18.4. Ungewissheit
-12 Stunden zuvor -
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Tyler
wachte erschrocken auf, weil sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte. Als er
auf den Display starrte, stand der Name seiner Frau drauf. „Hallo
Schatz“, gähnte er in den Hörer und merkte, dass er
alleine im Zimmer war. Wo war Melampus? „Endlich
erreiche ich dich. Ist was passiert oder wieso hast du nicht abgenommen?“
Verwundert blickte er auf seine Armbanduhr und war überrascht, wie spät es
geworden war – 03:00 Uhr. Fiel er denn während er eine Vision erzwingen wollte
in einen Schlaf, weil er vom Tag körperlich so ausgelaugt war?
„Mir geht
es gut. Ich bin nur eingenickt. Mach dir keine Sorgen und leg dich jetzt ins
Bett. Ich komme sobald die mich hier gehen lassen.“
Für Ava war die Aussage nicht zufriedenstellend, aber sie wusste, dass die
Götter ihn sonst wieder stark kritisieren würden, weshalb sie zustimmte und sich
langsam ins Bett kuschelte, wieder einmal ohne ihren Mann, was sie tierisch
aufregte.
Tyler machte sich gerade daran zur Tür zu laufen, als direkt vor ihm Melampus
zusammen mit Herophile erschienen. Sie hatten ein Skalpell in der Hand und eine
kleine Schale, doch was viel merkwürdiger war, waren die Blicke, die zu Tyler
geworfen wurden. „Könnt ihr mir verraten, was das
soll? Was wollt ihr mit dem Skalpell?“ Tyler schien
langsam nervös zu werden und lief einige verunsicherte Schritte zurück. „Das
Orakel will, dass wir dein Blut nehmen“, fing
Melampus an.
„Und wieso? Ich bin kein Freund von Blutspenden und
da lass ich mich doch nicht von euch Blut absaugen.“
„Vertrau uns, heute soll der Tag kommen, an dem du
zur voller Macht gelangst. Es ist Zeit und mit Jonathan kannst du bald dein
Können unter Beweis stellen.“ Für Tyler wirkten die
beiden auf einmal wie zwei Zombies, die nach seinem Blut gierten. „Ihr
seid doch alle samt verrückt, gebt mir das Skalpell…“
.: In Trevor Brands Apartment :.
Schlaflos
wälzte sich Trevor von links nach rechts in seinem 1,80 m großem Ehebett, dass
aus einfachem schwarzen Lack bestand und auf komplizierte Konstruktionen
verzichtete. Trevor mochte es schlicht, wobei seine Frau diese Eigenschaft
manchmal zur Weißglut brachte, weil er bei Möbelanschaffungen oder Dekorationen
immer sie entscheiden ließ und keine wirkliche Meinung hatte. Immer wenn er sich
wendete musste er darauf Acht geben, dass er seine Frau nicht dabei aufweckte.
Leise richtete er sich auf, und verließ das Schlafzimmer um in der Küche ein
Schluck aus der Johnny Walker Whisky zu genehmigen. Vielleicht würde der Alkohol
seinen vollgestopften Kopf klarspülen.
Bevor er und seine Frau zu Bett gegangen waren, hatten die beiden eine heftige
Diskussion, weil sie von seiner Kündigung über die Medien erfahren hatte. Die
Kündigung war zwar schlimm, doch viel schlimmer fand sie jedoch, dass er sie
angelogen hatte und so tat, als würde er mit Carmen an einem Fall arbeiten. Nun
war das Misstrauen, seiner Arbeitskollegin gegenüber noch größer. Sie vermutete
schon seit geraumer Zeit, dass Trevor sich in Carmen verguckt hatte und er
deshalb so viel Zeit mit ihr verbrachte. Als sie ihn dies Vorwarf, konnte er
nicht glauben, was sie ihm an den Kopf warf. Wollte sie wirklich die fünf Jahre
Ehe in Frage stellen? Er gab ihr zu verstehen, dass sie keine Angst haben sollte
und verstrickte sich dabei jedoch immer und immer wieder.
Er nahm einen kräftigen Schluck von der Whiskyflasche und lehnte sich in
Gedanken versunken gegen den Kühlschrank. Seine Frau war nicht die einzige, die
der Meinung ist, dass zwischen Carmen und ihm was lief. Seine Arbeitskollegen
und sein bester Freund denken das selbe. War vielleicht doch ein Stück Wahrheit
dran? „Komm schon, dich selbst anlügen brauchst du
nicht“, flüsterte er und lief danach zügig, aber
dennoch ohne einen Laut von sich zu geben, ins Wohnzimmer, griff nach dem
Telefon und schloss die Tür hinter sich zu. Er wählte die Nummer von Terrence.
Es läutete eine Weile, bis endlich eine verschlafene Stimme am anderen Ende zu
hören. „Terrence Capwell?“
„Terry, ich bin’s, Trevor“,
säuselte er und musste dabei leicht grinsen, weil Terrence den Spitznamen Terry
gar nicht leiden konnte. „Was um alles in der Welt,
bewegt dich, mich um halb 4 Uhr morgens anzurufen? Normale Menschen schlafen um
diese Uhrzeit.“
„Egal, könnte ich vielleicht vorläufig bei dir
einziehen?“, kam es aus Trevor. Mit einem Male war
Terrence hell wach und richtete sich im Bett auf: „Wie
bitte? Was ist passiert? Hast du dich mit Dora gezofft?“
„Ja. Ich brauch Abstand, weil ich mir klar werden
muss, ob ich die Ehe weiterführen kann.“
„Wieso das? Ich mein, ich bin von uns zwei
derjenige, der keine aufrechte Beziehung führen kann, aber doch nicht du…“,
dann ging dem Staatsanwalt ein Licht an, „Ist es
wegen Carmen? Empfindest du doch was für Carmen? Aber du weißt, dass sie noch an
Ethan hängt. Wegen ihr würde ich die Ehe nicht aufs Spiel setzen.“
„Jetzt hör auf Memoiren zu erzählen und sag einfach
ja oder nein. Ich würde dann morgen packen. Aufgeben will ich meine Ehe nicht.
