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20.1. Final Destination
.: Fellowship Gefängnis :.
Das Schwarze verschwand wieder aus den Augen von Adam, wodurch die Lederhaut
wieder weiß und die Iris blau wurde. Mit einem schadenfreudigen Grinsen
betrachtete er sich im Spiegel. ‚Das war wohl nicht das, was sich Dáfni
vorgestellt hatte. Den Tod von Ava konnte sie trotz des großen Aufwands nicht
erreichen. Einfach nur kindisch und amateurhaft. Wenigstens habe ich alles im
Griff.‘ Thanatos, der wieder die Kontrolle über Adams Körper übernommen hatte,
wandte sich vom Spiegel ab und legte sich in das rustikale Bett. Neben ihn lag
die Sense, die ihm die unglaubliche Macht verlieh, Menschenseelen einzufangen.
Seine ursprüngliche Aufgabe, die Verstorbenen in die Hölle zu begleiten hatte er
vor seinem Tod, nicht wahrgenommen, stattdessen sammelte er sie ein und nahm sie
in sich auf, weshalb er immer stärker und mächtiger wurde. Seine Gier nach
Seelen wuchs mit jedem Neuen, die er verschlang. Letztendlich kostete ihn das
seinen Tod und die Aufgabe des Sensenmannes wurde an seinen Bruder, Hypnos
weitergegeben. Da Hypnos mittlerweile gegen die Dämonen agierte, wurde ihm die
Aufgabe des Seelenbegleiters entnommen und anstelle von ihm, wurde die Aufgabe
seiner Schwester Ker angeboten. Noch bevor sie die neue Tätigkeit umsetzen
durfte, wollte Thanatos erst einmal genug Seelen eingesammelt haben, um die
ultimativen Sieben bei ihren Ziel helfen zu können.
Um das zu erreichen musste er nur lediglich einmal mit dem Finger schnipsen um folglich alle Schlösser der Gefängniszellen zu entriegeln. Sein Plan schien aufzugehen, denn kurz darauf stürmten die Insassen aus ihren Zellen, schreiend, grölend wie wildgewordene Neandertaler, die nach ihrer Nahrung suchten und einen Aufstand ansteuerten. Die Beamten ließen sofort die Alarmglocken läuten, was jedoch nur noch für mehr Aufregung sorgte und der Lärm immer mehr ins unermessliche stieg. Den Gefängniswärtern wurde schnell klar, nicht gegen tausende von wütenden Insassen anzukommen und schalteten ohne groß zu überlegen die NYPD ein, die hoffentlich recht bald aufkreuzen würde.
Ein Häftling hüpfte freudig an der Zelle von Adam Reyes vorbei, der seelenruhig auf dem Bett lag und an die Decke starrte. „Hey Frischling willst du dir die Party des Jahrhunderts entgehen lassen? Das was gerade geschieht, hat es noch nie gegeben. Komm schon beeil dich, sonst verpassen wir noch das Beste.“ Adam sah den Häftling reglos an, völlig unberührt, als würde ihn der Trubel gar nicht interessieren. „Kumpel, geht es dir gut?“ Der Häftling lief mit kritischer Miene in die Zelle. „Glaub mir, Kumpel, die Party hat noch gar nicht angefangen.“ Im nächsten Moment stand Adam ruckartig auf und rammte ihm die Sense direkt in die Kehle. Zuckend versuchte der hilflose Mann die scharfe Klinge rauszuziehen, doch er schaffte es nicht. Keuchend riss er ehrfürchtig die Augen auf, merkte, wie die Sense seine Stimmbänder durchtrennt hatte und seine Kraft langsam verschwand, als das Blut nur so unkontrolliert aus ihm herausspritzte. Kaltblütig stand Adam neben ihn und lachte triumphierend. Dann sorgte er dafür, dass die Seele aus dem Häftling gezogen wurde und durch seinen Mund in ihn gelangte. „Jetzt kann die Party beginnen.“ Der leblose Körper sackte zu Boden, während Thanatos die Zelle verließ um das Geschehen von nahmen zu betrachten.
.: Kings County Hospital :.
Tyler
wirkte sichtlich erleichtert, als Ava sich langsam erholen konnte. Er hatte sie
vom Krankenhaus abgeholt, weil mittlerweile Riley zurückgekehrt war und ihre
Wunde heilen konnte. Rachel dagegen blieb noch bei Isaac, um bei einem erneuten
Angriff der Vampire helfen zu können. Während die anderen in die
Wohnung zurückkehrten, blieb Tyler im Krankenhaus und suchte Jason auf, der
einige Zimmer weiter schwer verletzt lag und sich nur langsam erholen konnte.
