den Vogel an, der leise vor sich her
krächzte. Ein weiterer Schnabel kam unmittelbar nach der Erscheinung des
Phönix‘, doch diesmal bläulich schimmernd. Ein weitere Phönix flog an die Decke
und blieb neben dem Feuerroten stehen.
Der erste Kontakt schien wie bei einem Menschen zu sein, wo sie sich für einen Moment begutachten und den anderen einschätzten. Nachdem sie erkannt haben, dass keine Gefahr ausging, vereinigten sie sich und es sah so aus, als würden sie tanzen.
„Ein neuer Ort wird benötigt, um den Wunsch Gottes und die Prophezeiung zu bewahrheiten. So bitten wir euch, uns zu helfen. Es soll ein neuer Orakel in dieser Welt entstehen. Der Weg zum auserwählten Ort wurde bereits gelegt. Folgt ihm und lasst die Propheten Melampus und Herophile die neuen Schutzbefohlenen sein“
.: In Fionas Apartment :.
Es war schon ziemlich spät, als Fiona von der Arbeit zurück in ihre Wohnung kam. In Gedanken versunken legte sie ihre Jacke ab und tauschte ihre weißen Sportschuhe gegen Hausschuhe ein. Sie lief in das Bad und drehte den Wasserhahn in der Wanne auf. Nach so einem verrückten Arbeitstag, wo sie nur knapp dem Tod über die Schippe gesprungen war, nach den schrecklichen Todesängsten und den merkwürdigen Personen, eingeschlossen Caroline – ihre Arbeitskollegin, die sonst immer so nett war und sich als Monster oder Ähnliches entpuppte - wollte sie sich im Bad entspannen und für einen Moment alles vergessen, auch wenn es ihr ziemlich schwer fiel nicht darüber nachzudenken.
Sie zog ihre Kleider aus und stieg in die Wanne. Ein langer Seufzer zeigte, dass sie bereit war, sich völlig gehen zu lassen. Während Fiona ihre Augen geschlossen hatte, hörte sie ein merkwürdiges blubbern unter ihren Waden. Erschrocken streckte sie ihre Beine aus dem Wasser, kontrollierte ob nicht etwas in der Wanne war und schaute ihre Waden an, aber da war nichts. Noch bevor sie ihre Beine wieder in das Wasser tunken konnte, spürte sie, wie sich das Wasser auf einmal erwärmte. Merkwürdig, wie konnte das möglich sein. Der Dampf stieg zur Decke und für Fiona wurde es immer unerträglicher, sodass es an ihrer Haut gebrannt hatte. Sie musste aus dem Wasser, denn mittlerweile war es richtig heiß geworden.
Fiona kletterte hastig aus dem Wasser und blickte verstört in die Wanne. Die Dampfwolken stiegen nach Oben und das Wasser blubberte, wie bei einem Topf, der gerade auf dem Herd kochte. Panisch eilte sie aus dem Bad um im Flur nach dem Telefon zu greifen - Sie wollte die Polizei alarmieren oder lieber doch Tyler Carrendoor anrufen, der ihr Hilfe angeboten hatte, wenn sie sich unsicher fühlen würdee? Sie entschied sich für letzteres, da sie das Ereignis für mysteriös und unnormal einstufte und die Polizei ihr sicherlich nicht helfen konnte. Mit dem Hörer am Ohr wartete sie, bis Tyler ihr Telefonat entgegennahm und als es soweit war, blieb ihr jedoch die Worte im Halse stecken, da auf einmal feuchte Schritte, die aus dem Bad kamen, zu hören waren. Die Schritte wurden immer lauter und als jemand den Türknauff gehalten und zurückgezogen hatte, hielt sie es für sicherer, nicht abzuwarten, wer aus dem Bad zum Vorschein kam, sondern lieber das Weite zu suchen.