Vielleicht muss alles nochmal aufgefrischt werden."
Es war selbstverständlich für Terrence, dass er seinem besten Freund eine
vorrübergehende Bleibe bei ihm zustimmte. „Da es
nun geklärt ist, lässt du mich weiterschlafen, oder? Ich müsste nämlich in drei
Stunden wieder aufstehen und möchte meinen Klienten nicht unbedingt mit
schwarzen Augenrändern empfangen.“ Trevor dankte
dem Staatsanwalt und legte dann auf. Die Johhny Walker Flasche war immer noch in
seiner linken Hand und deshalb führte er diese in seinen Mund und nahm diesmal
einen größeren Schluck. „Ich hoffe nur, dass ich
das richtige mache…“
-9 Stunden zuvor -
.: In der Penthouse-Wohnung der Carrendoors :.
Tyler kam endlich nach Hause und musste
sich auch gleich für die Arbeit fertig machen. Da um sechs Uhr morgens für
gewöhnlich der kleine Dwight für eine kurze Zeit aufstand, wusste er, dass er
zumindest auf Ava treffen würde. Und so war es auch, denn sie stand in der
Küche, in einem Arm der Kleine und in der anderen Hand die Milchflasche, die sie
in dem vorgesehen Kocher aufwärmte. Klein-Dwight bekam immer morgens Hunger, ehe
er wieder für drei Stunden schlief. „Guten Morgen,
mein Schatz, hast du gut geschlafen?“, begrüßte
Tyler seine Frau und gab ihr und danach dem kleinen einen liebevollen Kuss. „Das
selbe könnte ich dich fragen, wenn du überhaupt vernünftig geschlafen hast.
Willst du mal Dwight nehmen? Ich muss noch neue Milch aus dem Schrank holen.“
Zustimmend streckte er seine Arme nach dem Kleinen aus. „Na
Kleiner hast du etwa wieder Hunger?“ Der kleine
fing an zu lächeln und strampelte leicht mit den Füßen. Da Tyler ihn erneut zum
Lachen bringen wollte, zog er komische Grimassen, doch das wider rum schüchterte
den kleinen etwas ein, weshalb er nur seine Augenbrauen kritisch verzog. „Aber
das Kitzeln magst du, nicht wahr?“ Tyler kraulte
ihm am Bauch und sorgte dafür, dass der kleine Anfing lauter zu Kichern. Ava
schüttelte nur amüsiert mit dem Kopf und dachte, wie lieb Tyler sich um Dwight
kümmerte. „Ich kann ihm auch die Flasche geben,
wenn du zu erschöpft bist. Ich hab noch ein bisschen Zeit, weil ich ja früher
wach bin, als normal.“ Einvernehmlich reichte Ava
ihm die Flasche, nachdem sie nach der richtigen Wärme kontrolliert hat und
folgte den beiden in das Schlafzimmer. „Im übrigen
sind wir alle ein bisschen weitergekommen mit der Suche nach den Moiren. Aber
das soll dir nachher Carmen erzählen.“ Ava
kuschelte sich im Bett ganz eng an ihren Mann, den sie in letzter Zeit so selten
sah und für sich hatte. „Ich habe eine Vision
erhalten und konnte erkennen, dass ihr die Moiren rettet. Da warst du, Carmen,
Hypnos, sein Sohn Phobeter und… merkwürdigerweise auch Hope.“
„Hope?“, hakte Ava
verblüfft nach.
„Ja. Ich habe herausgefunden, dass die Moiren in
einem Verlies auf einen mir nicht bekannten Friedhof gefangen sind.“
„Ja klar, sie sind ja in einer Traumwelt gefangen.
Ich werde Carmen und den anderen bei der Suche helfen. Gleich um halb 10 fahre
ich mit Klein-Dwight zum Antiquitätenladen um nach einem Herzmedaillon zu
suchen, das ursprünglich für Carmen vorgesehen war“,
berichtete Ava und richtete sich im Bett auf, weil Tyler sie mit hochgezogener
Augenbraue ansah. „Bitte was? Anscheinend habe ich
während meiner Abwesenheit einiges verpasst. Ich glaube, du sollst mir alles
erzählen…“
.: NYPD Präsidium :.
Carmen
war bereits um 07:00 Uhr im Präsidium und ging an Trevors ehemaligen
Arbeitsplatz mit einem mulmigen Gefühl vorbei. Das Büro wirkte so fremd, genauso
wie die neue Mitarbeiterin. Ihr war klar, dass sie zusammen mit Officer
Abigail Claridge die nächsten Fälle behandeln würde, ob sie jedoch jemals
eine enge Bindung wie bei Trevor aufbauen könnte, mochte sie zu diesem Zeitpunkt
gar nicht vorstellen. Zum Glück hatte die neue Mitarbeiterin Spätschicht und so
würde Carmen erst später mit ihr reden müssen. Vielleicht hatte sie sich bis
dahin vom ersten Schock erholt, weil sie nun endgültig realisierte, dass Trevor
nicht mehr da ist – zumindest auf der Arbeit.
