17 | Forbidden

Was bisher geschah: Eine Wand. Verdammt eine Wand. Tyler sah die Wand kommen und links und rechts nur Zimmertüren. Kein Fluchtweg, kein weg der ihn aus der brenzlichen Lage retten konnte. Er drehte sich um und sah, wie Moiris immer näher kam. „Bitte, bitte verfehle diesmal nicht“, flehte er seinen Revolver an und zielte auf die Brust des Angreifers. Es war schwer, denn er blieb ja nicht stehen. Schuss. Hat er getroffen? Andreas verzog kurz seine Augen. Die Kugel hatte ihn nur gestreift, was ihn jedoch relativ kalt ließ. „Moiris bleib stehen!“, befahl Klotho, die ihn mittlerweile fast eingeholt hatte.
 

17.5. Herzlos

Der Werwolf drehte sich um und sah direkt in den festentschlossenen Gesichtsausdruck der Schicksalsgöttin, der ihm sagte, dass sie ihn aus dieser Welt vertreiben wollte. „Was ist bloß aus dir geworden? Du warst früher so liebenswert und hattest das Ungeheuer in dir unter Kontrolle gehabt. Du warst einer der wenigen Dämonen, die die Menschen respektiert und sogar gemocht haben. Kannst du dich gar nicht mehr daran erinnern? Kannst du dich gar nicht mehr an unsere gemeinsame Zeit erinnern?“ Klothos fester Blick wurde weicher, weil sie über seine Veränderung so verletzt war. Langsam füllte sich ihre gläsernen Augen mit Tränen. „Hast du denn vergessen, dass wir beide uns geliebt haben?“ Moiris wirkte für eine Sekunde lang etwas verunsichert, was Tyler ausnutzte, um ihm eine Silberkugel in den Rücken zu schießen. Wutentbrannt drehte sich der Werwolf um und wollte zum Schützen rasen, als auf einmal zwei Studenten die Tür aufrissen, weil sie durch den lauten Schuss aus ihrem Schlaf geweckt wurden.

Seid doch mal ruhig“, schimpfte der verschlafene Student mit seinen langen und zotteligen braunen Haaren. Er kam dem Werwolf gerade recht und so bohrte er ohne jegliche Vorwarnung seinen Arm durch die Brust des Studenten. Wie angewurzelt standen alle auf dem Gang stehen und hatten ihre Augen auf Andreas und den erstarrten Studenten gerichtet. Unmengen von Blut tropfte auf den Boden, der sich zu einer immer größer werdenden Blutlache bildete. „Wärst du nur in deinem Zimmer geblieben, da hättest du vielleicht ein längeres Leben führen können.“ Moiris zog seinen Arm wieder aus dem Körper des Studenten und hatte das blutende Herz in seiner Hand. Gierig verschlang er das Herz in nur wenigen Sekunden und warf danach einen finsteren Blick zu Tyler, der wie angewurzelt da stand und vor Entsetzen seinen Mund weit aufgerissen hatte.

 

Trevor und Carmen eilten zu den Hekate und Lachesis, die um die bewusstlose Atropos herum knieten. „Das wird schon wieder“, meinte Hekate und heilte die Wunde an der Stirn. Gerade als Atropos wieder aufwachte, hörten sie alle einen Schuss, der von der ersten Etage aus kam. Das laute Brüllen von Moiris und kurz daraufhin eine unbekannte männliche Stimme. „Seid doch mal ruhig.
Alle im Erdgeschoss hörten aufmerksam zu und versuchten kein Laut von sich zugeben, weil sie mitbekommen wollten, was oben gerade passierte. Ein schmerzhafter Schrei, der der unbekannten Stimme zugeordnet werden konnte, ließ Carmen vor Angst zusammen zucken.
Was passiert dort oben gerade?“, fragte sie leise und wurde mit einem pst unterbrochen.
Was hast du getan?“, schrie eine weibliche Stimme, die ebenfalls den Göttinnen und den Polizisten nicht bekannt vor kamen.
Verdammt!“ Diese Stimme konnten sie allerdings Tyler zuordnen.