Mit dem Handtuch um ihren Körper gewickelt, den Schlüssel in der Hand, der sie
von der Kommode hatte, flitzte sie aus ihrer Wohnung – Ängstlich und panisch
nach links und rechts schauend, da sie beinahe in ihrer Panik die Orientierung
verlor – Nach links, zum Aufzug. Sie schlug auf die Taste des Aufzuges 0 – 1 –
2... Viel zu lange brauchte der Aufzug, bis er in ihrer Etage - der fünften -
ankommen würde. Sie blickte immer wieder kurz zu ihrer Wohnungstür, die weit
offen stand und entschied sich kurzer Hand für das Treppenhaus. „Hallo?
Wer ist denn da?“, ertönte es aus dem Telefon
wiederholend. Als Fiona merkte, dass Tylers Stimme zu hören war, schrie sie
regelrecht ins Telefon: „Tyler sie müssen unbedingt
in die Wyckoff Street 98, da irgendetwas in meiner Wohnung aus dem Bad gekommen
ist.“
„Fiona? Verstecken Sie sich, ich werde so
schnell wie möglich kommen.“ Noch am Telefon
überlegte Tyler, wie er von der Livingston Street am schnellsten in die Wyckoff
Street kommen sollte. Sie war einige Straßen weiter und bei dem Brooklyner
Verkehr wäre er sicherlich nicht in fünf Minuten dort, sondern eher in einer
Viertelstunde.
Fiona hörte, wie die Tür des Treppenhauses aufging. War die Person bereits im
Treppenhaus? „Tyler, bitte beeilen Sie sich!“
Sie trabte die Treppen hinunter, so schnell wie noch nie zuvor, auch nicht, als
sie mal verschlafen hatte.
Das
Erdgeschoss. Mit Schwung griff sie nach der Tür, doch weiter kam sie nicht, da
jemand schon ihren Hals von hinten gepackt hatte und zu sich zog. Als sie in die
aggressiven Augen der Person sah, fing sie an zu schreien, denn es war Caroline.
„Du kleines Miststück hattest vorhin noch einmal
Glück gehabt, aber nun verabschiedet sich dein Glück.“
Caroline drückte Fiona gewaltsam auf den kalten Boden und beugte sich zu ihr. „Soll
ich dir ein kleines Geheimnis verraten? Du wirst nicht die einzige
Krankenschwester sein, die das zeitliche segnet.“
Angsterfüllt hielt die am Boden liegende Fiona die Luft an, sie hörte ihren
erhöhten Pulsschlag und glaubte nicht mehr an die Rettung durch Tyler.
In der nächsten Sekunde hörte sie ein derartig lautes Knacken, der nicht weit
von ihrem Ohr entfernt war. Es hörte sich an, als hätte jemand mit der bloßen
Hand ein Holzbrett in zwei Hälften geteilt. Doch es war kein Holzbrett, sondern
ihr Genick, das Schwester Caroline gebrochen hatte und ihr Leben im Treppenhaus
auf den kalten Boden beendete. Mit leicht geöffneten Mund, einem starren Blick,
lag Fiona auf den Boden, die Hände vor Angst verkrampft, die Füße ebenfalls
angewinkelt und ein Meter von ihr Weg, das Telefon. Als wäre es das normalste
auf der Welt, ein Mensch zu töten und danach seelenruhig die Leiche dort liegen
zu lassen, verschwand Caroline aus dem Treppenhaus.
