4.4. Mehr als ein Geheimnis
Der
Dolch schoss dicht an Tylers Ohren vorbei und bevor er sich zu Matt umdrehen
konnte, erfasste ihn das Licht und brachte ihn wieder an einen anderen Ort.
Tyler musste sich erst einmal – Er war in einem
kleinen, grauen Raum. Nachdem er an der kahlen Wand einen Kalender (12.12.2007)
mit einem
Fellow Prison Sticker entdeckte, war er sich ziemlich sicher, dass er
im Gefängnis sein musste.
Erst jetzt fiel Tyler auf, dass William Folks nicht der Entführer und Mörder von dem kleinen Jungen sein konnte, da der Angeklagte zwei Monate vor der Entführung in Haft kam und sich kurz darauf das Leben nahm… Tyler bekam noch die letzten Worte eines Telefongespräches mit, die der Inhaftierte geführt hatte, ehe er vom Polizisten, der einen eisigen Blick hatte, zurück in seine schlecht beleuchtete Zelle gebracht. Total in Gedanken versunken, legte er sich traurig in sein unbequemes und vor allem hartes Metallbett.
Nachdem er seine Augen geschlossen hatte, stieg aus dem Boden ein grauer Rauch hervor, der sich zu einem Körper formte und ein leises Kichern von sich gab. Verwundert riss er seine Augen auf und stützte sich mit der Hand auf, während er sich zum ungebetenen Gast umdrehte. „
Ich habe gedacht, dass ich dich getötet habe, Gillo.“ Tyler, der immer noch fassungslos neben dem Bett stand, starrte die Person mit weit aufgerissenen Augen an.Es war kein Mensch. Es war auch kein Tier. Es war ein beides, welches lange dunkelbraune Haare hatte und ein weißes Kleid trug. Daraus schloss der Anwalt, dass diese Kreatur von weiblicher Gattung sein musste. Der Körper war wiederum wie bei einem Menschen, auch normal hautfarbig, keine starke Behaarung, außer dass die Körperhaltung gekrümmter war und eher an einen Affen erinnerte. Trotz der schlechten Beleuchtung konnte er die auffälligsten hellblauen, schon fast weißen Augen erkennen, die im Dunkeln nur so leuchteten und da waren noch ihre großen raubtierartigen Eckzähne. Tylers Nackenhaare standen ihm bei diesem Anblick zu Berge.
Bevor William Folks ausweichen konnte, wurde er schon von der Kreatur angegriffen, am Hals gepackt und gegen die Bettkante geschleudert. Aufgeregt schrie der Anwalt um Hilfe und wollte sich irgendwie bemerkbar machen, doch leider ohne Erfolg – keiner hörte Tyler und er konnte nur mit ansehen, wie der Dämon den Inhaftierten nur in kürzester Zeit mit der Bettdecke erstickt und aufgehängt hatte, so dass es wie ein Selbstmord aussah…
Polizeirevier
/ 20:00
Da Ethan auf Steife war, konnte er sich erst am Abend mit dem anonymen
Anrufer beschäftigen. Er benötigte dafür lediglich die Simkarte und
entnahm es aus Mitchs Handy um anschließend zu seinem Arbeitskollegen
zugehen,
der sich in diesem Gebiet bestens auskannte. Dieser schob den Chip in einen
Laufwerk, öffnete ein spezielles Programm, womit sie die Auflistung aller
geführten Telefongespräche sehen konnten. Nach einigen Mausklicks fanden sie
ein Gespräch, der unmittelbar vor der Festnahme stattfand.
(Seit dem Terrorangriff vom 11.September 2001 werden fast alle Handygespräche/Telefongespräche in der USA abgehört oder abgespeichert.)
Als die beiden Herren sich dieses Gespräch anhörten, stellten sie fest, dass der anonyme Anrufer ein Stimmverzerrer benutzte, so hatte es sich zumindest für beide angehört. Der Computerfreak öffnete daraufhin ein anderes Programm womit er die Stimme verändern konnte. „Stell die Stimme noch etwas höher ein… ja genau so…“, dirigierte Ethan seinen Arbeitskollegen, „Stopp! Spiel das noch einmal genau so ab!“.
Es war kein Mann, der mit dem Angeklagten telefoniert hatte, denn es war eine Frau. Ethan kratzte sich an der Stirn, da er mit der Stimme nichts Anfangen konnte. Er bat seinen Arbeitskollegen dieses Telefonat auf einen Mp3-Player zuziehen um damit zu Mitch ins Gefängnis zufahren, da er sicherlich die Stimme identifizieren konnte.
Kings Plaza (Einkaufszentrum)
das
letzte Regal, dass im hintersten Eck der Buchhandlung war und fügte noch
hinzu, dass sie nach einem kleinen blauen Buch suchen sollte, Der den Titel „Träume und was sie zu erzählen haben“
tragen würde.