Das hört sich nicht gut an“, flüsterte Trevor und bewegte sich langsam zur Treppe vor. Er wollte die Treppe betreten, als Violet bei den Göttinnen erschien und ihnen dazu drängte von hier zu verschwinden. „Ihr müsst hier weg. Sofort!“ „Aber wieso?“, wollte Lachesis wissen. „Erzähle ich euch, wenn wir von hier weg sind“, versicherte Violet Atropos und zog sie schon bei der Hand. „Zu spät.“ Violet riss entsetzt ihre Augen auf und starrte direkt in den dunklen Rauch, der vor ihnen erschien und immer größer wurde. Hinter dem Rauch lichtete sich ein fremder Mann, der die Göttinnen finster anlächelte. „Und nun habe ich euch doch. Zwar nicht wie geplant um Mitternacht, aber wie sagt man so schön. Lieber spät als nie.
Seine Augen verdunkelten sich, bis das weiße nicht mehr zusehen war. Alles geschah so schnell, dass die Göttinnen nicht reagierten konnten. Und so erkannten sie den Unbekannten erst, als es zu spät war. Sie fielen wie ein Sack Zement zu Boden. Besorgt kniete sich Carmen zu den umgefallenen Göttinnen, während Trevor den Mann zur Rede stellen wollte. Doch als er ihn packen wollte, löste sich der Unbekannte wieder in einem dunklen Rauch auf. „
Ihre Körpertemperaturen sind eiskalt“, schrie Carmen mit aufgeregter Stimme und sah in die verärgerten Augen von Violet, weil ihre jüngste Vision eingetreten war und sie diese nicht verhindern konnte.

 

Die Studentin, die nicht glauben konnte, was sie gerade mit eigenen Augen sehen musste, bekam Panik. Sie wollte wissen, wie der Mann nur mit seiner bloßen Hand ein Herz herausreißen konnte und wurde jedoch selbst zum nächsten Ziel. Er überwältigte die Studentin und zerrte sie in ihr Zimmer. Tyler und Klotho rannten ihm hinterher und wollten ein weiteres Unglück verhindern. „Lass sie los“, befahl Klotho den Werwolf. „Das bringt nichts. Man kann mit einem Monster nicht reden“, erkannte Tyler. „Bei ihm hilft nur die bloße Gewalt.“ Er zielte direkt auf den Kopf von Andreas und wollte abdrücken, allerdings reagierte der Werwolf ziemlich clever und stellte sich so hin, dass Tyler nur die wehrlose Studentin treffen konnte. „Was machst du nun? Bohrst du nun dem armen Mädchen die Kugel durch den Kopf?“ Klotho und Tyler sahen sich etwas hilflos an und wussten, dass sie in dieser Situation nichts anderes machen konnten, als auf den Werwolf zu hören. „Schmeiß den Revolver weg.
Tyler hatte die Waffe noch in seine Richtung gehalten und legte diese jedoch wie verlangt auf den Boden. Er wollte das Leben der Studentin nicht riskieren. „
So ist es brav“, sagte der Werwolf und bewegte sich rückwärts. „Bitte… bitte töten Sie mich nicht… Ich… Ich habe nichts getan… Ich bin doch unschuldig“, bat die Studenten mit schlotternden Zähnen und zittrigen Händen. Er bewegte sich Richtung Fenster und wollte aus dem Fenster fliehen. „Du kommst mit mir mit.“ Mit voller Gewalt zog Andreas die Studentin an sich, nahm Anlauf und durchbrach die geschlossenen Fenster. „NEIN“, brüllte Tyler verzweifelt und stürmte zum Fenster . Als er hinabsah, musste er feststellen, dass der Werwolf die Studentin als Schutz vor dem Aufprall des harten Bodens genommen hatte und dadurch unversehrt blieb. „Verdammt.
 