Sie wusste jedoch nicht, dass Schwester Paula, die im selben Wohnhaus wie Fiona lebte, das ganze beobachtet hatte. Hätte Paula nicht die Wäsche zur späten Stunde im Kellergeschoss gewaschen und sie nicht die Treppe anstatt den Aufzug benutzt, wäre sie jetzt nicht eine Zeugin eines Mordes gewesen. Während Caroline mit Fiona beschäftigt war, musste Paula ihren Mund fest geschlossen halten, um nicht vor Angst laut aufschreien zu müssen. Womöglich hätte Caroline sie dann auch kaltblütig getötet. Doch nun war sie sich sicher, dass Caroline nicht mehr zurück in das Treppenhaus ging und so konnte sie unter den Treppen hervor schleichen um zur reglosen Fiona zugelangen. Sie kniete sich zu ihr hin und tastete am Hals den Puls ab – Nichts, kein einziger Herzschlag. Hastig griff sie nach dem Telefon und wählte die Nummern 911…
Tyler kam in die Wyckoff Street an und entdeckte den Krankenwagen und zwei
Polizistenwägen. Als zwei Rettungshelfer einen Leichensack in den Krankenwagen
trugen, wusste er, dass er zu spät kam. Er hielt es für richtig, nicht
auszusteigen um nicht unnötig befragt zu werden, wieso er gerade hier war. Fast
zu hundert Prozent glaubte er, dass Fiona im Leichensack war und so beschloss er
weiter zu fahren um nicht unter Verdacht zu kommen, Kontakt mit der ermordeten
gehabt zu haben…
.: Kingsboro Psychiatric Zentrum :.
Mit einem gewaltigen Tempo flogen die zwei Phönixe durch die Lüfte, immer dem von Themis vorgelegten Strahl der Prophezeiung oder auch das Licht der Gerechtigkeit genannt, hinterher der im Kingsboro Psychiatric Zentrum sein Zielort erreichte.
Keiner der Menschen konnte die göttlichen Geschöpfe sehen, da sie nur für Übernatürliche bestimmt waren. Und so war es, dass sie in die Psychiatrie unbemerkt eindringen konnten und den Raum von Carson Dearing, nun Melampus aufsuchten. Melampus und Herophile spürten die göttlichen Geschöpfe und bereiteten sich auf die Ankunft der Phönixe vor. Als sie letztendlich im Zimmer ankamen, leuchtete der Raum hell auf und blendeten die Anwesenden. Zumindest, diejenigen, die noch wach waren. Da Violet noch nie einen Phönix gesehen hatte, war sie überwältigt von den historischen Flügeltieren und konnte nur mit offenem Mund die magische Atmosphäre auf sich wirken lassen. „Wir antworten dem Gott mit „eî“ (Du bist), indem wir ihm die Designation übertragen, die wahr ist und in sich keine Lüge birgt und zu ihm allein gehört und zu keinem anderen, nämlich die des Seins“, ertönte es aus Melampus und Herophile, die selben Worte, die auch die drei anderen Götter gesprochen hatten.
Unmittelbar danach fingen die Phönixe an zu brennen. Der Blaue in einer blauen Flamme, der andere in einem rot-orangenem Feuer. Nachdem nur noch die Asche der beiden Geschöpfe übrig blieb, liefen die beiden Propheten direkt auf diese zu. Als hätte die Asche gelebt, löste sie sich vom Boden ab und verteilte sich im ganzen Raum und schwebte umher. Eine Minute lang, so lange war die Asche noch zusehen, waren die Anwesenden von ihr Umgeben, bis sie sich in einem hellen Licht auflösten und eine starke Präsens hinterließ, die nicht zu sehen aber zu spüren war. Die neue Weissagungsstätte war somit erschaffen – Das Kingsboro Psychiatric Zetrum war also bestimmt, der neue Ort für das Orakel von Brooklyn zu sein…
*** der nächste Tag ***
Tyler kam völlig erschöpft in die Wohnung zurück, mit dem Wissen, dass er Fiona
nicht helfen konnte und Ava, Dwight und Violet nicht gefunden hatte. Langsam
trottete er mit hängendem Kopf den Flur entlang und bog in das Wohnzimmer ab. Er
hatte wirklich die ganze Nacht über erfolglos nach seiner Frau und den Kindern
gesucht – Er war fix und fertig, nicht nur weil er so müde war.
