17.3. Aufgetaucht
- Der Nächste Tag –
.: Brooklyn College Campus :.
Tyler
fuhr nach der Arbeit zum Brooklyner Campus, um seiner Vision nachzugehen. Rachel
und Riley freuten sich über den Besuch, weil sie seit der Geburt vom kleinen
Dwight den Anwalt nicht mehr gesehen hatten. Überaus zuvorkommend, stellte
Rachel dem Anwalt ein Glas Cola auf den Tisch, woraus er trinken sollte, wenn er
Durst verspürte. Tyler nahm auch gleich einen großen Schluck, weil er durch die
Fahrt etwas Flüssigkeit brauchte. Nachdem sich Rachel über Ava erkundigt hatte,
fing Tyler gleich mit seinem Anliegen an. Da seit dem mysteriösen Fall mit
Carmen die beiden über die Dämonen und Götter Bescheid wussten, war es demnach
keine große Überraschung, als Tyler ihnen mitteilte, dass David Ashford
wahrscheinlich zum Werwolf mutieren würde, falls Moiris ihn tatsächlich bei
einem Zusammentreffen verletzt hatte.
„Auffällig war David in letzter Zeit nicht. Normal halt, er ist genauso
aufgeweckt wie immer und hat hier und da einen witzigen Spruch drauf“, äußerte
sich Riley zum Studenten.
„Ich habe mir überlegt heute Abend wiederzukommen.
Ich würde dann David im Auge behalten und dafür sorgen, dass er keinen Ärger
macht. Außerdem muss ich darauf achten, dass Riley nicht von David gekidnapped wird, falls er derjenige ist, der für Rileys Verschwinden in meiner
Vision verantwortlich war.“ Beide nickten zustimmend zu, wobei Riley noch
hinzufügte, dass er eigentlich auf ihn selbst aufpassen könnte. „Wenn er
wirklich ein Werwolf ist, besitzt er mit Sicherheit unmenschliche Kräfte, die du
vielleicht nicht standhalten kannst. Wir wollen dich ja nur beschützen.“ Auf die
Aussage von Tyler hin, legte Rachel ihre Hand auf die von Riley um zu
signalisieren, wie wichtig ihr es war, dass ihrem Freund nichts zustoßen würde.
In Tylers Gesicht trat ein kleines Schmunzeln zum Vorschein, da er sich an alte
Zeiten mit ihm und Ava zurückerinnerte. Demnach machte sich Ava auch immer mehr
Sorgen um Tyler, als er es selbst tat. „Wollen wir
vielleicht einen kurzen Rundgang durch den Campus machen? Vielleicht gehen wir
ja zufällig an David Ashfords Zimmer vorbei.“
.: Crime Scene Unit (CSU) :.
Carmen
und Trevor wurden in das Gebäude der CSU gebeten, da die Forensikerin Abby
Schumaker wichtige Informationen für die beiden Polizisten hatte. Als Carmen und
Trevor in das Labor traten, lief Abby ihnen auch schon entgegen und meinte, dass
sie ihr folgen sollten. „Ich habe die
Speichelproben, die man am Körper der beiden Opfer gefunden hatte, geprüft und
bin auf etwas Interessantes gestoßen. Haltet euch jetzt fest, denn es wird
verrückt.“ Die Polizisten wirkten angespannt und
tauschten ernste Blicke aus.