Es war ruhig. Ab und zu einige Anrufe und Nachforschungsaufträge, aber die
ernsteren Fälle waren an diesem Morgen nicht dabei. Natürlich hätte es an einem
Wochenende anders ausgehen, weil dort die meisten Bürger bis morgens Früh
ausgingen und es hier und da zu kriminellen Handlungen führte. Darum war die
Besetzung am Wochenende meist größer, als unter der Woche, es sei denn, jemand
hatte Urlaub.
Sie hörte die Eingangstür aufschlagen
und daraufhin, eine bekannte Stimme, die nach ihr verlangte. Sie schielte aus
dem Büro und entdeckte Quinn Candis, die das Krankenhaus verlassen und
wahrscheinlich auf dem direkten Wege das Präsidium der NYPD aufgesucht hatte.
Carmen öffnete eine Akte und tippte etwas Sinnloses auf die Tastatur. Sie wollte
nicht den Anschein machen, als hätte sie Quinn Candis schon von weitem gehört.
Zaghaft klopfte die vermeintliche Mutter mit einer Hand gegen die Tür. In der
anderen Hand hatte sie eine Tasse Kaffee von Starbucks und eine Tüte mit süßem
Gebäck. „Hallo Carmen, darf ich hereinkommen? Ich
habe dir Kaffee und Muffins mitgebracht, weil ich nicht wusste ob du schon
gefrühstückt hast.“
Carmen schüttelte den Kopf und sah direkt in die schuldbewussten Augen ihrer
Mutter. Dabei überkam ihr ein merkwürdiges Gefühl, was sie nicht wirklich
beschreiben konnte. War es Wut oder Hass, Trauer oder Freude? Eine Mischung aus
allem? „Ich habe schon gefrühstückt, trotzdem
vielen Dank“, antwortete Carmen und wies Quinn auf
den freien Stuhl am Bürotisch. Quinn schloss die Tür und setzte sich ihr
gegenüber. Das liebgemeinte Frühstück, stellte sie auf die Seite. „Du
hast nicht wirklich geschlafen, oder? Du hast dunkle Augenränder und deine Haut
ist ziemlich blass geworden. Willst du wirklich nichts frühstücken?“
„Wie bereits erwähnt, ich habe zu Hause
gefrühstückt.“ Der Ton war energischer und brachte
Carmens inneres Gefühlswesen zum Vorschein. „Na
gut. Du willst eine Erklärung für das Ganze? Die Wahrheit?“
Quinn wartete auf eine Reaktion ihrer Tochter, die sie in jungen Jahren zur
Adoption freigegeben hatte und fuhr fort, als sie ein leichtes Kopfnicken von
Carmen bekam. „Ich wollte dich nicht verletzen,
Carmen. Ich wollte dich nur beschützen. Als du gerade mal ein Jahr alt warst,
tauchte Efgenia auf und meinte, dass ich dich nicht bei mir behalten durfte,
weil ich dich sonst in Gefahr bringen würde. Außerdem sollte ich deine Herkunft
verschleiern und deine übernatürliche Fähigkeiten drosseln. Sie gab mir das
Herzmedaillon und zeigte mir in ihrem geschriebenen Buch, wie ich das alles in
die Tat umsetzen konnte. Sie sagte mir auch, dass ich eine zweite Tochter haben
werde und sie wiederum nicht zur Adoption freigeben durfte, weil sie umsorgt
werden musste.“
Kritisch presste Carmen die Lippen zusammen, ihre Lippen sind schon völlig
trocken gewesen, weil sie bis jetzt nur zugehört und kein Ton gesprochen hatte.
In ihrem Gesicht war ein großes –Wieso- abzulesen und diese Frage würde in den
nächsten Minuten beantwortet werden.
„Wenn man
mehrere Kinder zur Welt bringt, haben sie verschiedene Charakter, Fähigkeiten
oder Vorlieben um nur einige Unterschiede aufzuzählen. Bei dir war ich mir
sicher, dass du meistens die richtigen Entscheidungen treffen würdest, das
spürte ich schon damals, auch wenn du noch so klein warst. Du würdest dich nicht
blenden lassen und entscheidest nur, wenn dein Bauchgefühl und dein Herz das
mitmachen würden. Lieber überlegst du zweimal ehe du was machst. Melody hätte es
dagegen schwerer und so riet mir Efgenia, sie aufzuziehen um sie vor Gefahren zu
beschützen. Sie war empfänglicher für das Böse und dachte häufig nicht an die
Folgen ihres Handelns, was andererseits ihr Leben in vielen Situationen
unbeschwerter machte und vielleicht auch aufregender. Ich dachte, ich hätte sie
unter Kontrolle, doch als dann die Anklage wegen Mordes kam, wusste ich, dass
ich nicht alles richtig gemacht habe. Ich hätte das Buch noch besser vor ihr
verstecken sollen.