„Dad, da bist du ja“,
begrüßte Dwight seinen Vater verschlafen und richtete sich langsam von der Couch
auf, worauf er bis gerade eben noch geschlafen hatte und bekam ein zögerliches
Hallo zurück. Tyler lief auf Dwight zu und hörte im selben Moment wie
jemand den Schlüssel in den Türschloss steckte. Erwartungsvoll lief er wieder
einige Schritte zurück, in der Hoffnung diejenigen anzutreffen, nach denen er
die ganze Nacht gesucht hatte. „Schneller,
schneller“, rief Ava hektisch, während sie die
Beine unruhig hin und her bewegte. Danach huschte sie sofort in das Gäste-WC und
knallte die Tür zu. „Wo wart ihr?“,
fragte Tyler aufgeregt und erleichtert zugleich und ging auf Violet zu, die
Klein-Dwight im Arm hatte. Überglücklich schloss der junge Vater seinen kleinen
Sohn in die Arme und gab ihm mehrere Wangenküsse auf einmal.
Bei
dem Anblick musste Violet schmunzeln, denn es war zu süß, wie er seinen kleinen
Sohn begrüßt hatte. „Also, wollt ihr mir nun
mitteilen wo ihr wart?
Ich war krank vor Sorge. Weißt du, dass ich die ganze
Nacht nach euch gesucht habe und schon das Schlimmste befürchtet habe?“
Mit einem schiefen Lächeln fragte sie ihren Vater, ob er denn nicht die kleine
Notiz am Kühlschrank durchgelesen hatte.
„Da hängt ein Zettel in der Küche?“
Mit einer hohen Stimmlage drehte er seinen Kopf zur Küche. Waren sie gestern so
beschäftigt gewesen, eine Theorie aufzustellen, welcher Dämon sie womöglich
entführt haben konnte, dass sie gar nicht in der Küche waren? Normalerweise lief
Tyler immer in die Küche um ein Getränk oder etwas zum Essen aus dem Kühlschrank
zu holen. Anscheinend nicht, denn sonst hätte er nicht so erstaunt aus der
Wäsche geschaut. Tyler lief mit dem Kleinen im Arm in die Küche, was auch Violet
tat. Violet riss die kleine Notiz aus seiner Hand und hielt es direkt vor Tylers
Nase, wodurch er erfuhr, wo die drei gestern waren. - Wir sind im Kingsboro
Psychiatric Zentrum, weil wir dort vor Dämonen geschützt sind.
„Das Kingsboro Psychiatric Zentrum? Wie kommt ihr denn dort hin?“ Tyler konnte sich nicht zusammenreimen, weshalb sie gerade diesen Ort ausgesucht hatten. „Lange Geschichte“, fing Violet an und stützte sich mit den Handballen auf den Küchentisch ab. Mittlerweile war auch Dwight in die Küche gekommen und strahlte vor Erleichterung über beide Ohren.
Ava schloss hinter sich das Gäste-WC zu und hörte das schellen des Telefons. Als sie abnahm hatte sie am anderen Ende der Leitung ihre beste Freundin Hope am Apparat, die aufgeregt in den Hörer sprach. Dies zeigte sich immer, wenn Hope ununterbrochen redete, ohne dabei Luft zu Holen und kein Punkt und Komma kannte. Nachdem die beiden einige Minuten über Avas Mutterglück gesprochen hatten, fragte sie Ava, ob sie mit Tyler sprechen könnte. Mit dem Telefon in der Hand lief sie in die Küche, wo ihre kleine Familie sich versammelt hatte. Sie drückte Tyler das Telefon in die Hand, gab ihn einen Begrüßungskuss und wies ihm daraufhin, dass Hope am Telefon war.
„Hallo Tyler. Ich habe heute einen neuen Fall bekommen und vertrete Caroline Warren. Sie soll anscheinend ihre Arbeitskollegin Fiona Daunston getötet haben, was aber nicht stimmt. Leider komme ich nicht voran und bräuchte deine Hilfe.“ Tyler wartete kurz mit seiner Antwort, da er sein Gähnen unterdrücken musste – Er war immer noch Hundemüde und wollte sich eigentlich gleich schlafen legen. „Das kann ich machen. Wenn ich später in der Kanzlei bin, können wir uns gemeinsam dem Fall widmen.“
.: NYPD :.