Nur noch Carmen und Trevor waren im Erdgeschoss (Violet hatte die bewusstlosen Göttinnen in ihre Wohnung gebracht), als aus heiterem Himmel zwei Personen in einem rasanten Tempo vor ihren Augen hinter der Eingangstür hinunterstürzten. Beide sprinteten sofort aus dem Campus um zu sehen, welche Personen gestürzt waren. Zu ihrem Entsetzen hatte sich Andreas Burks vor dem reglosen Körper des Mädchens gebeugt. Der freie Fall hatte ihre Armgelenke, sowie die Fußgelenke in einem unmöglichen Radius verdreht. Doch nicht nur die Gelenke waren vom Sturz betroffen, sondern auch die Wirbelsäule und weitere Knochen. Obwohl niemand so einen tot verdient hatte, konnte sie froh sein, dass sie zuerst auf den Kopf gelandet war und dadurch sofort starb. Ansonsten hätte sie erst miterleben müssen, wie nach und nach all ihre Knochen brachen, ehe sie von ihrer Qual erlöst wurde.
Der Werwolf blieb jedoch verschont und fiel nun über sie her. Die ganzen Gedärme und Innereien quollen nur so aus dem offenen Brustkorb des Mädchens, die er wahrscheinlich selbst mit seinen Krallen aufgerissen und herausgezogen hatte. Doch ihn interessierte nur das Herz. Carmen fing verstört an zu schreien und dachte an Samantha und Tiffany die genau wie das Mädchen aussahen. Die brutale Art, wie Andreas Burks die Menschen tötete war einfach nur grausam. Das gehörte Verboten, doch bei den Dämonen gab es solche Gesetze nicht. Bei ihnen gab es fast keine Regeln, zumindest war Carmen keine bekannt. Trevor zögerte nicht, und schoss den Werwolf noch während er aus der Tür rannte an. Dieser bäumte sich vor Schreck auf und drehte sich zu den beiden Polizisten. „
Ihr schon wieder.

Eigentlich hätten Carmen und Trevor zu ihm geschaut, doch sie blickten stattdessen zu Klotho und Tyler, die sich zusammen hinunter gebeamt hatten. Klotho wollte das Elixier einsetzen, aber war zu langsam. Moiris stürmte auf sie zu und schlug ihr das Elixier aus der Hand. Tyler versuchte das Fläschchen vor dem Aufprall noch zu bewahren was ihm jedoch nicht wirklich gelang. Die Flasche landete zunächst auf seiner Handfläche und rollte danach auf den harten Boden, wodurch das kleine Fläschchen zerbrach. Moiris lag mit dem Köprer auf Klotho und sah sie an. Sie war voller Emotionen, die mit Wut, Angst und Trauer vermischt waren. „Ich habe von alldem nichts vergessen, aber du siehst ja, dass das Ungeheuer stärker ist als ich“, flüsterte er ihr zu und hörte hinter ihm zwei Schüsse, die ihn erneut im Rückenbereich trafen. Tyler und Trevor hatten auf ihn geschossen, während Carmen versuchte Klotho in der Sekunde der Unachtsamkeit des Werwolfes zu retten. Sie zog die verwirrte Göttin zu sich und fragte, ob mit ihr alles in Ordnung war. „Ich weiß es nicht“, faselte Klotho kleinlaut und blickte zu ihrem ehemaligen Geliebten, der sich aufmachte, dass Weite zu suchen.