Wer konnte ahnen, dass sie in meinen Kisten, die ich wirklich gut versteckt
hatte, Schnüffeln würde? doch wer einmal Kontakt mit diesem Buch hatte, bleibt
solange an dem Buch gebunden, bis es eine andere Blutsverwandte in die Finger
bekommt. Nach diesem Signal hätte ich noch besser auf sie achten müssen, doch
das Böse hatte bereits ein Auge auf sie geworfen und wollte sie für sich
gewinnen. Obwohl die Angebote verlockend für Melody waren, lehnte sie immer
wieder ab, was untypisch für meine Kleine war, weil sie in mancher Hinsicht,
nicht die Finger lassen konnte. Anscheinend hatte sie nach der Erfahrung mit der
Hexe gelernt und war vorsichtiger. Doch die Einsicht hätte viel früher kommen
müssen. Wieso hatte sie mich nicht eingeweiht?“…
.: Jack Lewis Kanzlei :.
Tyler lief den gewohnten langen Gang
des Flurs seiner Anwaltskanzlei entlang. Vorher hatte er kurz mit der Sekretärin
am Empfang, Torrie Niggels, über einen Anruf seines früheren Klienten
gesprochen, weil er einige Fragen hatte. Im Zimmer angekommen, stellte er seinen
Aktenkoffer unter seinem Bürotisch und startete den PC und schaltete den Monitor
an. Während der Rechner hochlief, schlenderte er wieder aus dem Zimmer um in der
Küche eine Tasse Kaffee zu machen. Unterwegs traf er noch auf seinen Chef,
Mister Bosworth, der ihn freundlich grüßte: „Guten
Morgen Mister Carrendoor, gut dass ich sie gleich antreffe. Hier sind zwei neue
Fälle, eines davon könnten Sie übernehmen. Den anderen geben Sie bitte Jason
McGellegahr.“ Mister Bosworth überreichte Tyler die
Akten und lief zum Empfang, weil er einen Klienten abholen wollte. Da Tyler sich
etwas zurückgezogen hatte, konnte Jason McGellegahr die kniffligeren Fälle
bearbeiten, was bedeutete, dass er höhere Sonderzahlungen bekam. Ihm war es
jedoch egal, da seine Familie und das Übernatürliche derzeit höhere Priorität
hatte. Er betätigte die Vollautomatik Kaffeemaschine, wo gleich auch schon das
zermahlen der Kaffeebohnen zu hören war. Nach ungefähr zehn Sekunden war seine
Tasse voll und er rührte sie noch mit zwei Würfel Zucker und ein bisschen Milch
um. Danach kehrte er wieder in sein Büro zurück, meldete sich am Computer an und
machte sich über die Akten her. In einem Fall ging es um
Adam Reyes mit bipolare
Störungen, weshalb er im Kingsboro Psychatric Zetrum untergebracht wurde. Bei
einer Auseinandersetzung mit einer Krankenpflegerin, stürzte sie die
Treppenhinunter und brach sich dabei das Genick. Die Eltern zeigten ihn darauf
an.
Im anderen Fall ging es um Audrie Cook,
die angezeigt wurde, weil sie angeblich mit Drogen dealt und dadurch eine ihrer
Freundinnen wegen Überdosis gestorben ist.
„Da fällt mir die Wahl nicht schwer. Heute ist dein
Glückstag, Baby.“ Tyler legte die Akte von Adam
Reyes zur Seite und verließ erneut das Zimmer um Jason die andere Akte zu geben.
Als er in das Büro seines Kollegen, der am Anfang des Ganges war, hineintrat,
war Jason gerade am telefonieren, weshalb er die Akte ohne ein Wort zu verlieren
auf seinen Tisch legte und wieder herausging.
Irgendwie freute sich Tyler auf den Fall. Obwohl er klar seine Prioritäten
gesetzt hatte, konnte es nicht schaden, zur Abwechslung seiner normalen Arbeit
nachzugehen. Außerdem war der Fall wie für ihn geschaffen, weil er ohnehin wegen
Jonathan im Kingsboro Psychatric Zentrum sein sollte. Er telefonierte mit dem
zuständigen Arzt von Adam Reyes und vereinbarte mit ihm einen Termin, der auf
9:30 Uhr gesetzt wurde. Somit blieb Tyler genügend Zeit, um sich tiefer mit dem
Fall zu beschäftigen und nebenbei noch die neue Erkenntnis und seine Vision den
Göttern mitzuteilen.
.: M. Gordon’s Schatztruhe :.
(Antiquitätenladen)
Wie
gestern versprochen, war Ava mit dem kleinen Dwight um halb 10 Uhr im
Antiquitätenladen, der sich im Kings Plaza befand. Ava stellte den Kinderwagen
etwas zur Seite, so dass sie niemand stören konnte und nahm Dwight auf ihren Arm
um den Laden zu begutachten. Die Wände wurde in einem warmen Creme-Farbton
gestrichen, die mit dem weißen Holzrahmen der Tür oder der Stützbalken
harmonierte. Mitten im Laden war die Kasse und drum herum standen auf den
Regalen unzählige Gegenstände. Es gab für jedermann etwas, was er verschenken
oder zum dekorieren nehmen konnte, sei es seltene Figuren oder Kronleuchtern,
altertümliche Kleiderstücke die an Schaufensterpuppen überzogen wurden oder
aufwendige rustikale Wanduhren, bis hin zu Porzellanpuppen die Ava immer etwas
Angst einjagten. Ja, sie hatte eine Abneigung gegen Puppen, weshalb sie als
kleines Kind lieber mit Plüschtieren gespielt und die geschenkten Puppen gut
unter ihrem Bett verstaut hatte. Die Ladenbesitzerin war eine etwas korpulentere
mittevierziger Dame, trug ihr langes braunes Haar glatt und machte sofort einen
sympathischen Eindruck durch ihre warmherzigen Gesichtszüge. Immer wenn sie
lächelte, kamen ihre längeren Grübchen zum Vorschein, die sie noch um einiges
netter wirken ließ. Passend zu ihrem äußeren Erscheinsbild trug sie ein Figur
gerechtes pfirsichfarbiges Kleid aus Seide, die je nach Lichtfall schön
schimmerte und dazu noch eine passende weiße halbarm Bluse. Ja, die
Ladenbesitzerin schien für den Laden geschaffen zu sein, was Ava wiederrum für
sich selbst nicht sagen konnte. Ava mochte zwar den Anblick der verschiedenen
Gegenstände, konnte sich aber nicht vorstellen, den ganzen Tag im Laden zu sein
um Antiquitäten zu verkaufen. Außerdem befürchtete sie, dass sie nicht das
geschickte Auge für bestimmte Dinge und deren Besonderheiten hatte.