Carmen begleitete Tyler, denn sie wollte bei der Gelegenheit Ethan abholen, der
bei Jason auf den Stuhl neben dem Krankenbett saß. „Können wir reinkommen?“,
fragte Tyler vorsichtshalber und bekam das Einverständnis von Jason. Das
Gespräch mit der Aufklärung stand noch aus und unter normalen Bedingungen hätte
Tyler niemals das Gespräch zwischen ihnen eingeleitet, doch ihm rannte die Zeit
davon.
„Alles klar bei dir?“, fing Tyler an. Jason erzwang ein Lächeln, wobei es eher
nach einem gequälten Leid aussah. „Den Umständen entsprechend gut. Dieses kleine
Miststück wusste ganz genau, wie sie mich aus dem Weg räumen kann.“
„Du meinst damit Dáfni, oder? Hab ich das richtig verstanden, dass du Dorimédion
bist, ihr Bruder?“ Er nickte schuldig. „Ja, so ist das, leider. Tyler es tut mir
leid, dass du es so erfahren musstest, aber damals, als ich dir Signale und
Hinweise über meine wahre Identität gegeben hatte, dir mitteilen wollte, dass
ich ein anderer bin, hast du sie leider nicht erkennen können. Ich konnte nicht
direkt zu dir gehen und mich offenbaren, das wäre zu riskant gewesen und hätte
mein Plan völlig über den Haufen geworfen.“ Tyler brannte darauf, die
angeblichen Hinweise zu erfahren, die er gegeben hatte und bat Jason damit
endlich rauszurücken. Als er ihm diese erzählt, fing Tyler an zu grübeln und
musste gestehen, diese tatsächlich nicht erkannt zu haben. Wie denn auch, zu
dieser Zeit wusste er noch nicht mal, dass es einen Bruder von Dáfni existiert,
geschweige eine derartige teuflische Dämonenbrut zum Leben erwecken würde.
„Ich bin damals als Wahrsager im Spiegel aufgetaucht. Das war sogar einer der
eindeutigsten Hinweise, die ich geben konnte und niemand hatte damals Verdacht
geschöpft. In einer Traumwelt, fällt es nicht so stark auf, aber dennoch
konntest du in mir nur einen Gegenspieler erkennen. Ich sagte dir doch, öffne
die Augen und kämpfe! Du aber hattest andere Dinge im Kopf. Mit dieser Aktion
hätte ich beinahe meinen Kopf riskiert, aber ich konnte die Dämonenmutter doch
noch von meinen Absichten überzeugen und somit von meiner wahren Identität
ablenken. Ich lebe schon seit Jahrhunderten getarnt und mit mehreren
Identitäten, und nur, weil ich eine bestimmte Aufgabe habe. Jedes Lebewesen, sei
es Tier, Mensch oder Dämon hat eine bestimmte Funktion in seiner Existenz. Als
Jason McGellegahr konnte ich immer an deiner Seite sein, ohne den Eindruck zu
erwecken, dich bei deiner Lebensaufgabe zu unterstützen. Ja, sogar die Dämonen
konnte ich hinters Licht führen und sie überzeugen, als die Person aufzutreten,
der dich beschattet um Informationen an die Dämonen weiterzugeben. In der
Dämonenwelt war ich der Schattendämon, der Treue Diener der Persephone. Eine
zeitlang haben die Dämonen echt keinen Verdacht geschöpft. Nicht einmal, als ich
die Moiren für eine kurze Zeit entführt habe und…“
Jason fing an zu Husten, weil er den stechenden Schmerz in seiner Brust spürte.
Wie ein loderndes Feuer brannte es in ihm, aber er musste seine Zähne
zusammenbeißen. „Ich habe die Moiren nach und nach entführt, teilte den Dämonen
mit, dass ich dir, Tyler, mit Hilfe der Schicksalsgöttinnen einen wunden Punkt
treffen wolle.“
„Und der wäre?“, wollte Tyler wissen. Jason starrte rüber zu Ethan.
„Ich habe Atropos und ihre Schwestern beeinflusst und dazu gebracht, den
Lebensfaden von Ethan zu kürzen. Mit der Lüge, Ethan nach seinem Tod für die
Seite der Dämonen zugewinnen, stimmte die Dämonenmutter meinen Plan zu und so
konnte ich, nachdem Ethan in der Hölle war, letzten Endes einweihen. Auch hier
spielte ich den treuen Diener, der Ethan solange foltern wollte, bis er
einwilligte. In Wirklichkeit jedoch, bereitete ich ihn für die jetzige Schlacht
vor, zeigte ihm, wie man die Dämonen am besten töten konnte und gab ihm das
Phönixschwert, was ich damals, direkt nach der großen Schlacht, an mich gerissen
hatte. Naja, aus dem Phönixschwert wurde ein Dolch, da das Schwert in einem
Kampf beschädigt wurde.“
.: Fellowship Gefängnis :.