.: Vor Ian Porters Haus :.
-2984 Bedford Avenue-

Hope hatte ihr Handy bei Ian vergessen und musste deshalb noch einmal zu Ian fahren. Zu ihrem Glück war Ian noch nicht schlafen gegangen und so konnte sie mit dem Handy in der Tasche, beruhigt losfahren. Sie fuhr ein Stück der Straße entlang, als sie merkte, wie ein Mann humpelnd auf der anderen Straßenseite vorbeirannte. Verwundert blickte Hope ihm hinterher und entdeckte auf seinen Rücken mehrere Einschusslöcher, woraus Blut floss. Sie fuhr rechts ran und kurbelte das Fenster herunter. „Kann ich ihnen helfen? Mister… Sie sind verletzt… Soll ich den Notarzt anrufen?“ Der Mann drehte sich zwar zu ihr um, reagierte jedoch nicht auf ihre Fragen. Stattdessen rannte er verstört die Straße hinunter und gab Hope den Eindruck, zu Stolz auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

.: Brooklyner Campus :.

Keine Chance er war zu schnell“, schnaufte Trevor, als er wieder zu den anderen trappte. „Ich muss zu meinen Schwestern“, ließ Klotho den anderen wissen, weil sie von Violet wissen wollte, was sie genau in ihrer Vision gesehen hatte. Anhand der Informationen von Carmen und Trevor konnte sie nicht feststellen, wer die anderen Göttinnen aufgesucht hatte. „Na gut. Soll ich dich mitnehmen, Tyler?“ „Nein ich bin mit dem Auto hier. Außerdem möchte ich noch im Krankenhaus vorbeischauen, weil Riley dort liegt. Hoffentlich geht es ihm gut.“ Klotho löste sich auf und dann verabschiedete sich Tyler von den beiden Polizisten. Als Trevor vor der Leiche stand, stellte er sich zuerst die Frage, wie er seinen Kollegen erklären konnte, dass es im Campus zwei Opfer gab. Als er auf keine vernünftige Erklärung kam, fragte er seine Kollegin. „Hast du eine Idee? Wir haben doch Jeff gesagt, dass uns Andreas Burks entwischt ist.“ Carmen zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Frag mich etwas Leichteres. Gib mir ein bisschen Zeit zum Überlegen.“ Doch dann merkte Trevor, dass ihnen nicht mehr viel Zeit zum Überlegen blieb, denn ein Streifenwagen der NYPD traf auf dem Campus ein. Richtig bleich um die Nasenspitze wurde Trevor bei dem Anblick und Carmen wurde dagegen richtig unruhig und nervös. Beide drehten sich zur Eingangstür des Studentenwohnheims, weil diese aufgerissen wurde. „Officer, ich bin derjenige, der sie angerufen hat. Kommen sie bitte schnell.“ Etwas verdattert schauten Carmen und Trevor sich an. Hatte David nicht mitbekommen, dass die beiden die ganze Zeit dabei waren? Anscheinend nicht – Gedankt sollten die schlechtbeleuchteten Lichter im Campus sein.

.: Bedford Avenue :.

Kaum war er hinter einem Haus verschwunden, erkannte Hope im Rückspiegel Polizeilichter, die grell in einem blaufarbigen Ton ihre Augen blendeten. Auch die Sirene war zu hören, wobei die des Krankenwagens lauter war. Als die beiden Wägen an ihr vorbeisausten, startete sie den Wagen und fuhr langsam los. Dass Tyler ihr entgegen fuhr, bekam sie gar nicht mit, weil sie zu abgelenkt war, den blauen Lichtern zufolgen.

.: Bei den Moiren :.

Klotho, Gott sei Dank bist du hier. Ich befürchtete schon, dass der Dämon, zumindest vermute ich das er einer war, dich ebenfalls aufgesucht hat.“ Violet stand vom Bett auf, worin Atropos lag und lief zu der einzigen Göttin, die von den vieren noch wach war. „Sind sie…“ „Nein sie sind nicht tot. Sie sind nur in einen sehr tiefen Schlaf gefallen, woraus ich sie nicht wecken kann. Vielleicht hast du ja mehr Glück.“ Klotho lief zu ihrer Schwester, immer noch etwas betroffen von der Begegnung mit Moiris, und umfasste die Hand ihrer Schwester. Die Hand war eiskalt, wie der Rest an ihr. Sie schloss traurig die Augen. „Atropos. Hörst du mich? Atropos?“ Tränen flossen langsam über ihre Wangen. Alles war auf einmal zu viel für sie und so klappte sie auf dem Bett zusammen und weinte bitterliche Tränen. Mitfühlend streichelte Violet ihren Rücken und versuchte sie beruhigen. Doch in diesem Moment konnte ihr niemand helfen. Alles wurde auf einmal zu viel. Erst die Sache mit Moiris, dann das mit ihren Schwestern. Sie stand auf einmal alleine da und sie wusste nicht, ob sie das alles bewältigen konnte…