Trevor
öffnete die Gittertür und schlug mit der Faust mehrmals gegen die Metallstäbe. „Aufwachen!
Sie werden nun den Schlafplatz wechseln.“ Völlig
verschlafen öffnete Caroline ihre braunen Augen und realisierte noch gar nicht
so wirklich, dass der Polizist zu ihr gesprochen hatte. Hinter ihm stand Carmen,
völlig bedrückt und in ihren Gedanken verfallen, da sie Mitleid für Caroline
empfand aber jedoch nichts für sie machen konnte. „Sie
werden jetzt ins Fellowship Gefängnis gebracht und bleiben vielleicht bis zur
Anhörung dort.“ In Handschellen wurde sie durch
eine Hintertür des Gebäudes in den Streifenwagen gebracht. Als Carmen und Trevor
einstiegen, drehten sie sich kurz zur Angeklagten. „Im
Gefängnis wartet schon der Staatsanwalt Terrence Capwell auf sie und wird ihnen
einige Fragen stellen.“ Traurig senkte Caroline
ihren Kopf und kämpfte mit den Tränen, die sich in ihren Augen gesammelt hatten.
Das alles musste ein schlechter Scherz sein, denn die ganzen Anschuldigungen
gegen ihre Person waren doch völlig unberechtigt. Es muss ein Missverständnis
vorliegen, ganz bestimmt. Immer und immer wieder redete sie sich ein, dass alles
gut werde, und dachte nicht im Traum daran, dass eher das Gegenteil eintreten
würde.
Auf der Fahrt sah Carmen durch den Seitenspiegel zu Caroline, die immer noch
ihren Kopf gesenkt hatte und bitterliche Tränen weinte. Sie schluchzte so
verzweifelt und atmete immer wieder schwer. „Die
Arme“, flüsterte Trevor leise, sodass die
Krankenschwester es nicht mitbekam, „Aber wir
können nichts machen. Die Beweise sind zu eindeutig.“
Carmen nickte kurz. „Leider, die Beweise sprechen
gegen sie und ich weiß echt nicht, wie Hope sie freisprechen will.“
Trevor dachte an seinen ehemaligen Arbeitskollegen, Ethan Bridgeman, der in
einer ähnlichen Situation war und ihn damals auch niemand helfen konnte. Er
befürchtete, dass auch Caroline Warren hilflos mit ansehen musste, wie ihr Leben
den Bach hinunter ging. „Darf ich Sie was fragen.“
Caroline suchte durch den Rückspiegel Augenkontakt zu Carmen. „Wie
ist es im Gefängnis? Ist es darin wirklich so schlimm, wie es erzählt wird?“
Kurze Stille. Trevor und Carmen drehten sich zueinander und zogen eine ernste
Miene. „Ich schätze mal, dass es nicht vergleichbar
mit einem gemütlichen Schlafzimmer sein wird.“
Trevor verschwieg ihr, dass es im Gefängnis kalt und düster war und dass er in
seinem Leben nie dort enden möchte. Wenn jemand die Kaution zahlen würde, bliebe
ihr das Fellowship Gefängnis bis zur Hauptverhandlung erspart, aber zuallererst
musste der Richter die Höhe der Kaution bei der Anhörung preisgeben, die schon
für heute Nachmittag eingetragen wurde.
„Ich habe
Angst“, teilte sie den Polizisten mit. Während
Carmen verstohlen aus dem Fenster schaute, sah Trevor Caroline durch den
Rückspiegel direkt in die Augen und er konnte sehen, dass ihr Gesicht völlig
aufgequollen war, weil sie ununterbrochen weinen musste. Carmen nahm das alles
völlig mit und sie musste nach einer Zeit selbst mit den Tränen kämpfen.
Caroline wirkte so zerbrechlich, wie eine dünne Eisschicht am See, die bei
leichter Berührung einbrechen würde. Die Angst in den Augen glich dem
verzweifelten Ruf nach Hilfe, den ihr jedoch niemand der Anwesenden geben
konnte…