Dankend schlenderte sie nach hinten. Während die Krankenschwester immer näher auf das Regal zuging, dachte sie immerzu an Tyler. Im Krankenhaus konnte sie die Schuldgefühle Tyler gegenüber durch ihre Arbeit für kurze Zeit vergessen, aber jetzt gerade, wenn sie nicht auf der Arbeit war, kamen ihre Gefühle wieder hoch. Sie konnte mit niemanden darüber reden, da die Beweggründe einfach zu verrückt klingen würden. Aber Ava wusste genau wie sie im Traum gelitten hatte, da es sich so echt angefühlt hatte und deshalb konnte sie den Traum einfach nicht ignorieren.
Um etwas Klarheit ins Dunkeln zubringen, wollte sie sich ein Buch über Träume kaufen und vielleicht stand darin auch was über Zukunftsträume, schließlich begegnete sie im Traum ihren zukünftigen Sohn Dwight…. „Haben Sie das Buch gefunden, junge Lady?“, rief der ältere Mann an der Kasse zu ihr, der bemerkt hatte, dass Ava einfach nur vor dem Regal stand…
Fellowship Gefängnis
Im Gefängnis angekommen musste Ethan erst einmal seinen Kollegen überreden,
da dieser ihn Anfangs nicht mit Mitch River sprechen lassen wollte. Erst als
der Polizist dem Wächter sagte, dass er nur 5 Minuten bräuchte, ließ er ihn
ausnahmsweise zum Inhaftierten. Mit einem genervten Blick setzte sich Mitch
auf den Stuhl. Der Polizist zögerte nicht lange und spielte das Telefonat ab.
Während er dem Telefonat lauschte, erstarrte sein Gesicht. Kopfschüttelnd
faselte er vor sich hin und antwortete, als Ethan ihn fragte, wer die Person
war, in einem zittrigen und leisen Ton, den Namen des Anrufers. Beide schauten sich an
erstaunt an. Das konnte doch nicht wirklich war sein,
dachte Mitch und merkte, dass er die ganze Zeit reingelegt wurde…
In Tylers Wohnung
Schweißgebadet wachte Tyler auf seiner Couch auf. Er konnte nicht glauben was
er gerade geträumt hatte und musste erst tief Luft holen um anschließend
seinen Traum zu verarbeiten. Da William Folks diese Kreatur als ein „Gillo“
bezeichnet hatte, eilte er in sein Zimmer, startete seinen Laptop und gab in
einer Suchmaschine den Namen des Dämons ein…
Gillo
Gillo oder auch Gelllo genannt, stammte aus der griechischen Mythologie.
Einwohner von Lasbos erzählten, dass Gillo eine jung verstorbene Jungfrau
war, die untot umher reist und Kinder tötet.
Sie ist von vampirischer Art und frisst mit Vorliebe die Leber von männlichen
Kleinkindern.
Sie lebt unter Menschen und zeigt nur ihr wahres Gesicht, wenn sie gerade
frisst oder zum Angriff hinüber schreitet.
Wer hinter ihr Geheimnis kommt, wird kaltblütig getötet.
Nur mit einem speziell angefertigten Dolch kann man Gillo töten…
Avas Elternhaus
Ava lag im Bett und hatte ihr neu gekauftes Buch aufgeschlagen. Sie hatte
sich schon ein bisschen eingelesen und war positiv über die ersten Seiten des
Buches überrascht. Während sie sich immer mehr in das Buch vertiefte und um
sich herum alles vergaß, bemerkte sie auch nicht, wie ein dunkler Rauch unter
ihrem Bett aufstieg und eine Person langsam hervor gekrochen kam. Die Hände
tasteten sich vorsichtig unter die Bettdecke und griffen nach Avas Füßen.
Erst nachdem sie zwei kalte Hände an ihren Fußknochen spürte, nahm Ava die
Anwesenheit einer anderen Person wahr und blickte verwundert unter die
Bettdecke. Ehe sie vor Schreck schreien konnte, wurde sie schon unters Bett
gezogen und verschwand zusammen mit dieser Person im Nichts…

Unterwegs / 21:00
Der Anwalt hatte sich schon während der Fahrt einen Plan ausgedacht, wie er
die Verdächtige mit einer List austricksen konnte. Stürmisch rannte er in das
Haus und blieb schnaufend vor einer Wohnungstür stehen. Dann dachte er, dass
man ihm es nicht ansehen durfte, dass er gerade auf einer Art von Sherlock
Holmes Mission war und setzte sein Pokerface ein, welches er in den letzten
Jahren durch den Beruf angeeignet hatte und klopfte seelenruhig an der Wohnungstür.
Im nächsten Moment wurde die Tür von einer jungen Dame aufgemacht, die ihn verwundert anstarrte. Er grinste freundlich und meinte zu ihr, dass er super Nachrichten für sie hatte. Tyler wurde in die Wohnung gebeten und beide setzten sich auf das Sofa. Tyler fing gerade mit seinem Satz an und wurde von der Person unterbrochen.