.: Brooklyner Campus :.

Vor dem Campus suchte Hope eine Parklücke und ließ ihren Wagen dort stehen. Sie stieg aus und mischte sich unter die versammelte Menschenmenge. Ein gelbes Absperrband hinderte die neugierigen Menschen, auf das Geländer des Campuses zu gelangen. Sie entdeckte Carmen, wie sie mit einem aufgeregten Jungen sprach und alles notierte. Trevor, der mit einem Kollegen sprach, sah ebenfalls nicht gerade glücklich aus. Es schien, als würde er über etwas Schimpfen, aber über was genau, dass konnte sie aus dieser Entfernung nicht hören. „Zwei unschuldige Studenten wurden ermordet“, kam es aus dem Mund einer neugierigen Nachbarin. „Weiß man schon wer es war?“ „Nein“, antwortete ein älterer Mann, der seine Augen von den beiden Leichensäcken nicht lassen konnte. „Eine schreckliche Tragödie ist es. Ich vermute, dass Andreas Burks der Täter ist. Schließlich wird er ja landesweit gesucht.“ Hopes Augen wanderten an den Polizisten vorbei und blieben bei der großen Eiche stehen, wo sie zwei Personen sah, die das ganze Spektakel aus nächster Nähe beobachteten. Gerade als ein Tatortermittler auf die Eiche zulief, lösten sie sich auf einmal auf, was Hope rational nicht erklären konnte. Entsetzt blinzelte sie mehrmals hintereinander, (hätte am liebsten noch ihre Augen gerieben) und starrte immer wieder auf die Stelle, wo sie die beiden Personen gesehen hatte. Hatte sie sich das nur eingebildet oder war es wirklich passiert? Mit gemischten Gefühlen verließ sie den Campus und stieg wieder in ihren Wagen. Sie nahm ihr Handy und wählte die Nummer von Ava, zögerte jedoch, weil sie vermutete, das ihre beste Freundin schon schlafen würde. Mit Carmen konnte sie nicht sprechen, weil sie mitten in einem Fall war. Tyler war sicherlich auch schon im Bett und so blieb ihr nur noch eine Person, wohin sie gehen konnte – Ian. Sie startete den Wagen und wendete, als sie losfuhr, erkannte sie im Rückspiegel, dass der Streifenwagen von Trevor und Carmen hinter ihr waren. Das Auto war nicht gerade im besten Zustand, weil die Motorhaube ziemlich tiefe Kratzspuren hatte. „Was um alles in der Welt ist mit dem Auto passiert?“ Sie setzte den Blinker und parkte auf der Straßenseite, in der Ians kleines Haus stand. Was würde er wohl denken, wenn sie nach 10 Minuten wieder vor seiner Haustür stand oder was würde er erst von ihr denken, wenn sie ihm erzählte, dass sie gesehen hatte, wie sich zwei innerhalb weniger Sekunden auflösen konnten…

 