„Die DNA der Speichelprobe führte uns zunächst zu Alex Burks, der durch unseren verstorbenen Kollegen Ethan Bridgeman getötet wurde. Ich war skeptisch, denn wie kann ein Toter wieder zum Leben erwecken und dann wie ein Zombie Menschen töten? Also habe ich weitergesucht und bin seine komplette Familie durchgegangen. Der Vater und die Mutter hatten zu wenige Übereinstimmungen, und da ich aus dem Verzeichnis einen weiteren Burksmitglied gefunden habe, der seit 15 Jahren vermisst wird, konzentrierte ich mich nun auf Andreas Burks. Die Polizei in Arizona hatte damals mehrere Suchtruppen los geschickt, um nach den verschwundenen Andreas zu suchen. Jedoch ohne Erfolg. Da ein Verdacht auf Burks vorliegt, habe ich einen Durchsuchungsbefehl beantragt und den auch bekommen. Ich würde vorschlagen, dass ihr sofort mit Tony Fishburne zu Andreas‘ Eltern fährt und sie über all das informiert. Wenn ich nämlich keine eindeutige DNA von Andreas Burks bekomme, kann ich euch auch nicht zu 100% sagen, ob Andreas unser gesuchter Täter ist.“
Trevor fing an zu schnaufen, weil er wusste, was die Eltern alles wegen ihren Söhnen durchmachen mussten. Er hätte am liebsten abgelehnt, aber konnte es nicht, da Abby bereits einen Verdächtigten hatte und dies nachgehen wollte. „Na gut. Gib Tony die Meldung durch, dass wir uns vor dem Wohnblock der Burks treffen.“
.: Bei den Moiren :.
Die vier Göttinnen stöberten die alten Tagebücher durch, um den bestimmten Zauberspruch und der Tinktur gegen Moiris einsetzen zu können. Das einzige Mal, wofür sie diesen Spruch verwendet hatten, lag Jahrhunderte in der Vergangenheit und so war sie nicht einfach so aus dem Gedächtnis zu ziehen. Klotho beschäftigte sich mit ihrem Tagebuch und erinnerte sich zurück an die alten Zeiten mit Moiris. Damals war er ein richtiger Gentleman gewesen und hatte ihr immer jeden Wunsch von ihren Lippen lesen können. "Hast du was gefunden?", fragte Atropos und unterbrach Klothos Erinnerungen. "Nein noch nicht." Atropos stemmte mit zusammengepressten Lippen beide Arme gegen ihre Hüfte und gab einen langen Seufzer von sich. "Lachesis und Hekate lesen gerade ihre Tagebücher durch und haben schon ein dutzend Taschentücher benutzen müssen." "Es sind eben Erinnerungen, die einen rühren oder traurig machen - Das mache ich auch." Ohne weiter auf ihre Äußerung einzugehen, verschwand Atropos wieder in ihr Zimmer um weiter zu suchen.
.: 5. Jahrhundert vor Christus :.
Nach mehreren gescheiterten Versuchen, Moiris wieder auf die dunkle Seite
zubringen, hegten die restlichen von den ultimativen Sieben einen Plan aus, der
von Alucard, der Vampirsbaronin, durchgeführt werden musste. Ein Jahr war schon
fast vergangen und das ungleiche Ehepaar hatte ihre Probezeit fast bestanden,
als in der entscheidenden Nacht, Alucard im Schlafzimmer von Klotho und Moiris
auftauchte. Sie riss ihn aus dem Schlaf und entführte ihn. Da alles ohne
jegliche Geräusche geschah, bemerkte Klotho sein Verschwinden erst später, als
sie sich im Schlaf bewegte und den freien Platz in ihrem Bett wahrnahm.
Verwundert stand sie auf und suchte nach ihrem Mann. Als sie ihn nicht auffinden
konnte, informierte sie aufgeregt ihre Schwestern, Lachesis und Atropos, die ihr
dabei helfen sollten, ihren Ehemann zu suchen.
Sie vermuteten gleich, dass die Dämonen dahintersteckten, und holten sich noch
zusätzlich die Unterstützung von Hekate, die Moiris ausfindig machen sollte.
Klotho hatte die ganze Zeit über ein unwohles Gefühl im Magen, der immer
schlimmer wurde, als sie sich Moiris näherte. Der Weg führte in den Wald und als
sie hinter einem großen Baum standen, sahen sie Moiris an einem Baumstamm
festgebunden. Vor ihm stand Alucard, die etwas in der Hand hielt, das größer war
als ihre Handfläche. Es war dunkel, aber dennoch konnten sie erkennen, dass es
ein menschliches Körperteil war. Flüssigkeit tropfte von ihrer Hand auf den
Boden, dass dunkelrot und wie Blut aussah. War das etwa ein menschliches Herz?