Im Gefängnis selbst herrschte das totale Durcheinander. Melampus hatte die
Auferstehung von Thanatos kommen sehen und hatte sich deshalb zusammen mit
Riley, Hypnos und Morpheus in das Gefängnis gebeamt. Ehe sie sich jedoch auf die
Suche nach Thanatos machten, versuchten sie den unterlegenen Gefängniswärtern zu
helfen. Einige hatten sich bereits hinter verschlossenen Türen versteckt,
während andere kaltblütig getötet wurden. Ihnen wurde unter anderem das Genick
gebrochen, den Kopf zertrümmert oder einfach nur zu Tode erwürgt. Ja, die Wut
der Häftlinge unterschied sich kaum von den Dämonen. Erschreckend, wie Morpheus
fand. Ein Häftling konnte sich eine Waffe ergattern und schoss auf alle, die ihn
in dem Weg kamen. Melampus geriet unabsichtlich in seine Schusslinie, weshalb
die Kugel ihn an der Schulter schliff. Unsanft fiel er auf die Knie, doch dann
erholte er sich schnell vom Schreck und überwältigte den Insassen. „Melampus,
nicht!“ Hypnos wollte den Prophet daran hindern, dass er den Häftling erschoss.
Mit einem zielsicheren Faustschlag schlug Melampus ihn bewusstlos, so dass er
fürs erste keine Gefahr mehr für ihn und den Anderen war. „Wir dürfen keine Zeit
mehr verlieren und uns auf die Suche nach Thanatos machen!“
„Ich befürchte, dass wir das gar nicht mehr müssen!“, mischte sich Morpheus ein
und zeigte auf den blondhaarigen Mann, der mit einer Sense mehrere Häftlinge
nacheinander aufschlitzte und dabei Let’s get it started von den Black Eyed
Peas sang. So trällerte er mal lauter und mal leiser „Let’s get it started, ha.
Let‘s get it started in here.“ Oder „Lose control, up outta your soul. Don‘t
move too fast, people just take it slow“. Das Lied sollte eigentlich die Leute
auffordern zu tanzen, ihre Hemmungen zu verlieren und seine Seele im Tanz frei
lassen. Thanatos hatte dagegen seine eigene Interpretation für die gute
Stimmungsmusik und mordete unaufgehalten einen nach dem anderen.
Inzwischen hatten mehrere Streifenwagen und Einsatzkräfte der NYPD das Gefängnis
umstellt und warteten auf das Kommando hineinstürmen zu können. Detective
Claridge, die mittlerweile ziemlich ins Schlauchen geriet, weil sie ein
schlimmes Ereignis nach dem anderen erlebte, kam an ihre Grenzen die sie langsam
überforderte. Vor nicht einmal zweieinhalb Stunden zuvor, war das Unglück mit
der U-Bahn passiert und sie hatte nicht mal die Zeit dazu gehabt, alles zu
klären, ehe sie schon wieder in einen neuen Fall geschubst wurde. Carmen war
nicht anwesend, was sie im Nachhinein bedauerte und nur noch mehr beunruhigte.
Falls im Gefängnis tatsächlich Übernatürliches vor sich ging wüsste sie nicht
wie sie vorgehen sollte und wie sie einen solchen Gegner aufhalten könnte. Waren
es wieder infizierte Menschen, die brummend und kreischend erbarmungslos über
die Menschen herfielen oder war darin etwas anderes, was sie nicht einfach so
abknallen konnte, so wie die eine Dämonin, Dáfni?
„Detective Claridge, kommen Sie mal bitte, das müssen Sie sich anschauen.“ Der
Schütze reichte ihr das schwarze Infrarotgewehr rüber, womit sie in das Gebäudeninnere blicken konnte. Sie erkannte, wie eine Person mit einer Sense in
der Hand Leute tötete. „Keine Zombies“, murmelte sie und wurde danach vom
Scharfschützen schräg angeschaut. „Wie kommt der Häftling an eine derartige
Sense ran? Die überprüfen doch die Leute, wenn sie inhaftiert werden, zudem ist
es kaum vorstellbar, dass die Gefängniswärter Sensen deponieren.“
„Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Wartet bitte,
ehe wir eingreifen. Wir müssen erst sicherstellen, dass wir ohne uns und den
anderen zu gefährden eindringen können.“
.: Kings County Hospital :.