Er hat Ihnen das Leben gerettet, ich bitte Sie deshalb, ihm weiterhin die Möglichkeit zu geben, weitere Menschenleben zuretten.“ Carmen hatte David gezwungenermaßen erklären müssen, dass es Werwölfe tatsächlich gibt und Tyler derjenige war, der solche Kreaturen vor unschuldigen Menschen beschützt. Deshalb sollte er auf ihre Bitte hin, nur das weitergeben, was sie ihm mitgeteilt hatte. „Falls meine Kollegen noch einmal auf Sie zukommen sollten, sagen Sie meinen Kollegen, dass Mister Burks Sie angegriffen hat und Sie ihm entkommen konnten. Danach versteckten Sie sich in der Bibliothek und hatten von alldem nichts mitbekommen.“ Er nickte zustimmend und deshalb ließ sie ihn, nachdem Sie seine Zeugenaussage zu ende geschrieben hatte, wieder gehen. „Laut Davids Aussagen, hat David nicht gesehen, wie er die beiden Studenten getötet hat“, teilte Carmen ihren Mitarbeitern mit, die neben Trevor standen. Jeff sah die beiden etwas misstrauisch an, schwenkte seinen Kopf jedoch zur CSU-Mitarbeiterin, Abby, die erste Diagnosen von der Spurensicherung preisgab. „Beide Studenten haben die selben Merkmale wie bei den Morgans. Unser Gerichtsmediziner muss das nur noch bestätigen.“ Mit einem schlechten Gewissen tauschten sich Trevor und Carmen verstohlene Blicke aus. Sie wussten, dass das ganze ziemlich heikel war und zudem noch, sie alle anlügen zu müssen.

Carmens Handy fing an zu klingeln. Als sie abnahm, war ihr Chef dran - Vielleicht war die Zeit nun gekommen, in der sie für die vielen Lügen grade stehen musste. „Detective Johns kommen sie bitte umgehend in mein Büro. Nehmen Sie Detective Brand ebenfalls mit. Ich möchte eine Berichtserstattung von ihnen haben und eine Erklärung, weshalb Sie die Spur von unserem gesuchten Täter aufgenommen hatten, ohne mir oder irgendeinem anderen Mitarbeiter im Präsidium bescheid zugeben.“ Ihr Chef war in Rage und das ließ er sie auch deutlich spüren. Er hatte so laut in den Hörer geschrien, dass die Personen um Carmen herum das Gespräch mithören konnten. „Ich drücke euch die Daumen. Versucht unseren Big Boss wieder von seiner Palme herunterzubekommen“, witzelte Jeff und versuchte seine Besorgnis um seine beiden Kollegen zu überspielen. „Trevor, komm wir fahren los. Je länger er warten muss, desto schlimmer wird er.“...

.: Epilog :.

Tyler stand tief in seinen Gedanken verloren auf den Balkon, blickte in die Ferne ohne einen genauen Punkt zu haben und ließ den leichten Hauch vom Wind in sein Gesicht wehen. Er versuchte krampfhaft den Tag zu vergessen, aber seine inneren Befürchtungen, sein schlechtes Gewissen und alles, was sein Kopf sonst noch vollstopfte, nagte an ihm, wie ein hartnäckiger Schmutzfleck, der einfach nicht verschwinden wollte. Die Stadt lebte, doch wie lange noch? Würde er die Stadt vor den Dämonen retten können und wer wird ihm bei diesem Kampf beistehen? Was werden seine Kollegen sagen, wenn sie eines Tages mit der Erkenntnis konfrontiert werden, dass sie mitten in einem Schlachtfeld sind, worin sich Gut und Böse beweisen wollten? Er drehte sich zu Dwight, der unruhig auf der Couch schlief. Seine Decke rutschte ihn immer wieder auf den Boden und jedes mal zog er sie wieder zu sich - Routineartig und schon ohne dafür wachwerden zu müssen. Würde Tyler seine Fähigkeiten je einsetzen können, ohne vorher krampfhaft dafür sorgen zu müssen, dass seine Kräfte im richtigen Moment aktiviert werden? Er wusste, dass in ihm noch etwas ist, aber er es bis jetzt noch nicht geschafft hatte, es rauszulassen –doch wann? Wird es noch rechtzeitig passieren?
Ava öffnete die Balkontür und lief zu ihrem Mann. In ihrer Hand hatte sie eine Tasse Kamillentee, den sie für ihren Mann gemacht hatte. „
Hier. Tee ist manchmal besser als Kaffee und beruhigt die Sinne.“ Seine Ehefrau musste ihm nur in die Augen sehen oder manchmal sogar nur eine Geste von ihm erkennen, die ihr gleich sagte, ob es ihm gut ginge oder nicht. Wenn er nachdenken wollte, ging er auf den Balkon, weil er sich dort frei von allen Sorgen fühlte. Zumindest versuchte er seine Gedanken auf den Balkon freizulassen. Meistens wollte er alleine sein, doch diesmal spürte Ava, dass ihr Mann jemand zum Reden brauchte. „Wie geht es Riley“, fragte Ava leise und schmiegte sich eng um ihren Mann. Er legte sein Kinn auf ihren Kopf und atmete tief durch seine Nase. „Er wird schon wieder. Seine Verletzung konnte der Arzt nähen und er darf schon Übermorgen das Krankenhaus verlassen.
Aber dennoch scheinst du nicht glücklich zu sein“, stellte sie fest. „Es sind die Moiren.“ Verdutzt zog Ava ihren Kopf etwas zur Seite und suchte die Augen ihres Mannes. „Die Moiren?