Klotho bekam Panik, da sie wusste, dass der Werwolf in Moiris aktiviert wurde,
sobald er menschliches Blut roch, der wie eine Droge auf ihn wirkte…
.: Bei Familie Burks :.
Maria
und Peter Burks saßen unruhig im Wohnzimmer, während um sie herum mehrere
Spurenermittler die Zimmer durchsuchten. Es machte sie wahnsinnig, dass sie
einfach so still da sitzen mussten und die Fragen, die Detective Brand und
Detective Johns stellten, beantworten sollten. Immer wieder schielte Maria in
das ehemalige Zimmer von ihrem Sohn Andreas, welches seit seinem Verschwinden
vor 15 Jahren kaum verändert wurde. Sie und ihr Mann hatten nie die Hoffnung
aufgegeben, dass er wieder gefunden wird, auch wenn die Polizei damals wegen
erfolgloser Suche, den Fall abgeschlossen hatte.
Als sie dann nichtsahnend, Besuch von Tony Fishburne und seinen Helfern von
Tatortermittlung und zusätzlich noch zwei NYPD-Kräfte, bekommen hatten, dachten
sie anfangs, dass sie gekommen waren, um eine gute Nachricht zu überbringen -
Doch da täuschten sie sich gewaltig. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, als
Mister Fishburne ihnen mitteilte, dass Andreas womöglich der Mörder mehrerer
Personen war. Somit könnte er zwar am Leben sein, doch falls es sich
herausstellte, dass er der Täter war, hätten die Eltern ihn trotzdem nicht bei
sich zu Hause. Peter sah verzweifelt und unendlich traurig aus. Weshalb hatten
sie so ein Leben verdient? Sie waren ganz normale Bürger, die selbst nie negativ
auffällig wurden, aber mit ihren beiden Söhnen, mussten sie schon so oft durch
die Hölle gehen. Erst der Vorwurf, dass Alexander, ihr jüngerer Sohn, ein
Kinderschänder sein sollte und wie es sich später nach seinem Tod herausstellte,
nicht so war. Den Beweis sahen sie Tag für Tag, denn als der Vater von Lisa
Cuwen angezeigt wurde und hinter Gittern kam, ihre Mutter das Sorgerecht
entzogen bekommen hatte, kämpfte das Ehepaar Burks um die Adoption von der
kleinen Lisa Cuwen - sicherlich im Interesse von Alex, der sie aus dem
Horrorhaus ihrer Eltern befreit hatte - Und nun das. Ihr ältester Sohn Andreas,
der vorzeige Junge, soll nach 15 Jahren wieder aufgetaucht und ein Mörder sein?
Wollte die Polizei sie veräppeln?
Aus
dem hintersten Zimmer hüpfte ein kleines Mädchen mit ihren zwei Zöpfen, einem
weißen Kleid und einem Blatt Papier in der Hand in das Wohnzimmer. Sie wunderte
sich, wieso so viele fremde Menschen in der Wohnung waren und schaute, als sie
vor ihren Ersatz-Eltern stand, die beiden Polizisten glubschäugig an, die das
Gespräch sofort unterbanden und sie mit einem Lächeln begrüßten. „Mummy, schau
mal ich verstehe die Mathematikaufgaben nicht. Könntest du mir bitte helfen?“
Maria sah die zwei Polizisten fragend an und wartete auf den Zuspruch, ob sie
Lisa helfen durfte. Als die beiden ihr zunickten, stand sie auf und versuchte so
gut wie es ging, nichts anmerken zu lassen, auch wenn sie innerlich völlig
aufgewühlt war. „Komm mein Schatz, ich erkläre dir
im Zimmer, wie man auf die Lösungen kommt.“ Sie
verschwanden im Zimmer, woraufhin die Polizisten mit ihrem Gespräch fortfuhren.