Tyler musste die vielen Informationen verarbeiten und durchlebte dabei ein
Wechselbad der Gefühle. Erst war er verärgert, weil er erst jetzt hinter alldem
kam und dann wiederum war er froh, weil es letztlich doch noch irgendwie
positiv ausgegangen ist. „Irgendwann wurden die Dämonen doch misstrauisch und
lockten mich in eine Falle“, setzte Jason fort. „Persephone hatte die Dämonen
dazu beauftragt mich zu beschatten und als sie merkte, dass ich mit Ethan andere
Absichten hatte, musste ich mit Ethan zusammen eine Weile abtauchen. Zum Glück
gab es, wie in jeder Welt schwarze Schafe und da Hypnos ebenfalls kein
Befürworter der Ultimate Se7en war, ließ er sich absichtlich von mir
überwältigen, als dieser Ethan und mich in die Hölle bringen sollte.
Mittlerweile spielt er ja ebenfalls mit offenen Karten.“
Das stimmte, denn seit Hypnos wieder seine alte Macht hatte, kämpft er zusammen
mit seinem Sohn, Morpheus auf der Seite der Guten. „Ihr Götter und Dämonen
steckt voller Überraschungen. Es ist wie auf einer Überraschungsfeier, man weiß
nicht, was einen da erwartet und auf was man sich da einlässt.“ Tyler schaute
Carmen und Ethan an, die die ganze Zeit über aufmerksam zugehört hatten. Sie
alle waren irgendwie ein Teil von etwas großem, doch was sich genau dahinter
verbarg, konnte keiner wissen. Wie Jason bereits erwähnte, jeder trug seinen
Teil bei. Inwieweit jeder involviert ist und ob diejenigen auch überleben
würden, weiß wahrscheinlich nur das Schicksal. „Wirst du über die Runden
kommen?“, fragte der Anwalt, nachdem Jason erneut vor Schmerzen wieder die Augen
zusammenkniff. „Dáfni hat zum Glück nicht genau gezielt, ansonsten hätte ich
unsere jetzige Unterhaltung gar nicht mehr führen können. Ich komme wieder auf
die Beine, keine Sorge. Morgen wird es mir besser gehen, ich brauche einfach nur
ein bisschen Schlaf.“ Einvernehmlich nickte Tyler
seinen getarnten Arbeitskollegen zu und wollte sich nun verabschieden. „Ruhe
dich erst mal aus. Und nur fürs Protokoll, ich danke dir, dass du Ethan
zurückgebracht hast. Ich glaube ich spreche da für viele von uns.“
Jason lächelte zufrieden und sah Ethan entschlossen an. „Nun
musst du mir zeigen, was du von mir gelernt hast! Enttäusch mich nicht, ist das
klar?“
.: Fellowship Gefängnis :.
„Ja wen sehe ich denn da? Habt ihr etwa nach mir gesucht?“ Thanatos erblickte
unter den vielen Gefangenen seinen Bruder Hypnos zusammen mit Morpheus, Riley
und Melampus. „Hör auf“, befahl Hypnos und lief direkt auf Thanatos zu, der das
Töten für eine kurze Zeit unterbrach und die Zeit der ungebetenen Gäste widmete.
„Wieso denn, ich habe doch erst angefangen.“ Hypnos machte eine ruckartige
Handbewegung wodurch die Sense aus der Hand glitt und zu Boden fiel. „Wow, mein
Bruderherz, ich bin wirklich begeistert. Bravo, du hast deine alten Kräfte
wieder.“ In der nächsten Sekunde flog die Sense direkt in die Hand von Hypnos,
der sie danach fest umgriff. „Mit diesem Zaubertrick kannst du dich ja glatt mit
Harry Potter verbünden. Komm schon, zeig mir mehr! Zeig mir, was du drauf hast“,
provozierte Thanatos seinen Bruder und sprintete los, geradewegs auf Hypnos zu,
der die Sense weit ausholte und bereit war, diese gegen seinen Bruder
einzusetzen, wenn es wirklich notwendig war. Mitten auf der Strecke mussten die
vier entsetzt erkennen, dass der Tod bereits eine Ersatzwaffe hatte. Er hatte
anstelle seiner Hand eine messerscharfe Klinge, die genauso furchtlos wie eine
Machete oder eben der Sense war, die er gerade noch für das Morden der Häftlinge
verwendet hatte.