„Kann ich Ihnen weiterhelfen?“
Die Ladenbesitzerin kam hinter dem Tresen hervor und stellte sich vor Ava, die
noch dabei war den Laden durch zu stöbern. „Verkaufen
Sie hier auch Schmuck? Ich suche nach einer passenden Kette für mein Abendkleid,
dass ich mir neulich gekauft habe. Am liebsten wäre mir ein Herzmedaillon.“
Die Augen der Ladenbesitzerin, Christina, funkelten nach der Frage. „Kommen
Sie mal mit. Vorne an der Kasse habe ich im Tresen die unterschiedlichsten
Schmuckstücke für Frauen und Männer, wobei ich anmerken muss, dass die Auswahl
für Männer eher bescheiden ist. Eine größere Auswahl hätte ich für
Manschettenknöpfe oder Krawattennadeln, wobei ich mir gar nicht mehr sicher bin,
ob es noch Gang und Gebe ist, Krawattennadeln zu tragen. Wissen Sie ob das
heutzutage noch angesagt ist?“ Mit gespitzten
Lippen grübelte Ava nach und ging gedanklich ihre verschiedenen Frauenmagazine
durch. „Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich
denke, dass die meisten Männer zu ihren Krawatten keine Krawattennadeln mehr
tragen.“
Seufzend langte sich Christina anschließend an den Kopf und schüttelte den Kopf.
„Ohje. Da haben wir es wieder. Ich werde langsam
alt und weiß gar nicht mehr was im 21. Jahrhundert angesagt ist. Christina,
Christina, ich sehe schon meine zukünftige Gehhilfe vor Augen.“
Ava kicherte amüsiert und schielte verlegen auf ihren Sohn, der auf ihren Arm
eingeschlafen war. „Ich rede mal wieder dumm daher.
Entschuldigen Sie, junge Miss, ich habe leider die schlechte Angewohnheit viel
zu Quasseln und irgendwann mal vom Thema abzukommen. Das passiert ganz
automatisch.“ Wieder kam aus Avas Mund ein
schüchternes Lachen und bevor Christina ihr ein Kompliment über ihr Lächeln
geben konnte, hörten sie das Läuten der Türglocke. Beide drehten sich zu Tür und
erkannten eine junge blonde Dame in einem schwarzen Nadelstreifenanzug. Unter
ihrem Rock trug sie noch eine hautfarbige Nylonstrumpfhose, die auf dem ersten
Blick nicht zu sehen war. „Hope, das ist ja ein
Zufall, dass ich dich hier antreffe“, freute sich
Ava und lief zu Hope. Nach einer liebevollen Küsschenbegrüßung, teilte Hope ihr
mit, dass sie ein Geschenk für Ian kaufen wollte, da er demnächst Geburtstag
hatte. „Und du, was suchst du hier?“
„Sie sucht eine Halskette mit einem Herzmedaillon“,
mischte sich Christina ein und lächelte den beiden Freundinnen zu. „Ich
glaube, ich habe Ihnen was Passendes ausgesucht.“
Christina nahm die Halskette aus der Schatulle und überreichte sie Ava, die Hope
darum bat, Dwight kurz zu nehmen. Ava musste sich was einfallen lassen, da sie
ja nach dem bestimmten Herzmedaillon suchte, die vor Jahren bereits verkauft
wurde. „Die Kette ist wirklich wunderschön, aber
die passt leider nicht zu hundert Prozent zu meinem Kleid.“
Ava kramte in ihrer Tasche nach dem Kassenbon. „Um
ehrlich zu sein, suche ich eine ganz bestimmte Kette, die meines Wissens leider
schon vor Jahren verkauft wurde. Ein Bekannter von mir, hatte sie mal vor Jahren
hier gekauft.“
„Oh, dieser Kassenbeleg ist ziemlich alt, aber
jetzt dämmert es bei mir langsam. Es gab früher mal eine Kette, die ich verkauft
habe, die jedoch immer wieder zurückgegeben wurde, weil die Käufer meinten, dass
sie seit dem Kauf vom Pech verfolgt wurden. Könnte ich sie vielleicht anrufen,
wenn ich was genaueres weiß?“ Ava war einverstanden
und hinterließ ihre Handynummer. Danach plauderte sie wieder mit Hope und suchte
nebenbei mit ihr das passende Geburtstagsgeschenk für Ian.
.: 5 Stunden zuvor :.