„Und sie sind sich wirklich sicher, dass Andreas ein Tatverdächtiger ist? Kommen
Sie, dass hört sich doch völlig verrückt an.“ Trevor veränderte seine
Sitzhaltung und stützte sich mit seiner Handballen auf seinen Knien ab. „Die DNA
sieht das anders. Bis jetzt sind 7 von 10 Übereinstimmungen, die ihr
verstorbener Sohn aufweist. Es ist nur naheliegend, dass wir alle Burksmitglieder durchgehen müssen.“
Tony Fishburne und seine Männer liefen wieder aus dem Zimmer von Andreas und
schienen fertig zu sein. Er gab Carmen und Trevor ein Zeichen, dass sie
DNA-Spuren sicherstellen konnten. „Also Mister Burks, wir wären soweit fertig.
Sollten sie etwas von Andreas hören, rufen Sie uns bitte an und verschweigen das
nicht der Polizei.“ Peter holte tief Luft und
stimmte danach zu. „Ja… auch wenn ich das immer
noch nicht glauben kann.“ Auch für die beiden
Polizisten war es nicht einfach, was sie jedoch nicht wörtlich zum Ausdruck
brachten. Stattdessen legte Carmen ihm mitfühlend die Hand auf seine Schulter und
wollte damit zeigen, dass sie sich für die Umstände entschuldigte.
.: Bei den Carrendoors :.
Tyler
kehrte nach dem Besuch im Campus zurück in seine Wohnung. Er wollte einen Happen
Essen und seine Familie sehen, ehe er wieder zurück zu Rachel und Riley auf den
Campus musste, um sie vor David Ashford, der wahrscheinlich zum Werwolf
mutierte, zu beschützen. Tyler lief ins Wohnzimmer, worin sich Dwight, Ava und
dem Baby im Arm aufhielten. „Hallo zusammen.“ Tyler gab Ava einen liebevollen
Kuss und streichelte die Wange des Kleinen. „Na du, hast du dein Daddy
vermisst?“ Der Kleine öffnete sein Mund und strampelte kurz mit seinen kleinen
Beinen. Es machte den Anschein, als würde er sich freuen, sein Vater
wiederzusehen. „Oh, da freut sich aber jemand“, sagte Ava mit einem Kichern und
reichte Klein-Dwight ihrem Mann weiter. Er hielt ihn so, dass der Kopf des
kleinen über seine Schulter blicken konnte und er ihn mit seiner freien Hand
gleichzeitig streicheln konnte. Ein intensiver Duft drang in die Nase von Tyler
und ließ ihn kurz zusammenzucken – Hola, dass roch aber streng. „Sind
seine Windeln etwa voll? Herrje das riecht aber gewaltig nach…“
„Da kommst du ja genau richtig“,
unterbrach ihn kichernd seine Frau.
„Willst du mal die Windeln wechseln?“ Tyler warf seiner Frau einen Blick zu, der ihr sagte, dass er auf Hilfe angewiesen war - Schließlich hatte er das noch nie getan. „Komm wir machen es gemeinsam.“ Erleichtert, nicht die außergewöhnliche und neue Aufgabe alleine angehen zu müssen, lief er mit Ava und seinem Sohn im Arm aus dem Zimmer. Dwight hörte noch, wie Ava anfing, die grundlegenden Hangriffe für das Windelwechseln zu erklären, doch dann klappte die Tür zu und es herrschte für wenige Sekunden eine Stille, die er seit er mit der Arbeit in der Tankstelle selten erlebt hatte. Er ließ sich auf das Sofa fallen und schloss seine Augen. Wenn man bedenkt, dass er fast sieben Stunden hinter dem Tresen stehen musste, war es nur verständlich, dass er seinen Füßen auch mal entlasten wollte. Noch in der Entspannungsphase ging aus heiterem Himmel der Fernseher an und riss Dwight wieder aus seiner angefangenen Ruhe. Er starrte direkt auf den Fernseher und bekam mit, wie Andreas Burks als Mörder von Tiffany und Samantha Morgan angepriesen wurde. "Das ist ja interessant", murmelte Dwight und beschloss zu den Moiren zu beamen, um herauszufinden, ob nach Wochen langer Suche, der Werwolf endlich einer Person zugeordnet werden konnte. Er musste gezwungenermaßen Schmunzeln, denn wenn es tatsächlich der Fall sein sollte, waren die Polizisten - die Normalen - den Moiren einen Schritt voraus.