„Ich bin echt dankbar, dass Sie unser Anwalt sind. Was würde ich bloß ohne sie tun. Ich verstehe es einfach nicht, dass immer unschuldige mit hineingezogen werden…“, sagte sie und änderte ihren Ton. „Wieso müssen andere Leiden, die nichts dafür können. Matt, Mitch, William und.. sogar jemand von ihnen...“, die Frau setzte sich neben Tyler und hielt besorgt seine Hand, ehe sie weiter sprach, „Ethan Bridgeman“ Tyler zog seine Hand von ihr weg und stand entsetzt auf. „Was ist mit ihm?“
Sie fing höhnisch an zu lachen und duzte ihn.. „Das wirst du gleich sehen“. Sie ging in das Schlafzimmer und zerrte auf einem Stuhl, den bewusstlosen und festgebundenen Ethan heraus. „Dein Freund wollte Hero spielen und mich in meiner Wohnung aufsuchen, da er herausgefunden hatten, wer der wirkliche Entführer war. Seine CSI-Nummer ging aber gründlich daneben, da ich schon bereits auf ihn gewartet hatte.“
Tyler wurde zornig und wollte auf die Frau losgehen. Noch vor einem Tag hatte er so viel Mitleid mit ihr gehabt, da sie ihm was vorheulte, wie schrecklich das alles für sie war, dass ihr zukünftiger Freund unschuldig im Gefängnis saß und nun musste er mit entsetzen feststellen, dass diese junge Frau alles andere als nett war. Im Gegenteil sie war ein hinterhältiges und verlogenes Gör, die alle reingelegt hatte - Es war die kleine unschuldige Georgina Bellingham...
Georgina verwandelte sich in Gillo (Dämon) und drohte Tyler, seinen Freund kaltblütig aufzuschlitzen, wenn er nur versuchen wollte, sie anzugreifen. Drohend ging sie zu dem Anwalt und offenbarte ihm ihr kleines Geheimnis…

„Vor ungefähr fünf Monaten erwachte ich in dem Körper der Georgina Bellinghan. Damals wusste ich nicht, dass William Folks den Dämon in dieser Frau erkannt hatte. Erst als er mich mit dem Dolch angegriffen hatte, entpuppte er sich als einen mittelmäßigen Dämonjäger, der getötet werden musste. Das tat ich dann auch, als er in seiner Zelle eingesperrt war. Doch nach einiger Zeit wollte ich mich echt den Menschen anpassen, da ich die Vorteile erkannt hatte. Ich gewöhnte mich an das normale Essen und verspürte immer weniger den Drang nach Menschenfleisch.
Georgina konnte also sie selbst sein, ohne dass ich sie irgendwie beeinflusst hatte. Doch ich musste feststellen, dass auch Menschen ein hinterlistiges Biest sein könnten. Ihr größter Wunsch war es, in einem Haus am See zu kaufen und benötigte für die Anzahlung 50.000 Dollar. Da ihr Freund sich nur mit Nebenjobs über Wasser hielt und seine Eltern kein Geld geben wollte, obwohl sie ziemlich reich waren, musste Georgina sich was einfallen lassen.
Die Frau hasste Mitchs Eltern, spielte aber immer die unschuldige kleine, und wollte denen einen Denkzettel verpassen, weshalb sie die hinter Mitch River die Entführung des kleinen Bruders plante. – Als der kleine Junge seinen großen Bruder besuchen wollte, überraschte sie ihn von hinten, betäubte ihn mit einem Schlafmittel und brachte ihn in die alte Fabrikhalle. Kurz darauf rief sie die Eltern von dem Kleinen an und forderte ein Lösegeld über 50.000 Dollar..."
In Avas Elternhaus / 22:00
Ava wachte mit einem lauten Schrei in ihrem Bett auf. Ihr Herz pochte noch
ziemlich stark. Ängstlich zog sie ihre Decke von sich um zu kontrollieren,
ob nicht jemand unter ihrer Bettdecke versteckt war - Niemand. Erleichterung. Aufgeregt riss ihre
Mutter die Tür auf. „Schatz was hast du denn?
Wieso hast du denn geschrieen?“. Ava zögerte
kurz und meinte dann zu ihr, dass sie nur schlecht geträumt hatte, wobei
sie recht unsicher wirkte, da der Traum so unglaublich Real war.. Hatte sie das nur geträumt oder war das real? Als die
Mutter etwas beunruhigt wieder das Zimmer verließ, schloss Ava ihre Augen und
versuchte wieder einzuschlafen, obwohl es ihr schwer fiel, da sie Angst
hatte...
Fortsetzung: 4.5. Immer ein Schritt voraus
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Hat Ava nur geträumt?Ergebnisse |