Ava
ließ sich von Hope überreden um mit ihr durch die Boutiquen zu schlendern und
einige neue Sommerkleider zu kaufen. Shopping – Ohja, sowas hatte Ava lange
nicht mehr getan und da sie durch hartem Training wieder eine schlanke Figur
hatte, ihr Bauch wieder etwas straffer geworden war, konnte Ava sich nach langer
Zeit wieder in Kleider wagen, die keine Schwangerschaftsmoden waren.
„Ava probier das mal an“,
flehte Hope und wedelte mit einem hellgrünen Sommerkleid herum, der für sie
bestimmt war – Zumindest, wenn es nach ihrer besten Freundin gehen würde. „Nein,
da passe ich doch niemals rein. Ich bekomm danach nur Depressionen“,
äußerte sich Ava zu der gutgemeinten Geste und stemmte protestierend die Hände
auf die Hüften. Doch mit dieser Aussage wollte Hope sich nicht zufrieden geben.
Sie packte Ava und zerrte sie in die Umkleidekabine.
„Glaub mir, das Kleid wird dir wie angegossen
passen und Tyler wird die Spucke wegbleiben, wenn er dich im grünen Seidenkleid
sieht.“ Lächelnd verdrehte Ava die Augen und gab
sich geschlagen, weil sie gegen ihre Freundin keine Chance hatte. Sie hätte
nicht locker gelassen und solange auf sie eingeredet, bis Ava klein bei gab.
Hope hüpfte triumphierend aus der Umkleidekabine und wartete draußen gespannt
auf ihre Freundin. Hoffentlich behielt sie recht. „Oh…
Wie bekomme ich das denn zu, ohne mir etwas zu verrenken“,
jammerte Ava in der Kabine und winkte der Anwältin zu, die ihr helfen sollte.
Schnell huschte Hope zusammen mit dem Kinderwagen wieder in die Kabine und zog
den Reißverschluss zu. Als beide das Kleid im Spiegel betrachteten, rissen sie
entzückt die Augen auf – „Wer hätte das gedacht“,
sprach Ava leise vor sich hin und begutachtete sich von allen Seiten. „Habe
ich es dir nicht gesagt? Süße, du bist nach wie vor ein heißer Feger“,
freute sich Hope und faltete ihre Hände vor dem Gesicht zusammen, „Tyler
soll aufpassen, denn mit diesem Kleid werden sich die Männer reihenweise nach
dir umdrehen.“ Ava fühlte sich geschmeichelt und
immer wenn sie das war, errötete sie leicht. „Jetzt
hilf mir wieder aus dem Kleid, wenn du nicht möchtest, dass ich es kaputt mache.“
„Ach herrje, die Zeit. Ava, wir sind schon seit
über einundeinhalb Stunden unterwegs. Ian fragt sicherlich, wo ich bleibe.“
Die Anwältin half Ava schnell aus dem Kleid und steuerte danach die Kasse an.
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Nachdem Tyler mit seinem Klienten, Adam Reyes gesprochen hatte, wollte er zurück
zu Melampus, um nach dem aktuellen Stand der Dinge zu fragen. Als ihm die Tür
aufgemacht wurde, sahen ihn die beiden Propheten merkwürdig an. „Habe ich was
auf der Nase oder wieso starrt ihr so offensichtlich auf mich als hätte ich
etwas verbrochen.“ Ohne eine Vorwarnung tauchte hinter ihm eine Person auf, die
er noch nie gesehen hatte und berührte seine Stirn. Danach viel er bewusstlos zu
Boden und kam erst wieder zu sich, als er merkte, wie jemand stark an ihn
rüttelte und zerrte…
„Tyler
wach auf! Ansonsten verpasst du deinen Einsatz?“
Völlig verstört riss Tyler seine Augen auf und stieß aus Reflex die Person von
sich, die ihn geweckt hatte. „Wer bist du und wohin
hast du mich gebracht?“, fragte Tyler verärgert und
schaute um sich und herauszufinden, wo er gelandet war. Er war in seinem
Schlafzimmer und vor ihm stand der junge Mann, den er zuletzt gesehen hatte.
„Ich bin Morpheus, der Gott des Traumes und Sohn
von Hypnos. Ich wurde geschickt um dir eine Aufgabe zu geben, die dir in der
großen Schlacht weiterhelfen wird.“
Tyler runzelte irritiert die Stirn. „Das Timing ist
ja wirklich perfekt. Ich könnte eigentlich den anderen helfen, aber stattdessen
sitze ich hier fest und bekomme eine Hausaufgabe. Wenn du ein Traumgott bist,
hast du mich sicherlich in eine Traumwelt geschickt, liege ich da richtig?“
Morpheus nickte bestätigend.
„Und wie lange werde ich hier festgehalten?“,
wollte Tyler energisch wissen. „Solange bis du
deine Fähigkeit kontrollieren kannst. Du musst sie auf jeden Fall beherrschen
können, ansonsten müssen wir Jonathan töten, weil in ihm Thanatos schlummert.