"So, das war's", freute sich Tyler nachdem er die Aufgabe des Windelwechselns
geschafft hatte. Der kleine sah ihn mit offenen Mund an und hätte er sprechen
können, so würde er seinem Vater sicherlich danken und loben wollen. Er nahm den
kleinen wieder in den Arm und legte sich kurz in das Bett. "Musst du denn nicht
gleich zum Campus fahren, nicht dass du einschläfst." Ava kletterte ebenfalls
auf das Bett und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Beide sahen ihren kleinen
Sohn an, der auf Tylers Oberkörper lag und mit seinen winzigen Händen, das
Gesicht von Tyler abtastete. "Ich werde schon nicht einschlafen. Ich brauche nur
eine kleine Verschnaufpause." Ava streichelte zärtlich den Arm ihres Mannes und
ließ sich ebenfalls von der Verschnaufpause überzeugen. Seit Klein-Dwight auf
der Welt war, war ihr Tagesablauf doch ziemlich eingespannt und dennoch war es
nicht zu vergleichen mit ihrer Krankenschwestertätigkeit. Es war einerseits
anstrengend, weil alles für sie neu war, doch andererseits - und das überragte -
war es ein unbeschreiblich schönes Gefühl, Mutter zu sein. Sie und Tyler haben
es nun in der Hand, dass ihr kleiner Sohn Zuneigung und Liebe bekommt; Sie sind
dafür verantwortlich, dass es ihm gut ging und er somit zu einem anständigen
Sohn heranwächst. Alles Gute, was Ava und Tyler von ihren Eltern gelernt hatten,
wollten sie ihrem Sohn weitergeben.
Obwohl Tyler nicht einschlafen wollte, merkte er, dass er erschöpft war. Er
versuchte seine Augen noch krampfhaft geöffnet zu halten, doch als er das leise
Atmen seines Sohnes und seiner Frau hörte, war es für ihn wie eine Melodie eines
Schlafliedes und so schloss er seine Augen zu. Die Kleinfamilie lag schlafend da
- auch wenn um sie herum die Unruhe nur so brodelte - herrschte hinter der
verschlossenen Schlafzimmertür, eine friedliche Idylle - Oder auch nicht.
.: NYPD Präsidium :.
„Die
Ergebnisse sind da“, teilte Trevor seinen Kollegen mit. „Der Mörder von Samantha
und Tiffany ist definitiv Andreas Burks. Er ist also nicht tot, sondern läuft
noch draußen frei herum. Unsere Mitarbeiterin hat ein Phantombild erstellt, dass
seinem aktuellen Alter entspricht. Wir werden dieses Bild nun allen Sendern und
Zeitungen in New York zukommen lassen, außerdem werden wir Suchtruppen bilden,
die nach dem Täter fanden werden.“ Carmen wirkte währenddessen völlig weggedrehten, weil sie sich sorgen machte, mit Tyler und den Anderen in die
Quere zu kommen. Auch Trevor wusste das, doch er konnte diesen Fall nicht
manipulieren – Zumindest nicht offiziell. Nach dem Gespräch mit seinen
Arbeitskollegen, wandte er sich zu Carmen. „Teilst du Tyler mit, dass wir ein
Bild von Andreas Burks haben. Falls er nämlich der Werwolf ist, wäre es mir
lieb, wenn nicht einer unserer Männer ihn findet und womöglich zerfleischt wird.
Tyler und die Anderen haben da größere Chancen gegen ihn anzukommen."