Hypnos konnte gerade noch im letzten Moment den Angriff entgegenhalten, indem er
schützend die Sense vor seinem Körper ausstreckte und sich die scharfe Klinge
des Bruders darin verhakte. „Das ist nicht das Wiedersehen, was ich mir für uns
beide erhofft hatte“, winselte Thanatos mit knirschenden Zähnen und lief wieder
einige Schritte zurück. „Glaube mir, ich auch nicht. Aber eine Willkommensparty
kannst du von mir auch nicht erwarten.“ Hypnos setzte zum Gegenangriff an, doch
im nächsten Moment hob Thanatos vom Boden ab und schwebte in die Luft. Die
Insassen bekamen es mit der Furcht zu tun. Viele blieben gebannt stehen, während
andere Schutz hinter diversen Möbeln oder bereits verstorbenen Personen suchten,
weil sie befürchteten, genauso wie die bereits getöteten zu enden. Hypnos wusste
sofort was sein wiedergeborener Bruder vorhatte und wollte sein Vorhaben
verhindern. „Das wird jetzt gleich sehr ungemütlich.“ Die Warnung von Melampus
kam jedoch für viele zu spät. Die Personen, die direkt unter Thanatos standen
zerfielen sofort in dunkle Asche, woraufhin weißer Rauch empor stieg und direkt
in den Dämon einfuhr. Nun rasteten die Personen im Saal völlig aus. Sie alle
rannten in die verschiedensten Richtungen, rannten in jeden Gang, suchten
Schutz, Schutz vor etwas, was unmenschlich war, etwas grausames, was sie noch
nie im wirklichen Leben zuvor gesehen hatten. Die wenigen Wärter die noch im
Saal blieben schossen mit ihren Waffen auf Thanatos ein, doch die Kugeln
prallten an ihn ab, als würde sein ganzer Körper aus undurchdringbaren Stahl
bestehen. Die vielen Kugeln klimperten nur so auf den Boden, was die
Gefängniswärter völlig verunsicherten und ratlos stimmten. In ihren Gesichtern
war die Angst ganz groß geschrieben, doch konnten sie einen Häftling, egal wie
stark und unmenschlich auch war, nicht einfach das machen lassen, was er wollte.
Ein anderer Aufseher, der ebenfalls die Flucht ergriffen hatte, da die Angst
größer war als sein Mut, schloss die sperrige Tür zum Hof auf. Sie alle stürmten
hinaus und blieben jedoch vor dem riesigen Zaun stehen – Sie kamen nicht mehr
weiter und somit saßen sie in der Falle. „Retten Sie uns, bitte! Wir wollen noch
nicht sterben“, bettelte einer förmlich die Polizisten an, die auf der anderen
Seite des Zaunes mit ihren Gewehren bereit zum abfeuern standen. „Kann mir bitte
jemand sagen, was sich da gerade abspielt?“
„Ein Spinner… Ein Monster… ein Etwas, was wie ein Mensch aussieht aber keiner
ist, schwebt in der Luft herum und lässt seine Opfer zu Asche fallen. Total
verrückt. Einfach nur total verrückt!“ Der Inhaftierte kam vor Aufregung gar
nicht mehr aus dem Stottern raus und klammerte sich wie ein kleines Kind fest am
Zaun. Er heulte, erstickte fast an seiner eigenen Angst und heulte dann nur noch
stärker als die qualvollen Schreie im Gefängnis an seine Ohren drangen. „Ich
weiß zwar, dass ich in meinem Leben vieles falsch gemacht habe, aber so möchte
ich nicht Enden. Bitte! So zu sterben hat keiner verdient….“
Die Polizisten wirkten verunsichert und wussten nicht, wie sie auf die Bitte der
Inhaftierten und einige Gefängniswärter reagieren sollten. Sie durften nicht
einfach so den Zaun aufreißen, um den Festsitzenden die Freiheit gewähren, denn
sie hätten danach womöglich viel zu viele Flüchtlinge gehabt, die sie später
wieder landesweit suchen müssten. Denn viele von Ihnen waren Schwerverbrecher,
gefährliche Häftlinge, die nur seit Jahren darauf warteten, endlich
herauszukommen. Ohne auf ein Einverständnis der Beamten zu warten, versuchten
einige über den Zaun zu klettern und wurden jedoch mit Warnschüssen davon
abgehalten. „Detective Claridge“, sprach einer in das Funkgerät. „Kommen Sie
bitte nach hinten zum Innenhof. Viele der Personen sind nun bereits aus dem
Gebäude draußen und vielleicht könnten wir ja…“
„Ja, ich komme zu Ihnen.“ Abigail hielt ihre Antwort kurz und entfernte sich
hastig von der einen Truppe, lief ein Stück, so dass sie niemand belauschen
konnte und griff nach ihrem Handy. „Carmen Johns“, ertönte es am anderen Ende
der Leitung. „Detective Johns, sie müssen sofort
zum Fellowship Gefängnis kommen. Nehmen Sie
sicherheitshalber noch mehrere ihrer Freunde mit, denn im Gefängnis rennt einer
mit einer Sense herum und tötet jeden, den er zwischen die Finger bekommt.“
Carmen willigte ein und meinte gleich zu kommen. Danach steckte sie wieder ihr
Handy in den Holster und lief in Richtung Innenhof, wo sie schon vom weiten die
lauten Hilfeschreie hören konnte.