Schaffst du es, mit deinen Windstößen den Dämonen aus seinem Körper zu treiben,
hast du in der Schlacht einen gewaltigen Vorteil.“
Nach diesen Worten verschwand Morpheus und ließ Tyler mit seinen unzähligen Fragen alleine. Er griff in seiner Hosentasche nach dem Handy und versuchte Ava zu erreichen, doch leider ohne jeglichen Erfolg. „Mist.“ Unruhig lief er zum Fenster und blickte hinaus. Alles schien völlig normal zu sein. Der abendliche Verkehr mit den vielen Autos und Passanten auf der Straße, die vielen hellaufleuchtenden Reklametafeln und Lichter oder Laternen. So war es also, wenn er in einer Traumwelt gefangen war. Hätte er es nicht gewusst, würde es ihm gar nicht auffallen. Er drehte sich schwungvoll um und lief zur Tür, weil er seine Wohnung nach Abweichungen zur Realität herausfinden wollte. Kaum hatte er die Tür aufgerissen, sprangen zwei großgewachsene Schäferhunde, mit aggressivem Knurren und Bellen, in seine Richtung und überwältigten ihn zu den Boden. Er wehrte sich und trat mit voller Kraft gegen den einen Schäferhund und drückte sich vom Boden ab. Schnell hetzte er aus der Wohnung und knallte vor deren Nase die Tür zu. „Jetzt weiß ich wieder, wieso ich so einen großen Respekt vor Schäferhunde habe.“ Tyler stützte sich auf seinem Knie ab und holte tief Luft. Danach schüttelte er seinen Kopf und nahm das Flackern, der Lampen auf dem Gang wahr. Es wäre zu schön gewesen, wenn die Lampen defekt gewesen wären, aber der Anwalt wusste, dass irgendwo hier in der Nähe Geister oder Dämonen sein mussten. Vor seiner Wohnungstür konnte er nicht stehen bleiben, da es zu gefährlich war, ohne jegliche Waffe gegen Dämonen zu kämpfen. Gerade als Tyler die Tür aufschließen wollte, sprang die Tür am Ende des Ganges auf. Die ältere Dame Miss Fisher sprintete auf Tyler. Als er in ihre Augen sehen konnte, wusste er, dass sie besessen war, denn die Augen waren starr und weitaufgerissen, ihre Haut war noch blasser als sonst geworden und es schien als wäre sie stundenlang draußen in der Kälte gewesen, weil ihre Lippen blau angeschwollen waren. Ihr narzisstischer Blick und tollwutartigem Schreien, verleitete Tyler, schneller nach seinem Schlüssel zu suchen.
Doch als auf einmal der Schlüssel nicht mehr in seiner Jackentasche zu finden war, er zu spät darauf geachtet hatte, dass neben ihm auf einmal der kleine lateinamerikanische Junge aus dem 7. Stockwerk stand, der gewöhnlicherweise immer einen Fußball bei sich trug, hatte der kleine Junge bereits das Küchenmesser in seinen Rücken gerammt. Mit einem frechen Lächeln rannte er den Gang hinunter um seinen Fußball zu holen, welches an die Aufzugstür gerollt war. Mit dem Ball in der Hand betätigte er den Aufzugsknopf und drehte sich beim Einsteigen zu Tyler, der vor Schmerzen kaum noch gerade schauen konnte. In ihm drehte sich alles und es schien, als hätte er ein ganzer Truthahn ohne zu kauen verschluckt. Schweiß tropfte von seiner Stirn, seine Glieder wurden schwerer, was Miss Fisher freute, weil sie ohne große Mühe zu Tyler hervordringen konnte und über ihn herfallen konnte. Sie knabberte an seinen Armgelenken, während er sich zu tote schrie, doch das motivierte sie nur noch mehr fester hineinzubeißen. Mit letzter Kraft griff er nach ihrem Kopf und obwohl die Schmerzen ihm den letzten Verstand raubte, konnte er sich an die Worte von Morpheus erinnern und konzentrierte sich auf seine Fähigkeit, den Windstößen. Ihm reichte es noch für einen einzigen Windstoß, der leider an ihr vorbei an die Lampe ging. Mit weit aufgerissenen Augen sah er, wie sich die Schrauben von der Decke lösten und in nächster Sekunde die Lampe direkt auf ihn fallen wollte. Er wälzte sich gerade noch rechtzeitig zur Seite, ehe die Lampe ihn treffen konnte. Er nutzte sein Glück indem er nach dem Gegenstand griff und damit auf die an ihm knabbernde Frau wiederholend einschlug. Er hörte erst auf, als sie steif zu Boden sackte und sich nicht mehr regte. „Leg dir einen Rentnerfreund an und lass die Finger von denjenigen, die bereits vergeben sind.“ Tyler hustete stark und verlor dabei noch mehr Blut. Unter ihm hatte sich mittlerweile eine beachtliche Blutlache angesammelt, weil aus seinem Rücken und seinem Arm Blut in Strömen floss, die er nicht mehr einfach stoppen konnte. Tyler kniff kurz seine Augen zu, weil die Schmerzen noch schlimmer wurden. Doch in dieser Sekunde hörte er, wie einer eine Flinte oder Ähnliches mit Kugeln auflud. Ein Schuss fiel und als er die verdammte heiße Kugel für eine Sekunde in seiner Stirn spüren konnte, das Blut langsam über sein Gesicht lief, hörte die Qualen auf einmal auf…
- 4 Stunden zuvor-
.: Bei den Carrendoors :.