Jeff, der ebenfalls auf die Suche geschickt wurde, kam auf Trevor und Carmen zu und unterbrach das Gespräch: „Wollt ihr nicht mit?“ „Doch, geht schon einmal vor. Ich werde, wie bereits erwähnt, erst noch das Phantombild an die Medien schicken.“ Einvernehmlich drehte sich Jeff um, und verließ mit den anderen das Präsidium. „Hoffentlich passiert ihnen nichts“, sagte Carmen und sah sich das Phantombild des Täters genauer an. Sie mochte die Phantombilder nicht, weil sie zwar Personen darstellen sollten, die jedoch durch die Zeichnung immer emotionslos und kalt wirkten. Ein kalter Schauer lief über ihren Rücken hinunter, weshalb sie ihre Augen vom Bild ließ und schnell an etwas anderes dachte.
.: Bei den Moiren :.
Endlich fand Hekate die Stelle im Tagebuch, worin die Moiren den Bannspruch
gegen den mächtigsten Werwolf eingesetzt hatten. Voller Zuversicht endlich ein
Licht im Dunkeln Tunnel erblickt zu haben, wollte sie die nötigen Besorgungen
machen, doch dann fiel ihr beim Verlassen ihres Zimmers auf, dass Dwight
mittlerweile dazu gestoßen war. „Habt ihr den Fernseher in der letzten
Viertelstunde eingeschaltet? Überall in den Nachrichten, zeigen Sie das
Phantombild von Alexander Burks, der Mörder von den Morgans, unser gesuchter
Werwolf.“ Dwight griff nach der Fernbedienung und wollte seine Aussage
bestätigen. Tatsächlich. „Somit kann Isaac ihn Aufspüren.“
„Und ich habe auch mittlerweile den Bannspruch. Mir fehlt nur noch das Elixier.
Am besten bereite ich gleich zwei Elixiere. Eins für Moiris und eins für David“,
teilte Hekate den Anwesenden mit. „Worauf wartest du?“, fragte Lachesis die
Göttin mit einem eindringlichen Blick. „Ich bin ja schon fast weg.“ Hekate
verdrehte ihre Augen und löste sich in einem grellen Licht auf. Auch Atropos
verschwand aus dem Zimmer, weil sie Isaac einen Besuch abstatten wollte.
„Kehre wieder zurück in die Wohnung. Tyler soll auf Hekate warten und erst mit
dem Elixier zum Campus fahren.“ Lachesis klang
nicht mehr so frustriert wie vor einem Tag. Sie hatte endlich das Gefühl, dass
sie voran kommen und vielleicht sogar den Dämonen einen Schritt voraus waren.
Denn mit Tylers Vision, Isaacs Ortungsfähigkeit zusammen mit dem Elixier, waren
sie doch bestens informiert. „Hoffentlich hat Isaac
Erfolg, denn ich habe langsam die Nase voll von der Suche nach der Nadel im
Heuhaufen.“
.: In Ian Porters Wohnung :.