.: Bei den Carrendoors :.
Hope lag schlafend
im Arm von Ian, der noch von dem Zugunglück
angeschlagen war und das Erlebnis nur langsam verarbeiten konnte. Sein Blick
starrte zwar ins Leere, aber seine Gedanken kreisten um die infizierten
Menschen. Noch immer sah er die Zombies, wie sie die Menschen zerfleischten und
kaltblütig fraßen, und jedes Mal, wenn er im Gedanke das Blut spritzen sehen
konnte, zuckte er innerlich zusammen. Seine Wunden durch den Kampf waren zwar
verheilt, aber er befürchtete, dass er das Erlebnis nicht so leicht wegstecken
konnte, wie er es gerne wollte. Denn er war selbst ein Infizierter gewesen und
das, was er verspürte als er einer von ihnen war, das völlige rationale Decken,
das jegliche Ausschalten der Gefühle konnte er immer noch nicht vergessen. War
es Schicksal, dass sein einziges Opfer diejenige war, die ihm gleichzeitig eine
zweite Chance gab? War das ein Zeichen um Tyler und den anderen bei der großen
Schlacht zu helfen und somit ein Teil von ihnen zu werden? Er zweifelte, ob er
das wirklich wollte, denn wäre er als Zombie gestorben, so hätte er nicht mehr
miterleben müssen, was die Dämonen auf der Welt anrichten würden. Hope schnaufte
leise im Schlaf und lenkte ihn für einen kurzen Moment ab. „Schwachsinn.
Ich kann dich doch nicht alleine lassen“, murmelte
Ian und versuchte positiv zu denken und die Situation so zu akzeptieren, wie sie
nun war. Er durfte nicht vor Angst den Kopf in den Sand stecken. Hope brauchte
ihn und zusammen mit den anderen würde er sicherlich nicht so hilflos sein, als
wenn er das alles alleine durchstehen müsste.
Während Ava langsam zur Ruhe kommen konnte und dabei behutsam ihr kleines Kind
im Arm hielt und ihr die Augen vor Erschöpfung zusammen fielen, waren Dwight und
Violet auf dem Balkon. Sie beide hatten bedrückte Gesichter, denn ihnen war
aufgefallen, dass irgendetwas anders war, als ihnen aus der Zukunft erzählt
wurde. „Inwieweit konnten wir unbewusst die Vergangenheit beeinflussen?“, fragte
Violet nachdenklich und sah direkt in die besorgten Augen von Dwight, der danach
das Gesicht tief in seine Händen vergrub. Nach einem langatmigen Seufzer gab er
ihr schließlich eine Antwort. „Ich denke schon alleine durch unsere Existenz
haben wir einiges verändert, nur weiß ich nicht, inwieweit das gut für uns ist.
Tatsache ist, dass sie noch nicht das Licht der Welt erblickt hat und wir sie
somit nicht vernichten können. Wir müssen eben stets auf der Hut sein.“
„Es heißt, sie wurde kurz nach dem Zusammenschluss
der ultimativen Sieben gezeugt und hat es irgendwie geschafft zu überleben.
Glaubst du, dass wir sie in dem ganzen Schlammassel finden werden?“
Dwight nickte zögerlich. „Das müssen wir,
schließlich sind wir das ihnen schuldig.“
.: Kings County Hospital :.
„Wer war das?“, wollte Ethan wissen und nahm seine Hand wieder vom Türgriff
zurück. „Es war Detective Claridge, die meint, dass im Fellowship Gefängnis ein
Mann mit einer Sense ein Blutbad anrichtet.“
„Thanatos“, kam es aus dem Mund von Jason, der sich versuchte aufzurappeln.