Ungeduldig
wippte Hypnos mit seinem rechten Bein auf und ab und machte dabei Violet ganz
nervös: „Kannst du bitte damit aufhören? Du machst
mich noch ganz wahnsinnig mit deinen nervösen Beinbewegungen.“
Hypnos stoppte abrupt. „Das Herzmedaillon ist der
Schlüssel zu allem. Ihr könntet die Göttinnen retten und ich kann wieder an
meine alte Macht gelangen." Violet bat ihn noch
etwas Geduld zu haben, da sie gerade erst mit ihrer Mutter telefoniert hatte und
meinte, dass sie bereits auf dem Rückweg sei. Kaum war das letzte Wort gefallen,
fiel die Wohnungstür zu. Das Schreien von Klein-Dwight war noch vor Avas
Begrüßung zu hören. „Dwights windeln müssen
unbedingt gewechselt werden.“
„Und, hast du das Medaillon?“,
fiel ihr Hypnos fast ins Wort. „Die Verkäuferin
versucht herauszufinden wo das Medaillon ist, aber versprechen kann sie mir
nichts.“ Nach der raschen Antworten verschwand Ava
in das Schlafzimmer. Etwas frustriert fasste sich Hypnos an die Stirn und ließ
sich gegen die Couchlehne fallen. „Dann müssen wir
wohl oder übel warten.“ Dwight grübelte vor sich
hin und schielte zu Hypnos, um ihn eine Frage zu stellen: „Auf
wessen Seite bist du eigentlich? Auf unsere oder der Dämonen?“
Um die Frage beantworten zu können, musste Hypnos sich wieder aufrichten. „Da
ich nicht möchte, dass die Dämonen über die Welt regiert, bin ich wohl auf eurer
Seite. Ich darf das nicht allzu laut sagen, ansonsten bin ich ein weiteres Ziel
vieler Dämonen. Es reicht, wenn die ultimativen Sieben hinter mir her sind und
meine halbe Verwandtschaft gegen mich ist.“
Mitten in der Unterhaltung stieß Ava wieder dazu. „Ich
habe einen Anruf von Christina bekommen.“
„Wer ist Christina“,
wollte Violet wissen. „Die Verkäuferin. Sie hat das
Herzmedaillon gefunden und ich soll doch recht bald wiederkommen. Ich muss
sofort Carmen darüber informieren. Sie wird sicherlich erfreut darüber sein.“
Nicht nur sie würde sich freuen, sondern alle, die an der Rettung der Moiren
interessiert sind und Hypnos freute sich, da er vielleicht demnächst wieder aus
seiner Machtlosigkeit befreit wurde. „Endlich gibt
es ein Licht am Ende des Tunnels. Ich werde derweil Dad informieren.“
Dwight stand schwungvoll auf und griff nach seinem Handy, welches auf der weißen
Kommode lag. Er lief ins Schlafzimmer und hatte bereits das Handy am Ohr. Es
klingelte, doch sein Dad nahm nicht ab - Die Mailbox wurde nach mehreren Läuten
aktiviert. War er etwa in einer Besprechung? Ohne etwas schlimmeres zu
befürchten, verließ er das Schlafzimmer und teilte den Anwesenden mit, dass
Tyler nicht ans Handy ging. „Er ist wahrscheinlich in einer Besprechung, da er
nicht an sein Handy ran geht.“ Ehe er weitersprechen konnte, hielt ihn Ava auf,
indem sie die Hand erhob und in den Hörer sprach. „Hallo
Carmen, ich bin’s Ava. Die Verkäuferin vom Antiquitätenladen meint das
Herzmedaillon gefunden zu haben. Wie wollen wir es machen? Willst du nach der
Arbeit mit mir zum Laden fahren?“...
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Artemis saß neben Jonathan, der eingeschlafen war und merkte, wie sich etwas
unter ihm bewegte. Es rüttelte immer wieder einige Sekunden. Es war bald soweit.
Thanatos‘ Wiederauferstehen würde kommen und bis dahin, sollten sie alle
gerüstet dafür sein. Die Göttin hoffte, dass das Schutzschild, die Themis durch
die Phoenixe gebildet hatte, ausreichen würde, um die Ultimate Se7en vor dem
Eindringen des Zetrums zu verhindern. Sie ging rasch an das Fenster und
versicherte sich nach der Schutzwand, die nur durch die Augen der Heiligen
ersichtlich war. Ein Dämon oder Mensch konnte diese magische Wand nicht sehen. „Themis,
ich hoffe du machst nicht noch mal denselben Fehler und machst es diesmal
anders. Zumindest wartest du diesmal nicht, bis Tychon (Tylers Krieger-Name)
seine vollständige Fähigkeit erst im Kampf erlangt, sondern rüstest ihn schon im
Vorfeld auf.“
Unbemerkt hatte sich Melampus in das Zimmer georbt. „Mit
wem redest du?“.
„Mit mir selbst“,
antwortete die Jagdgöttin und setzte sich wieder auf das Bett. „Du
hast Angst, aber das haben wir alle. Keiner weiß wie die ganze Sache ausgeht und
wir müssen nur im entscheidenden Moment besser als die Dämonen sein. Noch nie
haben sich so viele Götter vom Himmel herab begeben, doch sie wissen, was in der
Vergangenheit passiert ist und das selbe wollen sie in diesem Jahrtausend
verhindern.“ Artemis nickte und nahm das Zucken von
Jonathan wahr. „Nur noch wenige Stunden, dann
müssen wir uns mit Thanatos auseinandersetzen und dabei jedoch das Leben von
Jonathan nicht aufs Spiel setzen.“ Beide dachten an
die Schlacht zurück, die damals stattgefunden hatte und darin war auch zu sehen,
wie schon in der Vergangenheit der Mut und der Ehrgeiz von Tyler ein großer
Gewinn für das Gute war...
Fortsetzung: 18.5. Endstation