Er
war leicht nervös, da er gleich das Abendessen mit Hope hatte. Immer wenn er
aufgeregt war, bekam er schreckliche Schweißausbrüche, die für ihn sehr
unangenehm war, und er sich deshalb ablenken musste um die Nervosität in Griff
zu bekommen. Deshalb saß er schon seit einer halben Stunde auf seinem Bett und
hatte den Fernseher eingeschaltet um auf andere Gedanken zu kommen. Er schaltete
auf CBS und bekam noch die letzten Meldungen der Abendnachrichten mit. Neben der
Nachrichtensprecherin war ein Phantombild eingeblendet, worauf ein Mann
abgebildet war. „Der seit 15 Jahren vermisste Andreas Burks, scheint wohl wieder
unter
uns zu sein. Doch anstatt seine Eltern aufzusuchen, die jahrelang mit der
Ungewissheit leben mussten, ob ihr Sohn am Leben war oder nicht, macht er lieber
ein Bogen in die Albany Avenue und ermordet nach seiner Rückkehr zwei
unschuldige. Die Polizei fahndet nun nach Andreas Burks und bittet die Bürger
ein Auge auf verdächtige Personen zu werfen, die eine Ähnlichkeit mit dem
eingeblendeten Phantombild aufweisen. Ich schalte nun zu Claire Nolan, die live
vor dem NYPD Präsidium steht und ein kurzes Statement vom zuständigen Detective
bekommen möchte." „Danke Patricia. Ich bin Claire Nolan und stehe nun neben
Detective Brand von der New Yorker Police Department. Sagen Sie uns, wie stehen
die Chancen, dass sie den eiskalten Mörder hinter Gitter bringen können?"–
"Wir
sind zuversichtlich, dass wir Andreas Burks überführen können und wir sind für
jeden Hinweis dankbar.“…
Ian schaltete den Fernseher aus, weil er nun wirklich losfahren musste. Schließlich wollte er ja nicht zu spät kommen. Er verließ seine Wohnung und hatte während der Fahrt immer wieder das Bild von Andreas Burks Phantombild im Kopf. Es nistete sich fest in seinen Kopf ein, und obwohl er das Bild vergessen wollte, gelang es ihm nicht. Zumindest während der ganzen Fahrt nicht.
.: Bei den Carrendoors :.
Dwight klopfte mittelstark gegen die Tür und riss Tyler aus seinem Traum. „Dad,
Hekate ist hier und hat dir das Elixier für David dabei.“ Tyler warf einen
überprüfenden Blick auf sein Wecker und realisierte, dass es an der Zeit war,
aufzubrechen. Hatte er denn solange geschlafen? Er hatte nicht mal mitbekommen,
dass Ava den kleinen Dwight in das Bett gebracht hatte und aus dem Zimmer
gegangen war. Die Uhr zeigte 9 pm und um 10 wollte er beim Campus sein. Er
kletterte aus dem Bett. „Ich komme gleich. Gebt mir
eine Minute.“ Danach verschwand Tyler im Bad.
Geduldig warteten Hekate und Dwight im Wohnzimmer, bis Tyler fast exakt nach einer Minute aus dem Bad kam. Da die Göttin ihre Schwestern nicht solange alleine lassen wollte, drückte sie ihm das Elixier in die Hand: „Wenn David zum Werwolf mutiert musst du ihn verwunden und danach das Elixier verabreichen. Das ist ganz wichtig, dass dieses Gemisch durch eine offene Wunde in seinen Körper eindringt. Wir suchen in der Zwischenzeit nach Andreas Burks, weil er Moiris ist.“ Einvernehmlich steckte er das Elixier in die rechte Hosentasche. „Jetzt nachdem ihr das sagt, klingt das logisch. Ich erinnere mich, wie Alex Burks (13. Episode) gemeint hat, dass er auf seinen Rücksitz seinen Bruder gesehen hat. Sicherlich war es auch Andreas, der seinen eigenen Bruder zum Werwolf verwandelt hat. Jetzt ergibt alles einen Sinn.“ Hekate verließ die Wohnung mit einem Blick, der Tyler sagte, dass er hätte früher auf diesen Gedanken kommen können. Sie wären vielleicht vor den Polizisten auf Andreas gestoßen und hätten nun nicht das Problem, dass die NYPD ihnen in die Quere kommen könnten.
„Ich komme mit“, verlautete Dwight als Tyler im Flur nach seiner Jacke griff.
„Nein, das geht nicht. Wer passt ansonsten auf deine Mutter und dem Baby auf“,
widersprach Tyler. Ava, die zufällig aus der Küche in den Flur lief bekam das
mit und wollte klarstellen, dass sie im Ernstfall sich zu wehren wüsste. „Ihr
macht ja so, als würde ich mich nicht verteidigen können.“
Mittlerweile leuchtete es auch Dwight ein, dass sein Vater recht behielt. Einer
musste zu Hause bleiben. „Es sind Dämonen, Mum. Also bleibe ich wie Dad gesagt
hat, bei dir zu Hause.“…
Fortsetzung: 17.4. Schlag auf Schlag