„Einen anderen kann ich mir nicht vorstellen, da nur er mit der Sense umgehen
kann. Wir müssen sofort dort hin.“ Tyler wollte gerade zu Carmen laufen, als er
einen stechenden Schmerz in seinem Kopf spürte und ihm daraufhin eine Vision
bescherte. Er sah, wie eine Krankenschwester sich über eine bewusstlose Frau
beugte um ihren Puls abzutasten. Im nächsten Moment jedoch, öffnete die
vermeintliche Verletzte ihre Augen und machte sich auf die Krankenschwester her.
Wie ein wildgewordenes Tier biss sie der Krankenschwester in den Hals.
„Hey Tyler ist bei dir alles in Ordnung?“
Ethan schaute eindringlich seinen besten Freund an, der noch von seiner Vision
etwas benommen wirkte. „Geht schon mal vor. In
meiner Vision hat eine infizierte Frau eine Krankenschwester angegriffen. Ich
muss das verhindern, bevor es im Krankenhaus genauso wie in der U-Bahn ausartet.“
Carmen und Ethan nickten einvernehmlich und machten sich auf den Weg ins
Gefängnis. „Ich komme mit dir“,
teilte Jason mit und wollte aus dem Bett steigen, als ihn Tyler jedoch davon
abhielt. „In deinem Zustand bist du für mich eher
eine Last als eine Hilfe. Bleib du hier und versuch zu Kräften zu kommen.“
Tyler überprüfte seine Waffe – Geladen und genügend Munition für bestenfalls
zehn infizierte Bestien, sofern er sie auch alle gleich an der richtigen Stelle
treffen würde. Danach verließ er das Zimmer und klapperte ein Zimmer nach dem
anderen ab. Er entschuldigte sich jedes Mal, wenn er merkte, in ein falsches
Zimmer hereingeplatzt zu sein. Da seine Vision zu kurz war, konnte er nicht
genau wissen, in welchem Zimmer sich die infizierte Frau aufhielt, aber sein
Instinkt sagte ihm, dass er in der richtigen Etage und der besagte Raum hier in
der Nähe war. Im vorletzten Zimmer spürte er einen kalten Schauer über seinen
Rücken laufen. Sein Atem wurde auf einmal richtig kalt - Er hatte das Zimmer
gefunden. Er holte tief Luft und riss die Tür wagemutig auf. Mit gezogener Waffe
stürmte er in das Zimmer ohne Rücksicht auf jeglichen Zweifel in ihm wahr zu
nehmen, der gehofft hatte nicht auf eine infizierte Frau zustoßen. „Gehen Sie
von ihr weg!“, warnte er die nichtsahnende Krankenschwester, die erschrocken
zusammengezuckt war und sich zu ihm umdrehte. Tyler packte sie grob am Arm und
zog sie weg. In der nächsten Sekunde öffnete die am Boden liegende Frau ihre
Augen und sah ihn eiskalt an, woraufhin Tyler erst einmal kräftig Schlucken
musste. Sie versuchte mit ihren Händen nach Tyler zu greifen, doch er schoss ihr
eine Kugel in die Stirn und sorgte dafür, dass sie ihm nicht mehr zu nahe treten
konnte.
„Noch gerade rechtzeitig gekommen“,
murmelte der Anwalt und wandte sich zur Krankenschwester die vor Angst ihren
Mund zugehalten hatte. Ihre Augen wanderten von der toten Frau zu Tyler, der
mehr oder weniger zufrieden wirkte, weil er der Meinung war, ein Leben gerettet
zu haben. Er beugte sich über sein Opfer und fragte gedanklich, wie er die
Leiche unbemerkt in die Leichenhalle bringen konnte ohne jegliches Aufsehen zu
erregen. Gerade als er die leblose Frau wieder auf das Bett tragen wollte,
schlug ihm jemand unerwartet in den Nacken. Er fiel durch den Schlag direkt auf
die Leiche und drehte sich danach verwundert um. Völlig aufgebracht musste er
erkennen, dass die Krankenschwester ihn reingelegt hatte. „Gute
Nacht Tyler“, lächelte sie und schlug ihn direkt
ins Gesicht. Ehe er das Bewusstsein verlor, hörte er die Stimme von Jason, die
jedoch nur nach wenigen Sekunden verhallte. Alles verschwamm und seine Sicht
verdunkelte sich, bis es völlig schwarz wurde.
.: Fellowship Gefängnis :.
„Los, los, los. Hopp, auf jetzt! Kommt schon, Beeilung wenn ich bitten darf.