Ja. Sie waren diejenigen, die mir von meinem Schicksal erzählt haben und sie waren es auch, die mir so Vieles beigebracht haben. Nicht nur kämpferisch, sondern auch menschlich. Ich habe durch sie gelernt, über den Tellerrand zu sehen und sie waren es auch, die mich anfangs vor Dämonen beschützt hatten. Und jetzt… Und jetzt stecken Sie in Schwierigkeiten und ich weiß nicht, ob ich ihnen helfen kann. Ich würde es gern, denn das wäre ein Zeichen meiner Dankbarkeit für alles.

Aber das kannst du doch, indem du ein Weg findest, sie aus ihren Schlaf zu wecken“, versuchte Ava ihn aufzubauen.
Und was wenn nicht? Sie würden nie erfahren, wie dankbar ich über ihre Unterstützung bin. Ich habe mich an sie gewöhnt, auch wenn sich das merkwürdig anhören mag.“, gab Tyler zu.
Nein ist es nicht. Schließlich habt ihr seit zwei Jahren ständigen Kontakt. Es ist selbstverständlich, dass es Personen verbindet“, versuchte Ava ihren Mann zu erklären und streichelte ihm dabei sanft den Oberarm. „Ich bin mir sicher, dass sie das wissen und sie es nicht wörtlich aus deinem Mund brauchen. Wenn ich bedenke, wie du sie früher angeschaut oder behandelt hast – Gott bewahre, Tyler, du warst manchmal echt unmöglich – ist es heute ganz anders. Genauso ist es mit Dwight und Violet. Du siehst sie nicht mehr als Fremde, sondern als Teil deiner Familie.
Ich muss dafür sorgen, dass der Dämon Klotho nicht noch bekommt, denn ansonsten stehe ich wirklich alleine da. Es gibt zwar noch die Götterzwillinge und die Propheten, aber ich kenne sie zu wenig um ihnen ganz zu vertrauen. Ich habe lange gebraucht, bis ich die vier Schwestern trauen konnte und das weißt du.

Tyler beugte sich zu Ava und gab ihr einen langen und innigen Kuss. Er war dankbar, dass er sie hatte und sie ihm zuhörte, auch wenn er nie von selbst das Gespräch aufsuchte, sondern sie. Sie konnte seine Gedanken lesen und er ihre. Er wusste auch, dass sie ebenfalls Angst vor dem hatte, was Vorprophezeit wurde, aber er würde durch die Hölle gehen um sie vor alldem zu beschützen. Ava war seine große Liebe und niemand sollte es je wagen, seine große Liebe wegzunehmen…

Ende der Episode.