Meine Oma ist sogar schneller wie manch einer von euch. Wenn ihr’s noch nicht
begriffen habt, hier geht es wirklich nun um Leben und Tod.“ Riley, wedelte
hektisch mit seinen Armen und wartete ungeduldig bis der letzte aus dem Gebäude
rannte. Dann hörte er, wie Hypnos laut aufschrie. Noch im Rennen löste er sich
auf und erschien wieder in der großen Halle, wo der Kampf zwischen Hypnos und
Thanatos noch nicht beendet war. Er hielt Ausschau nach Melampus und Morpheus,
doch die waren nirgendwo zu sehen. Thanatos schleuderte seinen Bruder in die
Luft und ließ ihn gegen die Wand preschen. „Riley du musst hier sofort abhauen!“
Die Scharfe Klinge wurde ihm danach erbarmungslos in dem Magen gerammt,
woraufhin er Blut spucken musste. Ehrfürchtig sah Hypnos seinen Bruder an und
konnte nicht glauben, was er ihm angetan hatte. Die Augen von Thanatos funkelten
nur vor Triumph und als dieser wieder seine Hand aus seinem Körper zog, brach er
vor Schmerzen zusammen. Alles drehte sich um ihn, und dennoch konnte er ganz
genau spüren, wie die Wunde in seinem Körper höllisch brannte. „Thanatos…“ Ohne
jegliche Rücksichtnahme auf seinen Bruder, stach Thanatos mit seiner Klingenhand
erneut in den Rücken ein und durchtrennte seinen Rückenmark, was ihm letztlich
das Leben kostete. Reglos lag er da, seine Augen waren weit aufgerissen, aus
seinem Mund tropfte das Blut, genauso wie das Blut unter seinem Körper die zu einer
großen dunkelroten Pfütze wurde. Ein weißer Rauch kam aus Hypnos Ohren, der
zischend in einem grellen Licht verschwand. Völlig außer sich ging Riley auf
Thanatos los um ihn niederzuschlagen, doch er kam nicht bis zu ihm vor, da
Melampus schneller war als er. Der Prophet hatte ein blondes Haar von Adam, in
der Thanatos steckte und ließ sie in Flammen aufgehen. Gleichzeitig murmelte er
etwas Unverständliches auf Latein. Infolgedessen musste der Tod fürchterlich
Husten, was kein Ende nahm. Es war kein einfaches Husten, wie bei einer
Erkältung. Das Husten erinnerte eher daran, als hätte Thanatos was
großes verschluckt, was er nun aus seinem Körper haben wollte. Um nicht völlig
das Gleichgewicht zu verlieren, stützte er sich mit den Händen auf seine
Knieballen ab und hustete weiter. Zwischendurch musste er auch würgen und es
hörte sich an, als würde etwas direkt in seiner Kehle stecken.
Wie aus dem Nichts tauchte Morpheus hinter ihm auf und wollte ihn in seine
Traumwelt befördern, was ihm jedoch nicht gelang, da direkt hinter ihm ebenfalls
jemand aufgetaucht war und ihm das Genick brach, in dem er sein Kopf verdrehte.
Es war Persephone, die dem Tod zur Hilfe gekommen war und ihn ohne große Worte
mitnahm. Beide standen wie angewurzelt stehen und konnten nicht glauben, was
innerhalb weniger Sekunden passierte. Noch gerade dachte Melampus die Überhand
zu haben, als ihm die Dämonenmutter ein Strich durch die Rechnung machte. Riley
kam als erster wieder zur Fassung und eilte zu Morpheus. Er tastete seinen Puls
ab und versuchte ihn zu heilen, was erfolglos blieb, da er bereits tot war.
Genauso war es bei dem übel zugerichteten Hypnos, der mittlerweile in seinem
eigenen Blut ertränkte.
Fassungslos schüttelte Melampus den Kopf und meinte zu Riley, nichts mehr für
die beiden tun zu können. Als Ethan und Carmen endlich im Krankenhaus ankamen,
waren sie genauso wie Riley und Melampus über beide Ohren bestürzt. Carmen, die
mittlerweile Hypnos sehr gut leiden konnte, war deshalb noch trauriger als die
anderen. „Geht zurück zu Ava und den anderen, während Riley und ich nach Thanatos und Persephone suchen. Wir müssen unbedingt ein Weg finden, ihr Blutbad
ein Ende zu setzen.“ Carmen und Ethan stimmte ihm zu und wollten Tyler darüber
informieren, nicht zum Fellowship Gefängnis zu kommen. Stattdessen sollte er
direkt nach Hause fahren, um dort die nächsten Schritte zu planen - Doch Tyler
reagierte nicht auf die Anrufe.
Fortsetzung folgt...
